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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
943
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Guise (Heinrich, Herzog v. Lothringen)

Champagne gegangen war, fand er die Calvi'nisten, welche in einer Scheuer diePsalmen von Marot sangen. Sein Gefolge beleidigte sie, man ward handgemein,und fast 6l> dieser Unglücklichen wurden gelobtet, und 200 verwundet. Dieses uner-wartete Ereignis entzündete den Bürgerkrieg !m ganzen Königreiche. Der Herzog v.Guise nahm Reuen, BourgeS und gewann die Schlacht von Dreux den 19. Der.1562. Am Abende nach diesem Siege blieb er ohne alles Mißtrauen in demselbenZelte mit dem gefangenen Prinzen Conde, theilt« mit demselben s. Bett und schliefruhig an der Seite s. Gegners, in welchem er jetzt nichts mehr als einen Verwand-ten und Freund sah. Damals war der Herzog auf dem Gipfel s. Glücks. Er rü-stete sich zur Belagerung von Orleans, welches der Mittelpunkt der protestantischenPartei und ihr Waffenplatz war, als ein Pistolenschuß von Poltrot de Mörcy,einem hugenottischen Edelmann, ihn am 24. Zebr. 1563 tödtete.

Guise (Heinrich, Herzog v. Lothringen), ältester Sohn deS Vorgenannten,war 1550 geb. Seinen Muth bewies er zuerst in der Schlacht von Jarnac, 1569.Seine schöne Gestalt gewann ihm alle Herzen. Er stellte sich an die Spitze einesHeeres unter dem Vorwande, den kathol. Glauben zu vertheidigen, und rielh zudem grausamen Blutbade in der St.-Bartho!omäusnacht (1572). Um sich per-sönlich zu rächen, wollte er die Ermordung Colignp'S auf sich nehmen, den er denMörder seines Vaters nannte. 1576 bildete sich die Ligue, eine zuerst von seinemOheim, dem Cardinal von Lothringen, entworfene Verbindung. Man legte zudem Ende den eifrigsten Bürgern von Paris den Plan zu einem Bündnisse vor, dasangeblich die Vertheidigung der Religion, des KönigS und der Freiheit des Staatszum Zweck haben sollte, wirklich aber die Unterdrückung des Königs und deS Staatsbeabsichtigte. Der Herzog v. Guise, der sich auf Frankreichs Trümmern erhebenwollte, entstammte die Aufrührer, erfocht mehre Siege über die Calvinisten undsah sich bald im Stande, seinem Fürsten selbst Gesetze vorzuschreiben. Er zwangHeinrich III., alle Freiheiten der Hugenotten zu vernichten, und ging in seinen ge-bieterischen Foderungen soweit, daß der König ihm endlich verbot, nach Paris zukommen. Dennoch erschien er daselbst 1588 und zwang den König, die Stadt zuverlassen und «inen Vergleich mit ihm zu schließen. Aber berauscht von diesemTriumphe, folgte er nicht mehr der Klugheit, sondern ließ nur zu deutlich wahrneh-men , daß er nach der höchsten Gewalt strebte. Eine Folge jenes Vergleichs war derReichstag zu BloiS. Der König, auf die herrschsüchtigen Plane des Herzogs auf-merksam gemacht, berieth sich mit seinen Vertrauten, d'Aumont, Rambouillet undBeauvais-Nangis, und alle Drei waren der Meinung, daß man ihm einen förmli-chen Proceß nicht machen könne, sondern ihn heimlich aus dem Wege räumen müsse,und daß diese Maßregel durch so offenbare MajesiätSverbrechen gerechtfertigt werde.Der tapfere Crillon weigerte sich, die Ausführung zu übernehmen. Man übertrugsie daher Lognac, erstem Kammerherrn des KönigS und Hauptmann der 45 gaSco-nischen Edelleute der neuen königl. Garde. Dieser wählte 9 der entschlossensten ausund verbarg sie in dem Cabinet de» KönigS. Der Herzog wurde zwar gewarnt, undsein Bruder, der Cardinal, rieth ihm, nach Paris zu gehen; allein auf den Rathdes Erzbischoss von Lyon, der ihm vorstellte, daß seine Freunde den Muth verlierenmüßten, wenn er Vlois in einem so günstigen Augenblick verließe, beschloß er, da«Äußerste zu wagen und zu bleiben. Den folgenden Tag, den 23. Dec. 1588, ginger zum König. Er war ein wenig betroffen, die Wachen verstärkt zu sehen. So-bald er in den ersten Saal getreten war, verschloß man die Thür. Dennoch behielter seine äußere Freundlichkeit und grüßte die Umstehenden wie gewöhnlich. Als eraber in das Cabinet tcetnr wollte, ward er von mehren Dolchstichen durchbohrt, eh«er noch den Degen ziehen konnte, und mit den Wollen:Gott, erbarme dich mei-ner", sank er sterbend zu Boden. Er war 38 I. alt. Am andern Tage ward auchder Cardinal im Gefängniß umgebracht Das Feuer des Bürgerkriegs ward durch