486 Umtriebe (demagogische) m Deutschland
Untersuchung gezogen worden; natürlich mußte also auch bei der Abfassung derptohi'bitiven Beschlüsse den möglichen Folgen, welche die rcalisirte Gesinnung in derkünftig erwachsenen Generation hätte haben können, vorgebeugt werden, und demweitem Umsichgreifen des Schwindclgcistcs und der Anstcckungsmittel Einhalt ge-schehen. Diese Maßregeln betrafen aber nicht den Geist der freien wissenschaftlichenUntersuchung, noch beschrankten sie die Thätigkeit würdiger Gelehrten, sondern stestellten bloß die Schar der Tages - und periodischen Schriftsteller unter höhere Auf-sicht und legten dem jugendlichen Ungestüm den Zügel der Ordnung und der Erfah-rung an. Daß man die Turnplätze ganz aufhob, war zu bedauern. Doch hat ,man seit Kurzem diese Anstalten wiederhergestellt; Dänemark, Frankreich und dieSchweiz gaben das Beispiel von ihrer zweckmäßigern Einrichtung. Es war jaschon im alten Griechenland der kluge Hermes der Aufseher über die Athletik undführte den Vorsitz bei den Ringspiclen! Indeß sind allerdings der Jugend Beschei-denheit, Fleiß und sittliche Anmuth — ohne welche sie selbst der schönen Jugend-zeit sich nicht erfreuen kann — mehr noch zu empfehlen als gymnastische Kunstkraft.Wenn also das Turnen jenen Eigenschaften nachthcilig war, so mußte dasselbe, in-soweit eS Rohheit, Anmaßung und Gleichgültigkeit gegen die höhere Bildung zurFolge hatte, unterdrückt werden. Doch hatte man schon vor dem Aufkommen desTurnwesens in vielen Familien und gelehrten Schulen, auch da, wo es späterhinkein-Turnplätze gab, wahrgenommen, daß in der männlichen Jugend „Beschei-denheit, Gehorsam, deutscher wissenschaftlicher Fleiß, Ehrfurcht und Vertrauen, nichtsowol für Regenten und für bürgerliche Ordnung, als vielmehr für Ältern, Lehrer, 'Vorgesetzte und das Alter überhaupt", merklich abgenommen hatten. Man bemerkte,daß der alte, höchst strafbare, mit den sogenannten burnaniorilnis ganz unverträg-liche Pennalismus, der die Jüngern mißhandelte und das Schutzsuchen bei demVorgesetzten dem Schutzlosen zum Verbrechen machte, welches die ältern Bubenoft auf die grausamste Art rächten, daß dieser rohe Pennalismus auf hochgepriese- !ncn classischen Schulen sein Unwesen forttrieb und selbst in Pensionskinderschulenspukte. Man hatte gesehen, daß in mehr als einer Familie vom sogenannten sei-nen Tone das väterliche Ansehen ganz gesunken war, weil die Frauen aus ibrerSphäre heraustraten, und der Luxus beide Theile in seine Wirbel fortzog. Was,fragte der Beobachter, wird diese gcsetz- und zuchtlos aufgewachsene rohe Jugendauf der Universität beginnen, wo sie füglich unter keiner nähern Aufsicht mehr ste-hen kann? Wozu sind denn bei unsern Schulen Schulinspectoren vom Magistrate,von der Geistlichkeit und vom Konsistorium, und Rectoren angestellt, die große ^Gewalt — und z. B. auf jenen classischen Schulen auch große Einkünfte haben, umvon den Spenden der Schüler ganz unabhängig leben zu können ? Thun diese Män-ner ihre Pflicht nicht, oder messen sie wol gar die Strenge ihrer Zucht nach der Be-trächtlichkcit der Geschenke ab, was soll der Knabe für eine Achtung gegen Vorgesetzteund für Gesetze auf die Universität mitbringen? Hier, wo schon längst dem Unsinnder Duelle und andrer rohen Ausbrüche der Sclbsthülfe von Seiten des Staatsnicht Einhalt gethan werden konnte, wodurch nothwendig das Ansehen desselben inden Augen der jungen Freiherren sinken mußte! Man untersuche nur die frühereSchuljugend und die Familknerziehung der aussätzigen Turner und Bursche (dennnicht Alle sind roh und unbescheiden; wir kennen Viele, die sich trotz ihrer deutsch-thümlichen Tracht, durch Sitten, Fleiß und Denkart sehr auszeichneten), und 'man wird in den meisten Fällen finden, daß nickt das Turnen allein, noch dieakademische Freiheit, sondern daß vorzüglich auch die schlaffe Zucht der Rekto-ren und Schulinspectoren, nebst der Schwäche der Väter und der Eitelkeit derMütter, an der trotzigen Richtung des Jünglings Schuld gewesen sind. JederWohlwollende muß daher ernstlich wünschen, daß die am 18. November1819 ausgefertigte Dienstvorschrift für die außerordentlichen Rcgierungsbcvvll-