626 Vereinigte Staaten. !!. Revolution
erhalten hatte. Dort galten nicht Kastenvorrechte, sondern allein der persönlicheWerth; dort gab es keine Frohnen, Zehnten, Monopolicn und Steubrprivilegien,keine erbliche Stellen und angeborene Amtsansprüche, sondern nur allgemeine Bür-gerrechte. Und obgleich — da Nichts, wo Menschen schalten, vom Sturme derLeidenschaften unberührt bleibt — die ruhige Fortbildung der neuen Staaten vonZeit zu Zeit durch innern Zwiespalt und durch Kriege mit den Indianern gestörtwurde, so erweckte dagegen Beides den Muth, berichtigte die Meinung und lenktedie Kraft zu Behauptung Dessen, worauf die Wohlfahrt des Gemeinwesens beruhte.
Der Handel, anfangs nur mit dem Pelzwerke des Binnenlandes, nahm nach und ^nach durch die Ausführung eigner Naturerzeugnisse (Holz, Lebensmittel, Fische,Reis, Korn) beträchtlich zu, Geld kam in Umlauf, und mehre Staaten legten Dru-ckereien und Schulen an. Das Volk ward mündig, indem es sich selbst und denMutterstaat sowol gegen die Wilden als gegen die Franzosen in Canada f1740—1748 und 1755 —1763 *-) kräftig vertheidigte, und s. Verwaltung in dem In-nern jeder Provinz nach bester Einsicht für sich selbst leitete, sowie es sein Boden, s.Bildung und die Natur seiner Grenzen am bequemsten zuließen. Dadurch erwachteein politisches Selbstgefühl, welches die Beschränkungen des Handels durch dosMonopol des Mutterlandes schon längst mit Unwillen ertrug, und jetzt nicht duldenmochte, daß Amerikas Bürger (2^-Mill.) von dem britischen Parlamente willkürlichmit Steuern oder Taxen — so gerecht und billig auch diese Beiträge der Colonienzu den britischen Staatslasten an sich waren — belegt wurden, ohne dazu — wie »Englands Bürger, mit denen sie doch ursprünglich gleiche Rechte haben sollten —durch ihre eignen Vertreter im Unterhause ihre Einwilligung gegeben zu haben.
A. 1l. Revolution. Die britischen Colonisten in Nordamerika erhoben sichzur Freiheit, ohne durch tyrannischen Druck dahin getrieben zu sein — aus bloßemRechtsgefühl. Denn da die Bürger Nordamerikas sahen, daß der Anmaßung derbritischen Regierung ihnen ohne ihre Zustimmung eine unbedeutende Taxe aufzu-legen, eine lange Reihe drückender Handlungen folgen werde, so griffen sie, nachClay's Bemerkung, nur gegen die bloße Theorie der Tyrannei zu den Waffen. Alsoverbrannten sie das ihnen 1765 von England zugesandte Stcmpelpapicr, und dasbritische Parlament fand sich durch Camdcn's und Chatam's Rath bewogen, dieGrcnville'sche Stempelacte (19. März 1766) wieder aufzuheben. Dasselbe geschahunter North 's (s. b.) Ministerium, den 22. April 1770, in Ansehung der Aufla-gen auf Glas, Papier und Malerfarben. Nur ward, in Gemäßheit der sogen. De- lclarations-Bill, von 1766, welche die Oberherrschaft und das Besteuerungsrecht ,des britischen Parlaments behauptete, der Thee in den amerikanischen Colonien mit !einer Abgabe belegt, die freilich an sich unbedeutend war (3Pence vom Pfund), undbei welcher sogar, da gleichzeitig die Ausfuhr in England freigegeben ward, die Ame-rikaner ihren Thee wohlfeiler erhalten hätten als zuvor. Aber dieser Kunstgriffschlug fehl, und das erbitterte Volk warf zu Boston (18. Dec. 1773) 342 KistenThee, welche der ostindischen Compagnie gehörten, ins Meer. Dies ward die Losungzum Kriege. Das Parlament faßte nämlich, ungeachtet Pitt und Bücke das Rechtdxx Werikaner, sich selbst zu besteuern, vertheidigten und jede gewaltsame Maßregelwndcrricthcn (30. März und 20. Mai 1774), mehre harte Beschlüsse. Der Hafen !
von Boston wurde gesperrt, bis die ostindische Compagnie Genugthuung erhalten ,
habe, der Freibrief und die Verfassung von Maffachusets wurden vernichtet, und die !Quebeckacte erweiterte das Gebiet von Canada aufUnkvstcn der alten Colonien undgab jener Provinz eine von der Krone ganz abhängige Regierung. Dagegen erhobsich allgemeiner Widerstand. 51 Abgeordnete aus 12 Provinzen traten d. 5. Sept.
») Großbritannien besaß, nach dem pariser Frieden von 1763, in Nordamerikadie nachher frei gewordenen 13 Provinzen, deßgl. Neuschottland, Canada, Cap Bretonund die Floridas.