Troubadour
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wie gesagt, die Wurzel des heutigen Französischen, aus, und waren da, wo sienicht etwa die Dichtungsweise der Provenzalen, auch in der provcnzalischen Mund-art nachahmten, die epischen Dichter Frankreichs, in ihren Gesängen und Ritter-romanen die Fabelkreise der Ritter von der Tafelrunde, der Amadis, und vonKarl d. Gr. und seinen Pairs beschreibend. Sie gingen vornehmlich von demdurch Rollo, den Normann, gestifteten Herzogthume der Normandie aus, zwi-schen Frankreich und England sich theilend, und reichten von dem 12. Zahrh. biszum Ursprünge der neuern stanz. Literatur im 16. Treu dem Charakter des nörd-lichen Frankreichs, beschränkte sich ihr Dichten auf raisonnirendes Erzählen, nochjetzt das Herrschende in dem undichterischen Lande. Aber von ihren wenig bedeu-tenden Werken haben wir unter dem Art. Rirterwesen gesprochen, und dür-fe» also hier nicht umständlicher von ihnen reden, zumal ihr Name ohnehin nichtdie universale Bedeutung erhalten hat, die den Troubadour noch jetzt auszeichnet.Hmdeln wir also bloß noch von den Dichtern des südlichen Frankreichs, denTroubadours. Die herrlichen Küstenländer von Provence, Languedoc undGuienne mit Gascogne waren schon durch ihre frühere Bekanntschaft mit den Rö-mern der Bildung fähiger geworden, und die germanischen Völkerstämme, dieauch dahin drangen, fanden hier offenbar weit mehr Veranlassung, sich zuent-wildccn, als in den nördlichen Provinzen. Marseille blühte damals schon alsder bedeutendste Handelsplatz Frankreichs. Auf die Eigenthümlichkeit der südli-chen provenzalischen Poesie hatten die physische Beschaffenheit des Landes und danndie politischen Schicksale desselben in dem Mittelalter einen bestimmten Einfluß.Nicht so in sich abgeschlossen wie Spanien, das in seinen Grenzgebirgen eine ste-tige Anregung innerer Kraft und Selbständigkeit besitzt, theilt das südliche Frank-reich mit jenem Lande die schöne Üppigkeit des Süden, ohne seine Kraft und ade-liche Männlichkeit zu besitzen. Reiche Fluren mit den schönsten, feuerreichstenErzeugnissen des südlichen Bodens, romantische Thäler und Berge in dem frucht-baren Sevem.engebirge, eine freundliche, lang ausgedehnte Küste am mittellän-dischen Meere, in einem heißen, erschlaffenden Klima, geben dem Lande den An-strich des Idyllischen und lassen das Leben leicht von dem Ernst der Arbeit, diehier gar nicht so mühsam gefedert wird, zu einer gewissen wollüstigen Weichlichkeithinneigen. Es verliert sich der Süden Frankreichs ohne eine festere Grenze all-malig in den Norden, und hat in sich selbst kein Element, das ihn bestimmte,seiner Weichlichkeit durch das Bestreben, selbständig zu sein, Grenzen zu setzen.Dies gibt natürlich dem Charakter seiner Bewohner jene Hinneigung zu einemheitern, fröhlichen, fast nur spielenden Lebensgenuß, zu weiblicher und in ihrerWeiblichkeit lieblicher Tändelei mit allen Gütern des Lebens, die wir aus Thüm-mel's „Reisen ins südliche Frankreich" an ihnen kennen. Ihre Ritterlichkeit mußteeine andre sein als die Spaniens oder des Nordens, galanter als diese, weicherund heiterer als jene, und ihr Heroismus mußte äußern spielenden Prunk als einwichtiges Stück zu jedem ritterlichen Unternehmen mitbringen. Dazu nun abernoch die politischen Schicksale dieses Landes, die gewissermaßen selbst in dem Cha-rakter des Klimas geblieben sind, wenig durch große, erschütternde Umwälzungen,mehr durch Königsthrone, fast nur zum Spiel aufgerichtet, und Hofhaltungen,mehr der Liebe und dem heitern, glänzenden Lebensgenuß als dem ernsten Re-gieren gewidmet, ausgezeichnet. Frankreichs Schicksale in dem Mittelalter bietenein seltsames Gewirce dar, in welchem die entgegengesetzten Kräfte noch völlig ge-schieden sind, und, sich bald anziehend, bald abstoßend, nur nach langem Streitezur Ruhe kommen können. Der karolingische Königsstamm mußte bald genugdie Hand der rächenden Nemesis erfahren, und die Blutrache, die er sich durch seineUngerechtigkeiten gegen die Merovinger zugezogen hakten ward hart an ihm geübt.Bald war Frankreich unter mehre Karolinger zersplittert, bald zum Scheine wic-