50 Taschenbücher- und Almänachslitcratur in Deutschland
buch für Frauenzimmer, welches Claudius (nicht der wandsbccker, sonder» derleipziger) herausgab, hatte sich durch die eine Zeit lang mit Glück fortgeführteGeschichte der darin eingeführten Familie Ehrenberg ein großes Publ'cum erwor-ben. Am Ende schlief dies freilich aus Langweile dabei ein, und das Taschenbuchhörte (1813) einige Jahre auf, bis ein neuer Verleger und ein neuer Herausgeber(Hofrath Nochlitz) es (1817) eine Zeit lang (bis 1820) ins Leben zurückriefen.
Das ebenfalls in Leipzig erscheinende Taschenbuch zum geselligen Vergnü-gen, das vor allen andern ein großes Glück in der deutschen Lesewelt gemachthat, erschien zuerst 1791 bei Voß und Leo, und wird noch immer fortgesetzt. ^Die ersten Jahrgänge besorgte der als Bibliograph und Buchhändler bekannteRoch, in dessen Verlag auch das Taschenbuch bald nachher überging. Späterkam es in den Verlag des Buchhändlers Enoch Richter (Firma Glebitsch), inwelchem es eine lange Reihe von Jahren, anfangs durch den Hvfcath Becker, undnach dessen Tode durch den Hofrath Kind herausgegeben wurde. Letzterer, derdas Eigenthumsrecht an diesem Taschendnche für die Beckcr'schen Erben zu besitzenbehauptete, gerieth darüber mit dem genannten Verleger in Streit, der eine Tren-nung Beider zur Folge hatte. Nun erhielten wir seil 1818 ein doppeltes „Taschen-buch zum geselligen Vergnügen", von welchen das eine durch Kind bei Göschen,seit 1829 bei Hartmann, und das andre bei Glediisch durch den Professor Wendtin Leipzig, seit 1827 aber bei L. Voß durch den Verleger selbst zusammengestelltwurde. Das Eotta'sche Taschenbuch für Damen hat sich seit 1798 durch diebedeutenden Verbindungen dieser Handlung stets anziehender Beitrage von Huber,Pfeffel, Lafontaine, Göthe, Jean Paul u. A. zu erfreuen gehabt. Cotta unter-nahm 1802 ein ähnliches Taschenbuch in stanz. Sprache unter dem Titel: „chl>»-r-naoli cle» Dames", und ließ dasselbe in Paris zusammenstellen und drucken, wieauch dort die Kupfer dazu stechen. Es ist ein Sammelwerk von piöoo» fuAitivc!-,und sein Verdienst beschränkt sich auf die oft hübschen Küpferchcn. Das Taschen-buch der Liebe und Freundschaft wurde 1800 von dem Buchhändler Wil-mans, damals in Bremen, unternommen. Der jetzige Herausgeber ist StephanSchütze. Die Minerva, ein ebenfalls sehr beliebtes Taschenbuch, das 1809zuerst herauskam und wahrscheinlich von dem Verleger, Gerhard Fleischer, selbstzusammengestellt wurde, hatte sich durch die Idee, zu den Kupfern Darstellungenaus den Werken Schillers u. s. w. zu wählen, welche eine Zeit lang von Bött'germit einem Commentar begleitet wurden, sehr beliebt gemacht. Seit 1815 erschien, ^unter des Leitung Fouque's, später G- Döring's, und des Buchhändlers Schregin Nürnberg, das Frauen Laschen buch, das wegen seines meistens wohlge-wählten Inhalts und seiner zierlichen Kupfer freundliche Aufnahme findet. Diebei Ernst Fleischer erscheinende Orphea bat den P an, zu den Kupfern Dar-stellungen aus den bekanntesten deutschen Opern zu wählen; sie begann 1824 mit8 Scenen aus dem , Freischütz". Zu den beliebten Ephemeriden diese An sindferner noch Cornelia, von Schreiber, das Rheinische Taschenbuch (jetztvon Adrian redigirt), Penelope, von Theodor Hell, und Vergißmein-nicht, von ClaurenHeun, zu zählen, welches letztere an den Rosen seit 1827und an Vielliebchen von A von Tromütz seit 1828, Pendants erhalten hat.
Die Aglaja, welche in Wien von Wallishaussr herausgegeben wird, zeichnet ^sich durch sehr sauber in punktirrer Manier ausgeführte Nachbildungen berühmterGemälde von John aus, und der von der Calenderdeputation in Berlin heraus-gegebene Taschencal end er empfiehlt sich durch Beiträge von Tieck und histo-rische Aufsätze. Noch machen wir auf die Alpenrosen, ein in Bern erscheinen-des Taschenbuch, aufmerksam, das von Wpfi, Kühn, Hegncr und a. schweizerischenGelehrten und Dichtern oft mit trefflichen Beiträgen ausgestattet ist. Wir er-wähnen des Taschenbuchs Urania zuletzt, weil es von dem Herausgeber dn ss