Vend^e, Vendeekn'cg 601
hänglichkeit an den Adel als hier, daher mußte auch hier die Zerstörung der Mon-archie, besonders aber des Gottesdienstes, sehr mißfallen. Wegen Neuerungenin der Religion entstanden schon 1792 unter den Landleuten unruhige Bewegun-gen, die aber bald wieder unterdrückt wurden. Allein im folg. I. wurde durch dieanbefohlcneAushcbung verjüngen Mannschaft zum Kriegsdienste die eigentlicheund nächste Veranlassung zum Ausbruche des Krieges gegeben. Am 10. März1793 sollten zu St.-Florent die jungen Leute zum Kriegsdienste ausgehoben wer-den; sie setzten der Gewalt, die man gegen sie brauchte, Gewalt entgegen und nö-thigten die öffentlichen Beamten zurFlucht. Ein von seinen Mitbürgern geachteterFrachlfuhrmann, Cathelincau, stellte sich an die Spitze derjungen Leute, um sich derRache der Republikaner zu entziehen. Mit einem schlecht bewaffneten Haufen von100 M. überwältigte er einen Posten republikan. Truppen von 80 M. und bemäch-tigte sich einer Kanone. Hierdurch ermuthigt, führte er noch am nämlichen Tage eingrößeres Unternehmen glücklich aus. Sofort entstanden auf mehren Punkten ähn-liche Bewegungen, jedoch ohne Verabredung oder Verbindung unter einander; diestärksten in der Gegend von Fontcnay, der eigentlichen Vende'e. Ein Pccücken-macher, Gastou, war hier der erste Anführer, fand aber bald seinen Tod. Nach ihmstellte sich Eharette an die Spitze der Aufrührer, der späterhin seine Stellung ander Meeresküste nahm und einer der Hauptanführcr der Vendöer wurde. Ein För-ster, Stafflet, aus dem Elsaß gebürtig, führte einen andernHaufcn an. Die Be-waffnung derAufrührer bestand anfangs nur in Stöcken, Sensen und Spießen;Keinem fehlte jedoch das geweihte Herz auf der Brust und der Rosenkranz imKnopfloche. Aber ihre Art zu fechten, indem sie, durch die Vortheile des ihnen be-kannten Terrains begünstigt, die rcpublikan.Truppen unvermuthet überfielen undsich sogleich aufdie Kanonen stürzten, verschaffte ihnen Waffen und größer» Muth.Selbst ihre Anführer hatten wenig Erfahrung in derKriegskunst; aber sie warenimmer die Ersten beim Angriffe. Dieser Muth, der an Begeisterung grenzte, undihre sich schnell entwickelnden Talente verschafften ihnen bald ein großes Über-gewicht über die republikan. Truppen. Auch waren die Truppen, die man ihnenzuerst entgegenstellte, größtentheils selbst ungeübt und ohne wahren Eifer für dieneue Republik. Eine Sonderbarkeit dieses Krieges war es, daß, wenn ein Gefechtgeendigt, ein Unternehmen vollführt war, die Bauern sogleich wieder nach Hauseund an ihre Arbeit gingen; nur eine kleine Zahl blieb bei den Anführern. Dochkonnten Alle im Nothfälle sehr bald wieder versammelt werden. Wurden sie ge-schlagen, so zerstreuten sie sich, gingen in ihre Heimath und warteten ruhig, bisman siezn einem neuen Unternehmen aufrief. — Die ersten Unternehmungen derVcndöer geschahen ohne Plan, ihre Absicht war bloß, die gewaltsamen Aushebun-gen zum Kriegsdienste zurückzuweisen; unter den einzelnen Haufen war keine festeVerbindung, Jeder handelte für sich da, wo es nöthig war. An die Spitze einesdieser Haufen stellte sich ein neuer Anführer, de la Noche-Jaquelin, derbald Vortheile erfocht, die den Muth der Vendeer vermehrten. Nach und nach ver-größerte sich die Zahl, mehre Ausgewanderte aus andern Provinzen vereinigtensich mit ihnen, selbst von den republikan.Truppen gingen Einige zu ihnen über.Jetzt bemächtigten sie sich einiger von den Republikanern besetzten Städte. EinSieg, den sie bei Fontenay, obgleich 8 Tage früher an diesem Orte geschlagen,d. 24. Mai 1793 erfochten, verschaffte ihnen 40 Kanonen, viele Gewehre, Kciegs-vorrath und eine nicht unbedeutende Easse. Der Ausstand gewann seitdem mehrFestigkeit, man errichtete einen obersten Vcrwaltungsrath zu Chatillon. Die Hoff-nung der Vendeer, daß auch in andern Departements ähnliche Bewegungen ent-stehen sollten, blieb jedoch unerfüllt. — Bisher hatte der Nationalconvent denAufstand in der Vcndee entweder für zu unbedeutend gehalten, oder nicht Kräftegenug gehabt, ihn beim ersten Ausbrsiche zu unterdrücken, Die Aruppen, welche