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Trotzendorf
den. Sein Andenken nach s. Sinne zu ehren, beschlossen 1810 die Landstande derNiederlausitz, ein neues Landesstipendium für arme Studirende von Adel, u. d. N.des Trvsky'schen, zu stiften. Vgl über ihn Fielitz's „Samml. biograph. Skizzenund Notizen a. d. Leben geborener Lausitzer" (Luckau 1811).
Trotzendorf (Valentin Friedland), unstreitig der berühmteste Schul-manns. Zeit, Rector zu Goldberg in Schlesien, von welchem Melanchthon nichtohne Grund sagt, er sei ebenso zum Schuldirector, wie Scipio der Ä. zum Feld-herrn geboren *), war am 14. Febr. 1490 zu Trotzendorf in der Obcrlausih ^nacheiner andern, weniger wahrscheinlichen Angabe zu Friedland in der Niederlausitz)geboren. Wenn sein Vater, ein Landmann, den Mönchen die Gaben, welche siebei ihrem Terminiren eingesammelt und bei ihm zur Aufbewahrung nieder-gelegt hatten, nach Görlitz brachte, begleitete ihn sein Veiten (Valentin), undauf den Rath der Mönche kam der ungefähr 11jährige Knabe auf die Schulenach Görlitz, kehrte aber zur größten Betrübniß s. Mutter bald wieder zurück undäußerte, daß er kein Mönch, sondern ein Bauer werden wollte. Der Schulmei-ster und Pfarrer des Orts unterrichteten ihn nun im Lesen, Schreiben und Rech-nen. Da er bei der Armuth des Vaters Papier, Dinte und Feder nicht kaufenkonnte, so schrieb er auf die innere Birkenrinde mit einem zugespitzten Schilfrohrund mit einem Gemisch aus Wasser und Ofenruß. In seinem 16 I. (1506)kam er wieder auf die Schule nach Görlitz. Die Worte, welche ihm seine Mut-ter zurief: „Bleibe beider Schule!" sah er als einen Wink zu s. künftigen Berufan. Da er mit ungemeinem Fleiße studirte, so gestattete ihm der Rector E u s-pianus den Gebrauch s. Bibliothek. Nach dem Tode s. Ältern verkaufte er 1513das väterliche Gütchen, ging nach Leipzig und benutzte in der gricch. und lat.Sprache den Unterricht des berühmten Peter Mosellan und Richard Crvcus.Hier ward er Magister und ging 1515 als unterster Lehrer nach Görlitz. Dendortigen Rector und die übrigen Lehrer unterrichtete er in den Anfangsgründen dergriech. Sprache und las mit ihnen griech. und lat. Schriftsteller. Indeß war Lu-ther aufgetreten. T- konnte der Begierde, diesen großen Geist kennen zu lernen,nicht widerstehen. Er legte s. Amt nieder, ging 1518 nach Wittenberg, schloßsich innig an ihn und an Melanchthon an, lernte von einem getauften Juden, Ha-drian, bei welchem er die Stelle eines Dieners versah, da er ihm kein Honorar ge -ben konnte, Hebräisch. In den letzten Jahren s. Aufenthalts in Wittenberg er-warb sich T. viel durch Privatunterricht, und ward von s. Schülern, im eigentli-chen Sinne des Worts, oft auf den Händen getragen. 1523 folgte er dem Rufezum Rectorat an dem neuangelegten Gymnasium zu Goldbcrg. Da er aber vieleHindernisse fand, ging er nach 4 Jahren als Lehrer nach Liegnitz, und von da1529 wieder nach Wittenberg, aber 1531 zum zweiten Male nach Goldbcrg alsRector, weil man ihm alle mögliche Unterstützung bei s. Schulverbcsserungcn zu-sagte. Mit musterhafter Treue stand er dieser Schule 33 Jahre vor und brachtesie zu einer seltenen Berühmtheit. Nicht nur aus Schlesien, sondern auch ausPolen, Lithauen, Östreich, Böhmen, Ungarn, Siebenbürgen strömten Schü-ler nach Goldberg in so großer Zahl, daß T. einmal geäußert haben soll, daß,wenn alle seine ehemaligen Schüler beisammen wären, er aus ihnen eine kräftigeArmee gegen die Türken stellen könnte. Man erzählt auch, er habe zuweilen seineSchüler so begrüßt: „Guten Morgen, ihr Herren von Adel, ihr kaiserlichen, kö-niglichen und fürstlichen Räthe, ihr Bürgermeister und Rathsherrcn, ihrHand-wcrksleute, Künstler, Kaufleute und ihr Soldaten u. s. w., aber auch ihr Tauge-nichtse !" Die große Menge der Schüler (oft waren über 1000 beisammen) wohn-ten in den Schulgcbäuden. U n allen nützlich zu werden und Ordnung unter ihnen
*) „Ouem aä regencka« soliols» nvn minus natuni, guam aä rsKenda castra8cipion«m olim Eiesnum puto". („Deck.", Bd. 5, S. 8l7.)