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4 (1830) F bis G
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558
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558 Geisteskrankheiten Gei'stik

scn hat: immer bleibt im Gemüthe des Volks eine geheime Neigung zu dem Glau-ben an diese Möglichkeit, und darum ist auf der Bühne die Erscheinung eines Gei-stes oder Schemen einer der stärksten tragischen Hebel, eins der wirksamsten Mit-tel zu kunstzwcckmäßiger Bewegung des Gemüths. Die griechischen Tragiker ha-ben sich dessen sowol bedient als Shakspeare, Calderon u. a. neuere Dichter; den-noch ist der Geschmack der Franzosen im Ganzen dagegen, wegen seines Anspruchsauf Naturgemäßheit aller theatralischen Ereignisse; und sie haben selbst „Hamlet"ohne Geist auf ihre Bühne gebracht. Das ist eine von den Folgen des Irrthums,daß Alles, was auf der tragischen Bühne als ein Wahres auf die Handelnden zuwirken scheint, auch die Zuschauer täuschen und ihnen als Wahrheit vorkomme»müsse. Geschähe das bei der Erscheinung des erschlagenen Banquo in „Macbeth"z. B., so würde eben dadurch die Kunstwirkung vernichtet werden, und an ihreStelle eine rein peinliche natürliche treten: der Zuschauer würde nicht Theilnahmean einem fremden Schrecken, sondern ein eignes Entsetzen empfinden. Jene Theil-nahme, auf welche hier Alles ankommt, hängt keineswegs vom wirklichen Glaubendes Zuschauers, sondern von dem scheinbaren des Spielers ab, und wir müssen Ban-quo's Geist nur darum auf dem Theater sehen, weil wir sonst über die Ursache vondes Königs Schrecken zweifelhaft bleiben würden. Inzwischen beruht der richtigeGebrauch dieses tragischen Erregungsmittels auf mancherlei Bedingungen, welchehäufig verletzt werden, und der neueste Versuch, der in dem Trauerspiele: „Die Ahn-frau", gemacht worden ist, die Erscheinung und Mithandlung einer Verstorbenenals Hauptsache zu behandeln und das ganze Stück hindurch die Zuschauer mit einerArt von künstlerischem Gespensterschaudcr zu unterhalten, scheint auS einer Ver-wechselung der Begriffe von Mittel und Zweck hervorgegangen zu sein. Unr.

Geisteskrankheiten sind diejenigen Arten von Störungen des freienBewußtseins, in welchen der Mensch fortdauernd entweder keiner lebhaften und be-stimmten Vorstellungen fähig ist, oder verkehrte, d. h,' dem gesunden Verstände wi-dersprechende Vorstellungen bei sich unterhält, ohne sich von ihrer Verkehrtheit über-zeugen zu können. Im 1. Falle istBlödsinn vorhanden, welcher, wenn er sichals allgemeine Abstumpfung der geistigen Empfänglichkeit und Selbstthätigkeit zeigt,Dummheit, wenn er aber als kindisches Unvermögen, Vorstellungen zu festenBegriffen zu verbinden, erscheint, Albernheit genannt wird. Im 2. Falleführen die mancherlei krankhaften Erscheinungen der geistigen Thätigkeit den allge-meinen Namen der Verrücktheit, weil hier gleichsam der Geist aus seinen Fu-gen gerückt ist. Sehr häufig find diese verschiedenen Krankheiten des Verstandesund der Phantasie, oder mit einem Worte, des Geistes, mit einander verbunden,oder haben wenigstens, auch wo sie einzeln erscheinen, das Gemeinsame, daß siesämmtlich den Krankheiten des Gemüths (s. d.) und Willens entgegenstehen, un-ter denen sich besonders die Melancholie und dieTollheit auszeichnen. Derbeste allgemeine Name für sie alle ist: Seelenkcankheiten, von denen die Geistes-krankheiten dann nur einen besondern Zweig ausmachen, indem sie die Erscheinun-gen des krankhaften Vorstellungsvcrmögcns ausdrücken, auS dessen Mißbrauche,z. B. durch überspanntes Nachdenken, sie zum Theil entspringen. So werden me-chanische Künstler über die Bemühungen, das kerpetuum mobile, Mathematiker,die Quadratur des Cirkels zu finden, Theologen über die Erklärung der Apokalypseverrückt. Der Melancholie, dem Wahnsinn, der Tollheit gehen heftige Leidenschaf-ten und überhaupt Störungen in den Gefühlen und Trieben voraus, als deren Er-zeugnisse jene Krankheiten zu betrachten sind, zu welchen sich die Verrückungenu. s. w. nur nebenbei gesellen. lk.

Gei'stik (griech. von Gea, die Erde), derjenige Theil der phys. Geographie,welcher die Kunde von den festen Landmaffen vorträgt. Man unterscheidet folgendeAbtheil. derselben: 1) nesologische oder Jnselgeographie, von den Inseln u. Halb-