Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
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Tnciüis

Bcredtsamkeit führt mit dem größten Unrecht den berühintcn Namen des T. Alle echteWerke dieses Schriftstellers hat die Mit - und Nachwelt einstimmig für Meisterwerkeeines großen Geistes erklärt. Abgesehen von dem materiellen Nutzen, den wir ausden Gcschichtbüchern des T. ziehen, indem mit prüfender Umsicht aus gleichzeitigenSchriftstellern und Urkunden die merkwürdigen Ereignisse der römischen Geschichtein der größten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. in denselben dargestellt sind, so sind sie,als Kunstwerke betrachtet, wahrhaft unvergleichlich. Was zuerst die Auswahl undAnordnung der Thatsachen betrifft, so erkennt man darin den umfassenden Geist ei-nes gelehrten Mannes und das bildende Genie eines großen Künstlers, der in die roheMannigfaltigkeit Ordnung und Einheit bringt, und aus dem Gewirr eines unge-heuern Staatslebens ein natürlich geordnetes Gemälde erschafft, auf dem sich dieMassen in einzelnen Gruppen wie von selbst sondern, und durch eine bewunderns-würdige, nur dem Kenner ganz erkennbare Kunst die Hauptpersonen von selbst indas hellste Licht treten. Die Zeichnung der Personen und Begebenheiten zeugt vonbewundernswürdigem Ticfblick und hoher Geisteskraft; und jene unglückselige Zeitspiegelt sich in einer Seele, die rein und groß genug ist, um die Scheußlichkeit so tiefunter sich zu erblicken, daß sie, unberührt von allem giftigen Anhauch, nickt zu hefti-gen Empfindungen des Zorns aufwallt. T. steht in einem verworfenen Zeitalter inruhiger Erhabenheit da; das verdorbene Geschlecht spielt zu seinen Füßen mit Gräuelnund Schandthaten; er blickt mit hellsehendem Auge um sich und erzählt der Nach-welt, was er sah. Die nicht erkünstelte, sondern gleichsam unwillkürliche Kürze seinerSchreibart ging aus der Eigenthümlichkeit seines Geistes und der Stimmung s. Ge-müthes hervor. Wie ein aus der Unterwelt hervorgerufener Schatten des alten-mervolkcs erscheint T. in s. Werken, die einer ehernen Tafel gleichen, in welche derleidenschaftslose Richter der Unterwelt in der ernsten Sprache des entscheidenden Tod-lengcrichts die Gränel jenes fluchbeladenen Kaisergeschlechts eingegraben hat. Daist im Ausdruck nichts Müßiges, in der Zeichnung nichts Überflüssiges; die Farbensind mit weiser Sparsamkeit aufgetragen, und Licht und Schatten mit echter Kunstvertheilt. So nachahmungswerth T. in Rücksicht der Anordnung und Auswahl derBegebenheiten ist, so unangemessen scheint es uns zu sein, ihn!» seiner Nömcrkraft,die sich auch in der Kürze des Ausdrucks zeigt, nachahmen zu wollen. Nur ein sol-ches Zeitalter durste in einer solchen Sprache dargestellt werden; und wer die Chro-nikengeschickten eines Hirtenvolks in gleicher Manier beschreiben will, muß nothwen- ^dig in Künstelei und Unnatüclichkeit verfallen. Wir, die wir weder im Ausdruck rö-mische Gedrungenheit und Muskelkraft, noch im Gemüthe stoische Gefühllosigkeithaben, können den T. nur bewundern, nicht mit Glück nachahmen. Bei uns ist derzergliedernde Verstand viel zu geschäftig, als daß er von der Kraft eines solchen Wil-lens, wie er im T. erscheint, in seine Schranken zurückgewiesen werden könnte. DieHistorien" sind in Rücksicht der Mannigfaltigkeit u. Ausführlichkeit der Erzählungüber denAnnalen". Während dieAnnalen" oft nur Umrisse geben, findet sich indenHistorien" Alles weit sorgfältiger im Einzelnen wie im Ganzen ausgearbeitet;während diese die Begebenheiten außer Rom entweder gar nicht, oder nur was denOrient betrifft, berühren, erscheint in denHistorien" der ganze, große Schauplatzin allen seinen Theilen mit der anziehendsten Umständlichkeit geschildert. DieAn-nalen" ermüden daher einigermaßen den Leser durch die Einförmigkeit des Inhalts,der fast nur in der schauerlich ernsten und düstern Darstellung der fluchwürdigstenFrcvclthaten besteht. Dies ist allerdings nicht die Schuld des großen Meisters,aber natürlich, je meisterhafter alle diese Gräuel in ein verhältnismäßig kleineresBild zusammengedrängt sind, desto abschreckender muß dasselbe dem Beschauer er-scheinen , mit desto mehr Unwillen muß sich jede edlere Seele von demselben abwen-den. Bei keinem Schriftsteller ist der Ausleger nöthiger als bei T., daher dieAusg, desselben mit erklärenden Bemerkungen um so willkommener find. Über den