534
Unterwelt
beitrug, eingerichtet, waren gleichsam Wohnungen der Todten, Todtenkammern !(Katakomben) in Steinmassen angelegt, oder erhabene Paläste mit Malereien, be- >sonders Hieroglyphen, prächtig ausgeschmückt und auf lange Dauer berechnet; siewerden inOber- und Mittelägypten häufig gefunden (s. die Abbildungen bei Denon).
In Unterägypten wurden die Todten auf Kähnen, und von Mcmphis aus über denSeeMöris in dieBegrabnißkammern gebracht. Die Menge dieser Begräbnisse ver-mittelte die Vorstellung von einem Todtenreiche, die sich besonders in Mittel- undUnterägypten ausgebildet zu haben scheint. Vielleicht gründete sich auf die ägypti- ,sche Vorstellung von der Unterwelt, über welche man v. Hammer's Abhandl. in den j„Fundgruben des Orients" findet, auch die Vorstellung der Hebräer von ihremSchattenreiche, Scheol genannt. — Von den Griechen sagt Diodor von Sicilien(I, 92 u. 96), daß Orpheus die Begriffe von Hades, Elysium und Tartarus vonden Ägyptern entlehnt habe. Unter Tartaros, Erebos, Hades finden wir bei denGriechen ursprünglich die Unterwelt, das heißt den dunkeln Raum verstanden, derunter der Erdschcibe befindlich ist. Bald ist der Tartaros, auf dem die Erde ruht,ein Sohn des Ehaos (des ursprünglich dunkeln Raums, der unendlichen Leere über-haupt) und Bruder des Erebos, bald, als Kerker der Titanen und der Verdamm-ten, der tiefste Theil der Unterwelt; aber damit noch nicht Todtenreich. Ebensowird Erebos und Hades (letzterer ist, wie der Orkus der Römer, eigentlich Person)früher als unterirdischer Raum überhaupt gebraucht, späterhin ist er Aufenthalts- !ort der Verstorbenen in demselben Schattenreiche; nur daß der Aufenthalt der "Seligen nach andern Vorstellungen auch an das Ende der Welt, auf die Insel derSeligen (wie beiHefiod) oder auf eine elystsche Flur (wie bei Homer, „Odyss.", IV,564) gesetzt wird. In der „Odyss.", X, 507, heißt es: Eine Tagereise weit vonder Insel Ääa, am westlichen Ende des Weltstroms Okeanos, liegt das dunkle, .d.S Sonnenlichts beraubte Land der Kimmerier. Hier ist der Eingang der Woh- !nung des Aides, und an den Felsen des unterirdischen Einganges der Pfuhl Acheron, ^in welchen sich der feurige Pyriphlegethon stürzt, und der Kocytus, ein Arm des !Styx. In der Unterwelt sitzt Aides mit goldenem Scepter geschmückt, die Ge-storbenen richtend; „hier ist die Asphbdeloswiese, wo die Seelen zugleich, dieGebild' Ausruhender wohnen", und Gute und Böse unbekannt find. Nur be-sondere Lieblinge der Götter wohnen auf einer glücklichen Insel auf der Oberwelt.(S. den Aufsatz: „Homer's Unterwelt", im „Morgcnblatt", 1807, Nr. 92 )Diese Vorstellung wurde mit der Vorstellung von der Erde weiter ausgebildet.
Es wurde das Todtenreich nun in die Erde versetzt, und grauenvolle Gegenden, wosich der Abgrund zu öffnen schien, wurden als Eingänge desselben betrachtet. Diegewöhnlichste Vorstellung wurde folgende: Rings war das Todtenreich, umfloffmvom Styx, und der Eingang zu demselben war nur möglich durch den schlammigenKocyt. Charon, d. i. der Fährmann, fährt die beerdigten Todten, von Hermesdem Unterirdischen geleitet, hinüber. Am jenseitigen Ufer, wo Charon die Seelenaussetzt, liegt in einer Höhle der schreckliche Cerberus. Dann kommt man auf einengeräumigen Platz, wo der Richter Minos sitzt und entscheidet, welchen Weg dieSeele wandeln soll. Nun theilt sich der Weg zu des Aides Palast und zum Ely-siu m (s. d.), welches zur rechten Seite des Einganges lag, und zum Tartarus(s. d.) zur linken, als Ort der Strafe für die Verdammten, wo Rhadamanthosthront. In dieser Mythe ist die ägyptische Grundlage klar, und selbst die ägypti-schen Namen des Charon, Cerberus, Kocytus, Acheron weisen darauf hin. Inder Nähe von Memphis nämlich war, nach Diodor, der See Acherusia, der dieseDichtung von dem Höllenfluß und der Wohnung der Abgeschiedenen veranlaßte,denn über denselben wurden die Todten von einem Fährmanne, der dafür einenObolos bekam, zu den Begräbnißplätzen der Ägypter, den schönen Wiesen, nah andem Tempel der dunkeln Hekate gefahren, woraus die Dichtung entstand: Charon