942 Guischard Guise (Franz, Herzog v. Lothringen)
Guischard (Karl Gottlieb). Dieser u. d. N. QuintuS JciliuS be-kannte Liebling Friedrichs H. war 1724 zu Magdeburg geb., siudirte zuHalle, Mar-burg, Herborn und Leyben Theologie, alte Literatur und orient. Sprachen, trat aber1747 als Fähnrich in sachsen - Hildburghausische Dienste, hielt sich seit 1754 14 I.in England auf und kam 1757 als Freiwilliger zur verbündeten Armee. KönigFriedrich i l. nahm ihn 1758 als Hauptmann in s. Gefolge und gab ihm den Na-men Quintus JciliuS. Als Major eine- Frcibataillons wohnte er den Feldzügenvon 1759 u. 1760 bei, und führte die ihm ertheilten Aufträge so geschickt aus, daßder König ihm zu Leipzig ein Freiregimcnt von 3 Bataillonen und zugleich den Auf-trag gab, noch 7 andre Freibataillon« zu errichten. 1760 u. 1762 war er bei derArmee des Prinzen Heinrich und leistete die ihm obliegenden Dienste bis an dasEnde des Kriegs unter großen Gefahren. In Sachsen beschuldigt- man ihn jedochvieler Erpressungen. Nach hergestelltem Frieden ward sein Regiment 1763 amTage des Einmarsches zu Berlin aufgelöst; ihn aber behielt der König bei sich z»Potsdam und ernannte ihn 1765 zum Oberstlieutenant in der Armee. Er war einervon den wenigen Männern, welche der König seines vertrauten Umgangs würdigte.Mehre Anekdoten geben Beweise davon; doch mußte er sich auch Vieles von denLaunen des Königs gefallen lassen, der ihn zuweilen mit beißendem Scherz angriff.Er starb 1775. In s. „Uumvires militsires «ur los tirvcs vt los ldoinains" undin s. „Uömairos oritiguos et bistorigues sur plusivurs Points .i'antignitö, mili-tAires" hat er eine Menge Irrthümer deö Ehevalier Folard gezeigt.
Guist, der Name einer berühmten herzogt. Familie in Frankreich, eines Ne-benzweigs des lothringischen Hauses. Elande v. Guise, der zweite Sohn desHerzogs RsnakuS v. Lothringen, geb. um 1496, ließ sich in Frankreich nieder undvermählte sich 1513 mit Antoinrttc von Bourbon. Seine Tapferkeit, s. kühnerGeist, s. großen Eigenschaften erwarben ihm Ansehen und machten ihn zum Grün-der eines der ersten Häuser in Frankreich. Ihm zu Ehren wurde die Grafschaft Guise1527 zum Herzogthum und zur Paine erhoben. Bei s. Tode, 1550, hinterließ cr6 Söhne und 5 Töchter, wovon die älteste an den König von Schottland, Jakob V.,vermählt war. Den Glanz des Hauses hob vornehmlich s. ältester Sohn: Guise(Franz, Herzog v. Lothringen), geb. 1519, und von einer Wunde, die er 1545bei der Belagerung von Bvulogne erhielt, und die eine bleibende Narbe auf s. Ge-sichte zurückließ, lo birlalre (derBenarbte) genannt. Auf eine ausgezeichnete Weisebewährte sich s. Muth 1553 zu Metz, das er gegen Karl V. glücklich behauptete,obgleich derselbe geschworen hatte, daß er lieber umkommen als »»verrichteter Sacheabziehen wolle. In der Schlacht von Renti, den 1.3. Aug. 1554, ihat er Wunderder Tapferkeit. Andre Vortheile erfocht cr in Flandern und Italien; er ward zumLieutenantgeneral über alle königl. Armeen ernannt. DaS Unglück Frankreichs min-derte sich, sobald er an der Spitze der Truppen stand. In 8 Tagen nahm er Calaisund das gairze dazu gehörige Gebiet, mitten im Winter. Er entriß die Stadt fürimmer den Engländern, welche sie 210 Jahre besessen hatten. Darauf eroberte erThionville von den Spaniern. Er bewies, daß das Glück oder Unglück ganzer Staa-ten oft von einem einzigen Manne abhängt. Unter Heinrich 11., mit dessen Schwe-ster er sich vermählt hatte, noch mehr aber unter Franz ll., war er Herr von Frank-reich. Die Verschwörung von Ambosse, welche 1560 von den Protestanten ange-sponnen wurde, um ihn zu stürzen, hatte den entgegengesetzten Erfolg. DaS Par-lament gab ihm den Titel eines Retters deS Vaterlandes. Erst nach dem TodeFranz II. verminderte sich sein Ansehen, ohne jedoch sich ganz zu verlieren. Seitjener Zeit bildeten sich die Parteien der Eondö und Guise. Auf der Seite von diesenstanden der Cvnnetable v Moiumoreucp und der Marschall v. Saint-Andie; auf derSeite von jenen die Protestanten und Eoligny. Der Herzog v. Guise, cin ebensoeifriger Katholik als Feind der Protestanten, beschloß, sie mit den Waffen in derHand zu verfolgen. Nachdem er den 1. März 1562 bei Vassi über die Grenzen der