Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
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F.

der 6. Buchstabe des deutschen Abc, ein Blaselaut, der durch ein Zu-sammenstoßen der Lippen, verbunden mit einem zischenden Ausstößen der Luft,zwischen dieselben hindurch hervorgebracht wird. In der Musik bezeichnet die-ser Buchstabe die 4. diatonische Klangstufe deS Tonsystems. (Vgl. Ton,Tonart.)

Fabel, im weitem Sinne so viel als Märchen, Erzählung einer er-dichteten Begebenheit, wird in der Poetik doppelt gebraucht, indem man ein-mal in epischen und dramatischen Gedichten das Gewebe der Begebenheiten (dasSujet), dann aber auch eine eigne Dichtungsart mit diesem Namen bezeich-net. Wenn man von der Fabel der epischen und dramatischen Gedichte spricht,so geschieht es im Gegensatz der Geschichte. Des Dichters Darstellung strebtnach Schönheit, sein dargestelltes Ganzes soll gefallen, er wird also die darzu-stellenden Begebenheiten so ordnen und einrichten müssen, wie es sein Zweckerheischt. Nicht das Wirkliche soll er darstellen, sondern das Mögliche; nichtwie es war, sondern wie es wahrscheinlich ist; nicht mit historischer Treue, son-dern mit poetischer Nothwendigkeit. Der Dichter läßt daher weg, was nichtwesentlich zum Ganzen gehört, ändert ab, damit sich Alles zum Zwecke füge,setzt hinzu, wodurch dieser besser erreicht wird. Auch der historisch gegebeneStoff wird dadurch Werk seiner Erfindung: er schafft etwas Neues aus demAlten. Mag der Stoff von der Geschichte geliehen oder neu erfunden sein, sounterwirft ihn der Dichter dem Gesetze der poetischen Form. Die Fabel, dieman als besondere Dichtungsart nach ihrem angeblichen Erfinder die Äsopi-sche Fabel oder auch Ap olog nennt, zählt man mit Recht zu den didaktischenoder Lehrgedichten, und zwar ist sie eine Art Allegorie. Man kann sie erklären,als Darstellung einer praktischen Regel der Lebensklughcit oder Lebensweisheitunter einem aus der physischen Welt hergenommenen Sinnbilde. Sie bestehtaus zwei wesentlichen Theilen: dem Sinnbild und der Anwendung, oder einerin derselben liegenden Lehre, welche man auch die Moral der Fabel genannt hat,die aber in dem Bilde sich selbst deutlich aussprechen muß, wenn die Fabel poe-tisch sein soll. Wegen ihres Zwecks, welcher auch die Erfindung bestimmt, liegtdie Fabel auf der Grenze der Poesie und Prosa; selten ist sie rein poetisch, undgefällt abgesehen von ihrem Zwecke. Das Wohlgefallen an ihr wird nicht bloßerregt durch das Vergnügen, welches der Witz an der sinnlichen Einkleidung fin-det, sondern es liegt tiefer, in der anschaulichen Erkenntniß, daß die Haushal-tung der Natur in der physischen und geistigen Welt dieselbe sei. In der nichtmoralischen Welt zeigt sich nur die ewige Form jener Gesetze und Charaktere deut-licher und offenbarer als in der Menschenwelt, und dies ist der Grund, warumder Fabeldichter (dem es also nicht bloß darum zu thun ist, eine Lehre durch ei-nen gegebenen Fall anschaulich zu machen, wozu das Gleichniß oder die Parabelhingereicht haben würde) seine Personen aus der nicht menschlichen Welt wählt.

Conv.-tzex. Siebente Aufl. Bd. IV. -j- 1