542 Gefrieren Gefühl
sich nach der Zahl freier Wehrmänner in Jedes Gefolge; der König selbst erhielt,um des großem Gefolgs willen, ein größeres Loos. Mit dem Grundcigenthumefielen aber, nach damaligem Kriegsrecht, den Gröberem auch die Eingeborenen alsEigenthum zu und wurden meist Leibeigene. Jedes Allodium war dann eine ab-gesonderte Herrschaft für sich und ihre Besitzer, nur im Kriegsfalle von dem Königabhängig, denn jeder Edle mußte, nach ersolgtem Aufgebot, mit dem Gefolge seinerFreien dem König folgen, und sich beim Heereszug ihm unterwerfen. Somitwurden Allodialsystem und Gefolgswescn der Grund der neuen europäischen Staa-ten, in denen allen man, soweit germanische Stämme zogen, König und Edle,Kciegsanführer und Gefolg, freie Gutsbesitzer und Leibeigene unterschied. Spä-terhin machten die unausbleiblichen Reibungen zwischen den Königen und den Be-sitzern von Allodialgütern eine Änderung nöthig. Denn da den Königen fast nurder Titel als Borzug blieb, so mußten sie, ihr Ansehen zu behaupten, auf Mittelbedacht sein, die unabhängigen Güterbesitzer in abhängige Vasallen zu verwan-deln. Dies wurde Veranlassung zur eigentlichen Lehnsversassung. (S. Lehns -Wesen.)
Gefrieren, die Umwandlung der in mittlerer Temperatur flüssigen Kör-per in feste Massen durch den Verlust ihres Wärmcstoffs. Von Körpern, welche inder mittlern Temperatur fest sind, und durch künstliche Wärme in den flüssigenZustand versetzt werden, sagt man, daß sie gestehen oder erstarren, wenn siedurch Einweichung des Wärmcstoffs ihren ursprünglichen Zustand wieder erhalten.Der Gefrierpunkt eines Körpers ist derjenige Wärmegrad, bei welchem er inden festen, und der Schmelzpunkt, bei welchem er in den flüssigen Zustandüberzugehen anfängt. Das Wort gerinnen endlich wird nur in Beziehung aufdie Bildung breiartiger Massen gebraucht. (Vgl. Ei s.)
Gefühl ist, körperlich betrachtet, entweder das über den ganzen Körperverbreitete Empfindungsvermögen (das Gemeingefühl) oder das insonderheit denFinger- und Zehenspitzen eigenthümliche Smnesveimögen (das Getast oder der Be-tastungSsinn), dessen Sitz die durch den ganzen Körper bis an s. äußersten Begren-zungen verbreiteten Nerven sind. Die körperliche Empfindung setzt aber auch eininneres oder geistiges Empfindungsvermögen voraus, durch welches wir uns derauf die Nerven geschehenen Eindrücke und der dadurch in ihnen erregten Verände-rungen bewußt werden. Gefühl wird häufig mit Empfindung verwechselt; beidesind aber keineswegs einerlei. Empfindung ist Bewußtsein eines empfangenen Ein-drucks (Einfindung, es findet sich ein Äußeres in unser Bewußtsein ein), und be-zieht sich eigentlich jederzeit auf einen Gegenstand außerhalb unsers eigentlichenIchs. Beziehen wir nun aber die Empfindung auf uns selbst, so werden wir unsdes Zustandes bewußt, in den wir durch die gehabte Empfindung versetzt wordensind: wir fühlen. Man kann daher sagen: Ich empfinde einen Gegenstand außermir; man muß aber sagen: Ich fühle mich. Gefühl ist demnach Bewußtsein desZustandes, in welchen ich durch eine Empfindung versetzt worden bin. Aber diesGefühl erstreckt sich weiter als jenes. Denn es umfaßt alle Empfindungen, 1) desäußern Sinnes, sie mögen herkommen, von welchem Organe sie wollen, also auchdie des Gesichts, des Gehörs u. s. w.; 2) des innern Sinnes, d. h. diejenigen,welche durch solche Veränderungen des Seelenzustandes entstehen, die nur inner-lich wahrgenommen werden können, z. B. durch Gebilde der Einbildungskraft,durch Begriffe und Ideen, welche von Verstand und Vernunft erzeugt werdenu. s. w. Die Zustände, worein das Gemüth versetzt werden kann, lassen sich aufdrei Hauptarten zurückführen, zwei einfache und eine gemischte. Ist nämlich derZustand unsers Gemüths von der Art, daß in uns ein Verlangen entsteht, in ihmzu verharren, so ist der Zustand uns angenehm, gewährt uns Vergnügen. Isthingegen unser Gemüthszustand von der Art, baß in uns das Verlangen entsteht,