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11 (1830) T bis V
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Talleyrand-Perigord (Familie)

den zu gebrauchen. Als kalter Beobachter läßt er sich in s. scharfen Urtheile durchNichts irren, keine Leidenschaftlichkeit stört ihn, auch kein Haß, keine Rachsucht, dieihm ganz fremd ist, keine Eigenschaft imponirt ihm. Man kennt nur 2 schwacheSeiten an ihm: die Scheu vor der Entscheidung durch die Waffen und die Liebezum Gelde. In der Pairskammer stand der Fürst v. T. bei mehren wichtigenErörterungen an der Spitze der Opposition. Unter s. gedruckten und von der Nationmit Beifall aufgenommenen Reden zeichnen wir aus: die Abstimmung des Fürstenfür das Nichtschuldig des angeklagten Robert in der Verschwörung vom 19. Aug.(s. Frankreich); die vom 26. Dec. 1820, über die Competenz der Pairskammerin Hochvcrralhsproceffen; die vom 24. Juli 1821 gegen die Wiederherstellung derCensur; die Rede vom 13. Nov. 1821 bei dem Tode des Grafen Bourlier, Bischofsvon Evreur; die Abstimmung am 26. Febr. 1822 gegen das Gesetz über Preßver-gchen; und dieOpinivn sur lo pichet li'ailrvooe en reponso an lliseour« >iu roilors >Ie I'ouverture ,Ie In seasion", die der Fürst im Febr. 1823, gegen den Kriegmit den Cortes in Spanien, in der Pairskammer gehalten hat. Lauge Zeit war Fürstv.T. bei dem Wechsel der Ministerien ein Gegenstand der öffentlichen Aufmerksam-keit, da s. Name bald den Anhängern von Pasquier, bald denen von Decazes, baldden Gegnern von Beiden und den Doctrinairs ein großes Gewicht zu geben schien.Allein T. trug nie eine bestimmte politische Farbe, am wenigsten die der Ultras; seinWitz und s. treffenden Bemerkungen machten ihn jedoch stets zu einem bedeutendenGegner des Ministeriums. 1828 haben s. Vermögensumstände durch den Falleines großen pariser Handelshauses bedeutend gelitten. Noch besitzt er die HerrschaftValengay, wo er auf Napoleons Befehl dem Prinzen v. Asturien und dem Jnfantensein Schloß als Aufenthaltsort einräumen mußte. 1816 erhielt er aus Dankbarkeitvom König Ferdinand 1. von beiden Sicilien das im Königreich Neapel gelegeneHerzogthum Dino geschenkt. Als Staatsmann und Minister kann Fürst T.weder mit Sully, noch mit Richelieu, noch mit irgend einem berühmten Staats-mann verglichen werden. Er ist einzig in seiner Kraft, wie in s. Kunst. Besaß Na-poleon das Genie des Siegs, so hatte T. das Genie der Staatskunst; Beide ver-einigt zügelten und vernichteten die Revolution. T. gab wol die äußere Macht auss. Händen; aber ihm blieb die doppelte höhere Macht des Goldes und des Verstan-des. Mitten im Wechsel so großer Erschütterungen schwebte er, selbst unantastbar,wie das Schicksal, ungesehen über den Ereignissen, die er vorbereitete oder lenkte.Dieser Kopf, der durch Klugheit Alles zu beherrschen wußte, dringt fein, scharf undschlau in den letzten Grund der Verhältnisse ein; fruchtbar an kurzen Schlagwortenund schneidenden Bemerkungen im feinsten Tone, entwickelt er lichtvoll und gründ-lich das Verworrene und Dunkle, indem er leicht darüber hinstrcift; dennoch sahman nie auf s. Gesichte, was er wollte. Die Mitwelt bewundert s. Geist, die Nach-welt richte über s. Charakter! *)

Der Oheim des Fürsten, der Cardinal Talleyrand-Perigord, Erz-bischof von Paris, starb als Großalmosenier von Frankreich, 85 I. alt, d. 20. Ocr.1821 zu Paris. Ihm folgte s. Coadjutor, Herr de O.uelen. Bezon, Graf v.Talleyrand-Perigord, Bruder des Fürsten, ist Generalüeut. und Gouver-neur zu St.-Gcrmain-en-Laye; dessen Bruder, Archambauld, ftit 1817Herzog v. Talleyrand-Perigord, istGeneraliieutenant; dessen Sohn, Ed-mund, Graf v. Talleyrand - Periqord, Herzog v. Dino, diente unterNapoleons Fahnen, wurde Marechal dc Camp, nahm an dem Feldzuge 1823 inSpanien Antheil und ist jetzt Generallieutenant. Er ist der Erbe des Fürsten T.

*) Lady Morgan sagt von L.:Das Gesicht dieses Mannes war ruhig und stillwie die schlafende Kindheit, seine gefalteten und geschlossenen Augen schienen nicht demPlatze anzugehören, welchen er einnahm. Oepeiulniit e'est IVIr. 'lulle^ranä, inuii- samsis visags ns tut moins LaroinStre".