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11 (1830) T bis V
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Bellejus Paterculus Velthem

sammlung war aus dem Grunde sehr wichtig, weil durch sie die Vorrechte des Adelsauf Sicilien, die sich aus der Zeit Negers hcrschreibcn, größtentheils vernichtet wur-den. V. gab dem Könige von Neapel von seinen angeblichen Schätzen Nachricht,und fand, besonders wegen jener Urkundensammluug, die günstigste Aufnahme.Sowol der 6v<Iex äipIoinLtiouki als auch der Livius sollten arabisch, mit einervon V- gefertigten ital. Übersetzung, auf königl. Kosten in Druck erscheinen. Sosonderbar es auch war, daß V. seine Handschriften nie aus den Händen gab, undmit höchster Vorsicht, ja Schüchternheit nur solchen Personen vorzeigte, die keinArabisch verstanden, so konnte man doch keinen Argwohn schöpfen, da die ProbendesOriginals und der Übersetzung, welche den Gelehrten zur Prüfung vorgelegt wur-den, ihren Beifall erhielten. Selbst Olaus Tychsen, dem zu gleichem Zweck einBruchstück des Livius zugesandt worden, konnte V.'s äivinum inzenium nicht ge-nug preisen. So erschien 1791 der I.Bd. des „Oockex «liplomatieu»" (4.), undeinige Jahre später der 1.TH. des Livius in einem starken Foliobande. Da trat un-erwartet Jos. Hager, ein Mann, der selbst nicht ohne gelehrte Marktschreierei, unddes Arabischen wenig kundig war, auf, und machte bemerklich, daß in V.'s Liviusgewisse Eigennamen ganz anders geschrieben seien, als die Araber sie schrieben; erbehauptete ferner, die Inschrift des Siegelringes stimme mit V.'s Übersetzung nichtüberein, ohne daß er sie jedoch zu übersetzen wagte. Aus diesen und andern äußernUmständen zog Hager den Schluß, daß ein Betrug zu Grunde liege. Er machte dies1799 in einer kleinen Schrift („Nachricht von einer literarischcn Betrügerei rc.")bekannt. Jetzt siel den gelehrten Prüfern der Schleier von den Augen. Sie sahen,daß das Arabische in beiden Werken nicht die gewöhnliche Schriftsprache, sonderndie verdorbene Mundart von Malta, daß der Livius eine dürftige Compilation ausden vorhandenen Quellen, und ebenso der „Ooäex äiploinatiou»' ein neueres Mach-werk sei. Tychsen entzifferte und übersetzte die Inschrift des Ringes, die einen Spruchdes Koran enthielt. Man untersuchte jetzt die Handschriften, und der Betrug war un-läugbar. V. kam ins Gefängniß und starb wahrscheinlich darin, indeß blieb über derganzen Sache ein gewisses Dunkel. Merkwürdig ist es, daß ein Unwissender diesenBetrug entdeckte, während Sachkenner sich täuschen ließen.

Bellejus Paterculus, ein röm. Geschichtschreiber, ungefähr 20 I. vorund 311. n. Chr., stammte aus einer angesehenen Familie in Eampanien. Er befeh-ligte die Reiterei bei dem röm. Heere in Deutschland unter Tiberius, folgte diesem inseinen andern Feldzügcn, und war zuletzt Prätor in Rom. Er war ein eifriger An-hänger und Lobredner des Tiberius und seines Günstlings Sejan. Man vermuthetdaher, daß er in den Proceß des Letztem mit verwickelt worden und dabei umgekom-men sei. Von seinem Auszuge der röm. Geschichte, der in gutem Latein, aber nichtohne Parteilichkeit für die damals regierende Familie geschrieben ist, und vieleSchmeicheleien für Tiberius und Sejan enthält, sind noch 2 Bücher übrig, von de-nen jedoch der Anfang fehlt. Die besten Ausg. von Dav. Ruhnken (Leyden 1779),von Barbou (Paris 1777) und von Burmann (Leyden 1719).

Velthem (Johann), gebürtig aus Halle in Sachsen, begründete um 1670in Deutschland die erste Schauspielergesellschast von Bedeutung und Einfluß auf dieKunst. Er hatte in Leipzig studirt, und Studenten, also mindestens Halbgebildete,statt der frühern Handwerksschauspieler, machten seinen theatralischen Verein aus.Er brachte Möllere auf die Bühne und soll dessen erste nürnbergische Übersetzung(1694) besorgt haben. Er bereiste Berlin, Hamburg, Nürnberg, Breslau, Frank-furt«. M., Leipzig, und war der Erste, welcher der damals noch so verachtetenKunst Achtung erwarb; daher denn auch sein Name in unserer thcatergeschichtlichcnLiteratur sich stets in einem gewissen Glänze erhalten hat und selbst im Auslandebekannt geworden ist. („Oi-i^on, opoeas ^ progroso« llel teatro espauol, porl-arvia sie VM-muevn", Madrid 1802, S. 107.) Er wird oft Veltheim genannt,