572 Wandalen
ganz unwahrscheinlich, daß diese Fledermäuse zu der Fabel von den Harpyen Anlaßgegeben haben, wenigstens erwähnen ihrer einige alte Schrifistellcr. Das WortVampyr soll nach Adelung serbischen Ursprungs sein. Der Glaube an blutsaugendeGespenster, welche man ebenfalls Vampyre nennt, ist sehr alt. Die Neugriechennennen ein solches (nach Tournefort, „Relation ,1'un voz-nAv <lu 1-evsnt", 1. Thl.,S.52) Brukolakas, aber schon die ältern Griechen harten ihre Empusen, unddie lamme und lemuroa der Römer sind aus demselben Volkswahn hervorgegan-gen. 1732 entstanden in Ungarn und besonders in Serbien große Bewegungenüber vermeinte menschliche Vampyre, welche Untersuchungen von Seiten der Re-gierung, und in Deutschland verschiedene Schriften für und wider die Sache ver-anlaßten. Das gemeine Volk jener Länder glaubte nämlich, und glaubt es zumTheil noch jetzt in Dalmatien, daß die Leichname Derer, die wegen Verdachts derZauberei oder andrer Vergebungen im Kirchcnbanne gestorben wären, nicht verwe-sten, sondern an sich selbst nagten, des Nachts aus ihren Gräbern gingen, Perso-nen, mit denen sie ehemals in Verbindung gestanden, das Blut aussägen, und sieso umbrächten. Wahrscheinlich mochte ein Leichnam, den man noch unversehrt ge-funden hatte, zu diesem Aberglauben Anlaß gegeben haben. Die Erzählung: „DerVampyr", welche 1819 in England erschien, Lord Byron zugeschrieben wurde, undder Oper von Marschner zum Grunde gelegt worden ist, sachte die Erinnerung andiesen Volksglauben wieder an. — Im figürlichen Sinne nennt man bisweilenVampyre solche Menschen, die durch ungerechte und drückende Auflagen, oderauch durch wucherische Unternehmungen, Geld von den Bewohnern eines Landeserpressen und ihnen gleichsam ihren Schweiß und ihr Blut aussaugen.
Wandalen, nach Einigen ein slawischer Volksstamm, wenigstens befin-det sich ein Stammrest unter d. N., 40,000 Seelen stark, mit einer eignen, sehralten slawischen Mundart, in Ungarn, im eisenburger Comitat; nach A. ein ger-manisches Volk: eine von den Nationen, welche durch die Völkerwanderung den Un-tergang des römischen Reichs beförderten. Ihr ursprünglicher Wohnsitz war höchstwahrscheinlich in Norddeutschland zwischen der Elbe und der Weichsel; die älternrömischen Schriftsteller reden sehr unbestimmt von ihnen. Seit dem 3. Jahrh,n. Ehr. führten sie, gemeinschaftlich mit den Burgundern, Kriege gegen die Römeram Rhein. Unter dem Kaiser Aurelian (um das I. 272) ließen sie sich im westli-chen Theile von Dacien oder Siebenbürgen und einem Theile des jetzigen Ungarnsnieder. Als sie aus diesen Gegenden von den Gothcn verdrängt wurden, erlaubteihnen Konstantin d. Gr, sich in Pannonien niederzulassen, wofür sie sich verpflich-ten mußten, den Römern im Kriege Hülse zu leisten. Es war ein großer Miß-griff, den die Kaiser thaten, daß sie, bei dem Verfall des römischen Kriegswesens,Fremde unter ihre Legionen aufnahmen und sie selbst zu den höchsten Würde»erhoben. Die innere Schwäche der Römer wurde dadurch bei den sogenanntenbarbarischen, d. h. fremden Völkern immer bekannter, und diese dadurch kühnergemacht, wiederholte Angriffe auf das römische Reich zu wagen. Daß es unter denWandalen Männer von Talenten gab, beweist das Beispiel von Stilicho (s. d.).Im I. 406 verließen die Wandalen Pannonien und zogen, vereint mit den Ala-nen und Sueven, nach Gallien, wo sie große Verwüstungen anrichteten, von daüber die Pyrenäen (409) in Spanien eindrangen, sich mit den Sueven in das heu-rige Altcastilien und Galicien theilten, und da ein Reich errichteten, dem sich dieAlanen, die sich in Lusitanien niedergelassen hatten, aber sich gegen dic Ang-riffeder Wcstgothcn allein nicht behaupten konnten (420), unterwarfen. Zwischen denVandalcn und Sueven erregte die Eifersucht öftere Kriege; die Erstem behieltenzwar die Oberhand, mußten aber doch, von den Römern gedrängt, aus Galicienweichen und sich nach Bätica — dem Küstcnstriche des heutigen Königreichs Gra-nada --- ziehen. Die Rötncr bekriegten sie auch hier, erlitte» aber (423) eine große