732 Visconti (Familie)
Namen berühmt; doch hat sich in neuern Zeiten ein Streit erhoben, ob er die Mo-delle zu s. Arbeiten selbst gefertigt oder bloß ihre Ausführung besorgt habe. (S. das„Kunstblatt s 1822, Nr. 36.) Vorn In- und Auslande erhielt V. Bestellungen,und s. Gießhütte ward von keinem Fremden, der Ansprüche auf Bildung machte,übersehen. In spätern I. arbeitete V. mit s. 5 Söhnen gemeinschaftlich; so ent-stand z. B. s. berühmtes Grab des heil. Sebaldus in der St.-Sebaldkirche zu Nürn-berg (von 1506—19), das durch Richtigkeit der Zeichnung, die edcln und abwech-selnden Stellungen, den Ausdruck der Köpfe in der großen Menge von Figuren,und den Faltenwurf der Gewänder, sowie durch die Reinheit des Bronzegusses, sichden berühmtesten Werken italien. Meister gleichstellt und selbst viele antike über-trifft. Außer den Aposteln (gestochen von Albert Rcindel, Nürnberg 1822, auchwerden jetzt Abgüsse von demselben in Nürnberg gefertigt) und den Kirchenvaternbemerkt man an diesem Denkmale allein 72 Figuren. Früher als dieses berühm-teste aller Werke V.'s, das durch viele Kupferstiche in neuerer Zeit bekannt gewor-den ist, war das eherne Grabmal des Erzbischofs Ernst von Magdeburg, Las dieZahrzahl 1497 trägt. (Herausgeg. und beschrieben von Cantian, Berl. 1822, Fol.)Unentschieden ist noch, ob das bronzene Basrelief in der St.-Egidienkirche zu Nürn-berg mit V.'s Zeichen und der Jahrzahl 1522, welches den Leichnam Jesu vor demKreuze liegend darstellt, vom Vater oder von einem der Söhne herstamme. DerMittelmäßigkeit der Arbeit wegen hat man das Letztere geglaubt. Auch das Denk-mal des B. Ehr. von Stadion, das diesem Relief gegenüber eingemauert ist, würdediese Annahme bestätigen. Denn die unbestrittenen Werke P. V.'s, die aus Bronzegegossene Figur des Apollo, jetzt im Schlosse zu Nürnberg, einst die Zier einesBrunnens, und das leider jetzt vernichtete Gitter, mit Labenwolf's Reliefs, dasjahrhundertelang eineZierde des nürnberger Rathhauses war, bis es 1809 als altesMetall zerstört ward. ferner dicGedächtnißtafel Ant.Kressen's in der Lorenzkirche recht-fertigten von jeher die hohe Meinung von s. künstlerischen Talente. Jenes kostbareGitter war die letzte Arbeit des Vaters P. V., bei der ihn, noch vor der Vollendung,der Tod übereilte. Nach der gewöhnlichen Angabe starb er 1530; nach A. durcheinen unglücklichen Zufall, 10 I. später. Zu der Reihe s. bekannt gewordenen Werkegehören auch Bronzen in der Schloßkirche zu Wittenberg. — Sein Bild, wie er inder Gießhütte aussah, hat P. V. unter den kleinen Figuren am Sebaldusgrabe an-gebracht, und P. Vogel im Schloßsaale zu Pillnitz neben der Skulptur danach wie-derholt. Nachgüsse der 12 Apostel von jenem Denkmale findet man als Träger desAltarqclanders in der Domkirche zu Berlin.
Visconti (latcin. Vioeoomites), eine lombardische Familie zu Mailand, diesich durch ihre polit. Rolle und durch Verdienste um die Wissenschaften im Mittel-alter und in neuerer Zeit berühmt gemacht hat. Über den Ursprung des Geschlechtsund s. Namens ist man ungewiß; jenes leiten Einige sogar von den longobardischenKönigen, diesen von einem angeblichen Rechte her, den Königen von Italien die Kro-ne aufzusetzen. Schon im 11. Jahrh, erwähnt die Geschichte nicht unrühmlich eini-ger Visconti, dann aber verschwinden sie wieder, als Friedrich Barbarossa Mailandzerstörte, und die V. nebst einigen andern adeligen Familien der Gegenpartei derTorrianer weichen mußten. Der erste, der den Grund zur Macht s. Hauses legte,war Otto V., Erzbischof von Mailand (gest. 1258), der s. Feinde besiegte und dieHerrschergewalt s. Neffen Mattco I. (gest. 1322) hinterließ. Dieser hatte anfäng-lich viel von den Torriancrn auszustehen, mußte sogar 2 I. hindurch in der Ver-bannung leben, erlangte aber, als Kaiser Heinrich Vll. nach Italien kam, durch ge-schicktes Benehmen den Titel eines kaiserl. Statthalters, den er bald mit dem einesHerrn von Mailand vertauschte. Er ließ das Erbe s. erstgeborenen Sohne Galeazzo,der indeß, von mächtigen Feinden und s. eignen Brudern gedrängt, durch Ludwigden Vaier 1327 im Schlosse zu Monza eingekerkert wurde und bald darauf in