Tarquinius Supcrbus Tartarus 47
und den Vorsatz, die Königswürdc auf diesen zu vererben; allein die Söhne des AncuSMartins erregten einen Auflauf, in welchem T. in seinem 80. Lebens - und 39. Re-gierungsjahre getödtet wurde; doch erreichten sie den Zweck ihrer Frevelthat nicht,denn die Königin Tanaquil wußte den Tod ihres Gatten eine Zeit lang zu verbergenund es auch dahin zu bringen, daß ihr Schwiegersohn Servius Tullius, der bei demVolke sehr beliebt war, zum König erwählt wurde.
Tarquinius Superbus, Enkel des altern Tarquinius (s.d.vor. Art.), der?, und letzte der alten römischen Könige, machte sich durch seinenÜbermulh und seine Zwinghcrrschaft (was beides sein Beiname bezeichnet) verhaßtund gab nebst seinem Sohne Sextus (dem Schänder der Lucretia, s. Vrutus) dieVeranlassung, daß Rom in einen Freistaat umgewandelt wurde. Schon seineThronbesteigung war durch ein Verbrechen gebrandmarkt; denn er hatte s. Schwie-gervater, den vorigen König, Servius Tullius, auf Anstiften, wie es heißt, dereignen Tochter desselben, seiner Gattin, ermordet. Um sich als eigenmächtiger Ge-bieter zu sichern, umgab er sich mit einer bewaffneten Leibwache, die meist aus Aus-ländern bestand. In mehren Kriegen mit den Nachbarn zeigte er sich zwar als einentüchtigen und glücklichen Feldherrn; doch dies schützte ihn nicht gegen den Unwillender von ihm Unterdrückten, an deren Spitze sichBrutus (s. d.) stellte. In einemAlter von 76 Jahren, nach einer 25jähr. Regierung, mußte er mit seinem Sohneflüchten und starb, 90 I. alt, in Eumä, nachdem er umsonst durch List und Gewaltversucht hatte, sich seiner vorigen Herrschaft wieder zu bemächtigen, indem er zuersteine Verschwörung zu seinen Gunsten in Rom anzuzetteln suchte, und dann, dadies mißlang, mit Hülfe des etruskischen Königs Porsenna, und nachher der Sa-biner, Lateiner und a. benachbarter Völkerschaften, die Römer bekriegte.
Tarsus, die alte große Hauptst. Eilici'cns, am Eydnus, eine Zeit lang derSitz eigner, von der persischen Oberherrschaft abhängiger Könige. Es ließen sichhier unter der Regierung der Selcuciden viele Griechen nieder, die eine Art von hoherSchule für Philosophie und Philologie daselbst gründeten, welche zurZeit der römi-schen Kaiser sehr berühmt war und in ihrer größten Blüthe stand. Hier wurde derApostel Paulus geboren und empfing seine gelehrte Bildung. Jetzt ist es ein armerOrt; doch zeugt der Umfang der alten Mauer» von der ehemaligen Größe.
Tartaglia, eine Maske des neapolitanischen Volkslustspicls.
Tartane, ein kleines, leichtes Fahrzeug, das, vorzüglich im mittelländischenMeere, theils zur Fischerei, theils zum Küstenhandcl gebraucht wird, nur einengroßen Mast und einen Fockmast hat und, wie alle kleinere Schiffe in diesem Meere,dreieckige Segel führt, welche die Italiener vola latinn nennen.
Tartaren, s. Tataren, Tatarei.
Tartarus (Mpthol.) nannten die Alten 1) den Ort der Strafe, wo dieTitanen und Verdammten eingeschlossen waren. Sie dachten ihn sich unter derErde, in ewiges Dunkel gehüllt, als den Gegensatz vom Elystum, umgeben voneiner dreifachen Mauer, und von dem feurigen Strome Phlcgethon und dem Ache-ron begrenzt. Eine Schilderung dieses schaudervollen Aufenthalts findet sieb beiHesiodus, einem der ältesten griech. Dichter. Gleich fern von der Erde (heißt es beiihm, in der „Theogonie") ist des Tartaros finsterer Abgrund (nämlich als der Him-mel entfernt ist von der Erde):
Wenn neun Lag' und Nächte sodann ein eherner AmboßFiele hinab von der Erd', am zehnten käm' er zum Abgrund.
Ehrnes Gcheg' umläuft den Tartaros; aber umher ruhtDreifach gelagerte Nacht an dem Eingang.
Damit ist Virgil's Beschreibung im 6. Buche der „Äncis" (V. 577) zu verglei-chen, wo die Strafen der Verdammten umständlicher geschildert werden. Dortliegt der ungeheure Tityos über 9 Hufen Landes hin ausgestreckt und nährt mit