954
V
i. .
Gustav IV.
traf er sogleich die nöthigen Verfügungen. Er verschied am 29. März, nachdem ernoch mit Geistesheiterkeit die nöthigsten Geschäfte geordnet (s. Armfelt) und denBefehl unterzeichnet hatt», s. Sohn zum König auszurufen.
Gustav IV., Adolf, entsetzter König von Schweden, geb. den I.Nov.1778, ward nach dem Tode s.Baters (Gustav III.) am 29. März 1792 zum Königausgerufen, stand 4^ I. unter der Vormundschaft s. OheimS, des Herzogs Karl vonGüdermannland, der die Regentschaft führte (nachmal. K. Karl XM ), und tratden 1. Nov. 1796 die Regierung an. Die RegierungSgeschichte dieses Monarchenzeigt, wie bei Talenten und Herzensgute Vorurtheile und Leidenschaftlichkeit zumhöchsten Unglück führen. Sein Vater wollte einen beharrlichen Mann aus ihm bil-den, und Gustav IV. mochte selbst glauben, im Geiste s. VaterS zu handeln, wenn ermit eigensinniger Unbiegsamkeit Alles seinem einmal angenommenen System unter-ordnete. Er hatte zudem von s. Vater einen Hang zum Ritterlichen geerbt, daher soviele s. Schritte den Anstrich des Abenteuerlichen haben. Doch Vieles von dem Un-begreiflichen, das er that, ist s. Abergläubigkeit zuzuschreiben, die hinlänglichen Stoffbesonders in Jung's Schriften fand. Er war in seinem 18. Z. bereits mit einerPrinzessin von Mecklenburg versprochen, als ihn die Kaiserin Katharina 1796 in derAbsicht, ihn mit ihrer Enkelin Alexandra Paulvwna zu vermählen, nach Petersburg«inlud. Schon war Alles zu dieser Vermählung vorbereitet, und der versammelteHof erwartete den jungen König, als er sich weigerte, den Ehecontract zu unterzeich-nen, weil man Punkte darin aufgenommen, die er der Kaiserin nicht zugestehenwollte; u. A. hatte man der jungen Königin die freie Ausübung der griech. Religionin ihrem Palast» zugesichert, was gegen die Grundgesetze des schweb. Reichs war.Nichts konnte die Weigerung Gustavs besiegen; er begab sich in sein Zimmer, unddas ganze Fest wurde rückgängig. Am 31. Oct. 1797 vermählte er sich mit derPrinzessin Friederike o. Baden, der Schwägerin des Kaisers Alexander und des Kö-nigs von Barern. Ein auffallendes Zeichen seiner Consequenz war, daß er einst aufdem Punkte stan'-, einen Kampf mit Rußland zu beginnen, weil er verlangte, daßdas Geländer mer Grenzbrücke auf der russ. Seite mit Schwedens Farben ange-strichen wer'en sollte, was ihm nicht gewährt werden konnte. Als die nordischenMächte >' aer die Erneuerung des schon früher bestandenen, besonders gegen Eng-land geachteten Bündnisses der bewaffneten Neutralität unterhandelten, begab ersich ^801 selbst, zu Beschleunigung des Abschlusses, nach Petersburg, wo er auchv n Paul I., der ihm in manchen Stücken glich, brüderlich aufgenommen wurde.Der ruff. Monarch ertheilte ihm bei dieser Gelegenheit den Orden des h. Johannesvon Jerusalem. Im Juli 1803 reiste er mit s. Gemahlin an den Hof s. Schwieger-vaters nach Karlsruhe, um den Kaiser und die Neichsfürsten für die damals ganzunausführbar scheinende Idee, die Bourbons an die Stelle deS erblich gewordenenConsuls wieder an die Spitze der stanz. Regierung zu setzen, zu gewinnen. Er be-fand sich noch in Karlsruhe, als den 15. März 1804 der Herzog v. Enghien aufBonapartc's Befehl aus dem Babischen mit Gewalt entführt wurde. Gustavsandte sofort s. Adjutanten nach Paris» um den Prinzen zu retten; allein der Prinzwar schon todt. Gustav übergab deßwegen nachdrückliche Noten in RegenSburgund war mir Alexander I. der einzige Souverain, der über jenen Mord s. Unwillenlaut äußerte. Es ist bekannt, wie schimpflich er dafür in dem „Monitem" behandeltwurde. Der Bruch mit Frankreich, die Verbindung mit Großbritannien und Ruß-land, und Spannung mit Preußen, dem Gustav den schwarzen Adlerorden zurück-schickte, weil Napoleon ihn auch erhalten, und die Ritterehre es verbiete, Waffen-bruder eines Mörders zu sein, — war die Folge s. Hasse- gegen Frankreichs neuenSouverain. Ein müßiger Kopf hatte berechnet, daß in dem Namen „NapoleonBonaparte" die Zahl 666 enthalten sei, und Gustav glaubte hierin das Thier in derOffenbarung Johannis zu erkennen, das nur «ine kurze Zeit regieren würde, und zudessen Sturz er berufen ei! Dies« mystische Ansicht veranlaßte sein oft unbegreis-