Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
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Lalma 31

Gewändern, Ausdruck der Leidenschaften und nach den verschiedenen Costumen. Indem letzten Punkte war das stanz. Theater noch sehr zurück. T. wurde der Schöpferder bedeutendsten Reformen in diesem Fache. Beim Ausbruche der Revolutionwurde Chönier's Trauerspiel:Karl IX., oder die Bartholomäusnacht", ausge-führt. T. studirte den Charakter und die Handlungen Karls IX. in der Geschichteund dessen äußere Erscheinung in Bildnissen und Medaillen von diesem Könige,und gab ihn dann mit so lebendiger Wahrheit, daß von da an sein Ruf als ersterstanz, tragischer Schauspieler feststand. Eine nicht ausgezeichnete, aber regelmäßiggebildete Gestalt, eine volle, wohltönende Stimme, und gegen die antiken Formensich hinneigende, bildsame Gesichtszüge standen bei ihm mit einem klaren Geiste,tiefer Empfindung, warmer Phantasie und großer Reizbarkeit in harmonischerVerbindung. Die Erregsamkeit seiner Nerven zeigte sich schon in der Jugend sehrauffallend. In der P-nsion führte er mit s. Mitschülern eine Tragödie auf, woriner die letzten Augenblicke eines Freundes zu beschreiben hatte, der von s. Vater zumTode verurtheilt worden war. Die Situation ergriff ihn so heftig, baß er in einenStrom von Thränen ausbrach, der erst einige Stunden nach beendigtem Schau-spiel gehemmt werden konnte- Ein Nervcnsieber, das ihn in spätern Jahren befiel,erhöhte diese Reizbarkeit und ließ eine große Melancholie zurück. Diesen Eigen-schaften verdankte er die so unentbehrliche Leichtigkeit, sich die Charaktere, die Lei-denschaften, die Affectcn, die innersten Regungen des Gemüths der darzustellendenPersonen in allen Graden und Abstufungen so vollkommen anzueignen, daß in dervollendetsten Täuschung die Natur selbst sich auszusprechcn schien. Auch der Geistseiner Zeit hat mächtig auf seine Kunst gewirkt. In der Revolution sah er gleichsamdie Geschichte vor seinen Augen entstehen. Ein großes Drama entwickelte sich vorihm, in welchem er selbst mithandeln mußte. Es war eine lange, katastrophenreicheTragödie. Alle. Leidenschaften waren aufgeregt und trieben zum freien, gewaltigenHandeln. Begeisterte Redner donnerten Schreckensworte und Zerstörung von denBühnen in das Leben hinunter. Helden aller Gattungen aufder Tribune, am Staats-ruder und im Felde standen auf, und sielen mit einem weit in die Umgebungen ein-greifenden Geräusch. Neben den Gräueln der verworfensten Verbrecher leuchtetenauch die großen Tugenden der classischen Vorwclt. Sichtbar wandelte das Verhäng-niß und unwiderstehlich unter den Menschen. Talma faßte dielen echt tragischenCharakter der Wirklichkeit auf und übertrug ihn mit genialer Lebendigkeit in seineDarstellungen. So verschieden das stanz. Trauerspiel von dem englischen und deut-schen ist, so verschieden ist natürlich auch dessen Darstellung. T., durch das Studiumder Revolution und s. frühe Kenntniß des engl. Theaters geleitet, zeigte in s. Spieleeinige glückliche Übergänge von der ersten zu der letzten. Er spielte nie komischeRollen, und so war sein ganzes Streben ein rein tragisches, das sich auch inseinem Wesen mit voller Würde aussprach. Seine liefe Einsicht in die Natur derSchauspielkunst zeigt seine lehrreiche Abhandlung über Lekain. Sein Umgangwar dabei bescheiden, gefällig und angenehm. Während der Revolution theiltensich die Schauspieler des 'IRöLtre krangais, und T. führte die Direktion derneuen Gesellschaft (lle la rue cko Uiclxrlieu), bis unter dem Direktorium beide wie-der vereinigt wurden. T. stand in großem Ansehen bei Napoleon, der alsGeneral, als Consul und als Kaiser ihn mit Auszeichnung behandelte und oft umsich hatte. Er folgte ihm nach Erfurt, wo er vom ruff. Kaiser und vom Herzogevon Weimar Beweise vorzüglicher Schätzung erhielt; sowie auch 1813 inDresden.Erstarb den 19. Oct. 1828, und wurde nach s. Willen ohne den Beistand der ka-tholischen Kirche begraben; auch hatte erst beiden Kinder protestantisch erziehenlasst», weil er nichteinerKirche angehören wollte, die seinen Stand verdammte.Seide, Arsacks, Orestes, Ninyas, Vendüme, Hamlet, Manlius, Augnstus, Joab,Nicome^es, Agamemnon, Marius, Capello, Regulus, der junge Marigny, der