Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
484
Einzelbild herunterladen
 

484 Umtriebe (demagogische) in Deutschland

angestiftet wird. Ebenso wenig kann der Wunsch nach Einheit an sich beunruhigen;denn was diese betrifft, so hat über eine kraftvolle Nationalcinheit alles Gemeinsa-men unter den Vernünftigen in Deutschland stets dieselbe Meinung geherrscht.

Um unS hierüber aufzuklären, bedurfte es nicht erst der Burschenschaft. ES waralso höchst anmaßend, und aufs mildeste gesagt, ein sehr unreifer jugendlicher Ein-fall, diese Einheit auf eine — nicht ausführbare — allgemeine akademische Verbin-dung gründen zu wollen, die sich ohnehin nach wenigen Jahren, unter dem vielfa-chen Getriebe der bürgerlichen und der Familienverhältnisse, wieder auflösen mußte.

Die Freiheit endlich ist eine Allen angeborene Idee, und das Ideal der bürgerlichen 'Entwickelung überhaupt, oder, wie ein alter Purist dieses Wort übersetzt: einSchöngcdacht l Kein Wunder also, daß dieses Wort mit seiner Zauberkraft auchjugendliche Gemüther einnahm und sich, nach allen vorausgegangenen Umstanden,mit der Vorstellung von Dcutschhcit oder Deutschthum vermischte. So wenig abervon jeher der große Haufe darüber im Klaren und mit sich selbst einig gewesen ist,was man unter Freiheit verstehen soll, so wenig konnte ein Haufe junger Burschedie öffentliche Meinung hierüber fixiren. Nur Das erschien mit Recht bedenklichund der Zukunft wegen gefährlich, daß sich dieser jungen Gemüther eine politischeUnzufriedenheit, ein Geist der Fronde bemächtigte, welcher sie von ihrem Berufeabzog, ibre heitere Unbefangenheit in Trübsinn und Unmuth verwandelte, und siezu unberufenen Tadlern alles Bestehenden machte. Dieser finstere Geist mußte ausden Schulsälen verbannt werden. Übrigens zeigte sich der blinde Fürstenhaß, zu ,dem mehre jugendliche Schwindelköpfe sich bekennen sollten, nicht und nirgends imdeutschen Volke. Und auch bei jenen äußerte er sich bloß wie eine Gemüthskrank-heit , die unmittelbar mehr dem damit Behafteten als dem Gemeinwesen schadenkonnte. Denn der Lehre von der Nothwendigkeit einer Revolution, d. i. eines ge-waltsamen Umsturzes, welche als der gefährlichste Punkt hier und dort aus demNebel der akademischen Bundesidee hervortrat: dieser ebenso sinnlosen als strafbarenLehre hat zu jeder Zeit am kräftigsten die Zufriedenheit des deutschen Volks wider-sprochen. Theoretische Schulgrübcleien bringen nun und nimmermehr eine Revo-lution hervor, deren einziger Grund, nach unserer Überzeugung, immer hauptsächlichöffentliche Willkür, sittliche Auflösung der Gesellschaft und öffentliches Elend ist.—Die 3. Frage: Wodurch hat man das Volk verführt? ist bereits amtlich beant-wortet, jedoch ist zugleich die Volksverführung auf die Schuljugend beschränktworden. Denn die erwachsene Generation, heißt es in der „Staatszeitung", sei j„bei ihrer Rechtlichkeit und Vernunft" der Verführung für unempfänglich geach-tet worden; darum hatten die Verführer sich der Jugend auf Universitäten, Gym-nasien und Schulen bemächtigt. Als Mittel der Verführung seien gebraucht wor-den : 1) die Larve der Deutschheit; 2) die Larve der Erkcäftigung, mittelst deSTurnens; 3) geheime Verbindungen in und außer der Akademie, besonders die all-gemeine Burschenschaft, und (angeblich) geheimere Grade derselben. — „DasTurnwesen und die Burschenschaft", sagt das Circulare (und dies mit vollem Recht),„hatten zur Absicht, aus der gesammten Jugend einen Staat im Staate zu ma-chen". 4) Die Lehre von der Volksthümlichkeit, d. h. von republikanischen Grund-sätzen (zwischen beiden ist doch wol ein großer Unterschied!). — Die 4. Fragebeschränkt sich auf Das, was die verführte Jugend als solche gethan hat; vom ,Volke selbst kann dabei nicht mehr die Rede sein. Die „Staatszeitung" hat durch 'die abgedruckten Stellen aus Briefen, Aufsätzen und Protokollaussugcn,den Vor-witz und den Wahnsinn mehrer Knaben und Jünglinge hinlänglich nachgewiesen.

In der Folge hat die aus den Acten gezogene „Amtliche Belehrung über denGeist und das Wesen der Burschenschaft", welche auf Befehl zur Verwarnung fürStudirende auf den prcuß. Universitäten den t. Oct. 1824 zu Halle erschien, ge-zeigt, wie die 181? entstandene Burschenschaft als Mittel zu verborgenen Zwecken