Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
798
Einzelbild herunterladen
 

798 Vulkane

unermeßliche Wolken, welche die ganze Umgegend verfinstern. In Verbindung mitdem vulkanischen Sande, mit Schlacken und Steinen tragt sie zur Bildung wenig-stens des obern Theils der Feucrberge bei. Die Gestalt dieser sogen. Aschenkegel istsehr veränderlich, und oft wird der Berg dadurch höher, oft aber auch reißen Eruptio-nen bedeutende Stücke von demselben los. Sehr häufig sind die vulkanischen Aus-brüche von Regengüssen begleitet, die oft Asche und Sand aufnehmen und auf dieseWeise Schlamm bilden, welcher sich an den Abhängen der Berge und in den anlie-genden Ebenen verbreitet. Jedoch haben auch wirkliche Wasser- und Schlamm-Eruptionen stattgefunden, wie z. B. 1751 aus dem Ätna. Die Vulkane Islands,Amerikas rc., deren Gipfel sich über die Grenzen des ewigen Schnees erheben, rich-ten durch starke Wasserströme oft viel Unheil an. Es sind dies aber gewöhnlich keineeigentlichen Ausbcüche, sondern durch zu große Hitze geschmolzener Schnee. Nacheiner Eruption des Kotopaxi wurde durch solche geschmolzene Schneemassen ein 15Meilen von demselben entfernt liegendes Dorf zerstört. Oft dringen aber auch Ge-wässer in den Berg ein, sammeln sich in besondern Behältern und fließen bei Eruptio-nen ab. Die sogen. Luftvulkane, zu denen besonders der Macalouba aufSicilien gehört, welche Schlamm, durch Gas in dieHöhe getrieben, auswerfen, sindvon den eigentlich vulkanischen Erscheinungen fast ganz unabhängig. Man nenntdiese Luftvulkane des salzigen Wassers wegen, welches sie auswerfen, auch 8al8«s. 1

Zu den vulkanischen Erscheinungen gehören auch die heißen Quellen, vonde- l

nen der G-yser auf Island das merkwürdigste Beispiel gibt. Wahrscheinlich enl- ^

stehen sie daher, daß in mehr oder minder großen, mit vulkanischen Herden in Ver- ,bindung stehenden Höhlen, Wasserdampfe durch starken Druck condcnsirt und mitgroßer Kraft Lurch Spalten oder Risse in die Höhe getrieben werden. Das Labora-torium, in welchem die Natur die vulkanischen Erscheinungen vor- und zubereitet,liegt gewiß tiefer als über Steinkohlenflötzen und Schwefellagern, welche einigeGeologen als Ursachen der vulkanischen Erscheinungen aufführen. Elastische, ausdem Innern der Erde emporsteigende Flüssigkeiten sind das Hauptorgan in den vul-kanischen Erscheinungen, wie man insbesondere aus dem immerwährenden Aufko-chen der flüssigen Lava in permanent auswerfenden Vulkanen (wie Slromboli)nothwendig schließt. Unter den vulkanischen Schlünden ist ein Verrath von immer-während flüssiger Lava vorhanden, der bis in eine gewisse und unbekannte Tiefeniedergeht. Die elastische Flüssigkeit, welche die vulkanischen Erscheinungen und ^namentlich die Flüssigkeit der Lava hervorbringt, ist nichts Andres als Wasser- ^dampf; denn andre Gasartcn kommen dabei wenig oder o.ar nicht in Betracht.

Auf diesen Gedanken führt, nebst vielen Beobachtungen, auch die Beschaffenheit desLavaflusses, welcher in den seltensten Fallen eine bloß durch die Wärme hervorge-brachte Schmelzung, und in den meisten nur ein Auseinandertrcten der krystallini-schen Theilchen einer vorher existirenden und wieder zu redintegrirendcn Urgebirgs-art ist. Den Wasserdampf hierzu aber gibt das Wassbr her. welches in diesen Ge-birgsarten enthalten (latent) ist. Die Erhitzung dieser Gebirgsartcn bis zu einemsolchen Grade, daß das in denselben enthaltene Wasser in Dampf verwandelt wer-den kann, geschieht wahrscheinlich dadurch, daß nach bekannten, sich immer mehr be-stätigenden Wahrnehmungen im Innern der Erde immerfort Wärme erzeugt wirdund nach oben strebt. Indem nun an denjenigen Stellen, wo ein Übermaß der ^zuströmenden Warme gegen die abgeleitete entsteht, und gegen welche ein beträcht-licher Druck von oben und von den Seiten ausgeübt wird, das latente Wasser dererhitzten Gebirgsart in Dampf überzugehen strebt, erfolgt ein Gegendruck, welcher,sobald die Expansivkcaft an dieser Stelle das Übergewicht über den Druck von Au-ßen erhält, Hebung der aufliegenden Felsmassen bewirkt. Gewaltsame Hebung derüber einem Körper von theils geschmolzener, theils (in den obern Theilen) nur heftig

erhitzter Lava liegenden spröden Gebirgsartcn muß Zerreißen und Spalten der letz-