Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
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Vogel (Christian Leberecht)

daselbst 1787, brachte abwechselnd mehre Wochen, mit Kunstunterricht und Ma-len beschäftigt, bei den benachbarten reußischen, bei den schönburgischen Herrschaf-ten und in Klosterodc bei dem Grafen v. Schulenburg zu. Der einsame Aufenthaltin Wildenfcls führte den jungen Künstler, dessen sinnigem Gemüthe die Abgezogen-heit eines stillen Natur- und Familienlebens sehr zusagte, noch mehr in sich selbstzurück und bildete seinen zarten und tiefen Sinn für ideale Wahrheit der kindlichenNatur zur reinsten Innigkeit aus. Für Ideen empfänglich, und überhaupt mehrkontemplativ als nach Außen vi'clthätig, beschäftigte sich V. in Wildenfels, wo ihnauch die Freimaurerei sehr anzog, Jahre lang mit der Farbenlehre. Eine Frucht sei-nes selbständigen Nachdenkens, ohne die Literatur dieses Gegenstandes zu kennen,war s. Schrift: „Die Schönheitslehre über die Verhältnisse der Form'' (1812),wozu die Farbenlehre den 2. Th- bilden sollte. Ohne Kant gelesen zu haben, kamB. durch eignes Nachsinnen auf dessen Erklärung des Schönen; überhaupt enthältjene Schrift manche feine und tiefe, auf Gefühl gegründete Beobachtung, vorzüg-lich über die Bilder von Rafael. Sprache und Darstellung sind freilich unvollkom-men, da V. den schriftlichen Ausdruck sich selbst schaffen mußte. Noch in Wilden-fels zum Mitgliede der dresdner Akademie ernannt, kehrte er erst 1804 ganz nachDresden zurück, wo er 18l4, bei der neuen Einrichtung der Akademie, als Lehrer,mit dem Professortitel, in dieselbe eintrat. — Wir nennen nur einige Bilder diesesMeisters. Von Wildenfels schickte er nach Dresden zur Ausstellung das Portraitseiner beiden Söhne: eine ideale Gruppe, gegenwärtig im Besitze des HofcathSGroschke zu Mitau. Dieses Bild fand so allgemeinen Beifall, daß er vielfache Be-stellungen von Kinderportraits erhielt. Mehre Bilder wurden nach jenem erstenwiederholt; das letzte kaufte der König von Sachsen für die Galerie zu Dresden.V.'s erstes großes Bild war das Altargemälde in der Kirche zu Lichtenstein imSchönburgischen, nach den Worten des Heilandes: „Lasset die Kindlein ic." 30Jahre später malte V. denselben Gegenstand, der ihn vor allen andern anzog, unddieses vollendete Bild, sein letztes großes Gemälde, befindet sich in dem Schlosse zuWildenfels. Noch verdienen 2 Plafonds von ihm in dem Bibliotheksaale des Gra-fen Solms zu Wildcnfels: der Wechsel von Tag und Nacht, und die 3 Grazien,genannt zu werden. Als Portraitmaler gab V-, bei sprechender Ähnlichkeit, derDarstellung idealen Ausdruck und künstlerische Anordnung. So stellt ein großesFamilienbild von ihm, auf dem Schlosse zu Wolkcnburg, die sämmtlichen Kinderdes verstorbenen königl. sächs. Confcrenzministcrs Grafen v. Einsiedel dar; so malteer mit sichtbarer Liebe die Fürstin Repnin mit ihrem Sohne, und eine zweiteGruppe, die beiden Töchter dieser Fürstin. Auf dem königl. Schlosse zu Dresdenhängen noch seine Portraits der Söhne u. Töchter des Prinzen Maximilian. Auchmalte er den berühmten Werner in Freibcrg. — Unter V.'s kleinern, meisterhaftenCompositionen nennen wir Amor und Psyche, die mehrmals verschieden dargestell-ten Kinder mit dem Vogelbauer, den Ganymed, und andre, welche seine Witwebesitzt. Seine treffliche Copie der Nacht (ein Viertel des Originals) ist nachRußland gekommen; eine fast vollendete Copie dieses Correggio in der Größedes Originals, sowie seine Copie von Carlo Dolce's Cäcilie u. a. m. besitzt dieGräfin v. Einsiedel, Gemahlin des königl. sächsischen Cabinetsministers. — V.war der erste Maler, der die Schädlichkeit deS Bolusgrundes erkannte und vermied;daher halten sich seine letzten Bilder sehr gut. In späterer Zeit malte er auch aufHolz. Wie sein ganzes Wesen zart und sanft war, so haben auch seine Bilderviel Weichheit und Zartheit; in einer gewissen Zeit bemerkte man an ihnen selbstetwas Schwaches und Mattes, dem Colorit fehlte eS an Kraft, was jedoch derKindernatur mehr entsprach. Bisweilen vermißte man auch die letzte technischeVollendung. Doch in allen Bildern V.'s erkennt man sein lebendiges Gefühl fürschöne Formen, vereint mit Lein zarten Effecte der niederländ. Schule. Als Mensch