Gefühlsmenschen GefühlsvermLgen 542
ihn zu entfernen, zu fliehen, so ist der Zustand uns unangenehm, gewährt unsMißvergnügen, Unlust, Schmerz. Es trifft sich aber auch, daß das Gemüthzwischen diesen beiden entgegengesetzten Zuständen hin und her schwankt, weil dieEmpfindungscindrücke in einer Beziehung zwar angenehm, in einer andern aber un-angenehm sind. Daher jenes Schwanken, ob wir in dem Zustande verharrenmöchten oder nicht. Das Gemüth, nach entgegengesetzten Richtungen gezogen,geht Wechselsweise bald in diesen, bald in jenen Zustand über. Man nennt Ge-fühle dieser Art rührende, und die Bewegungen des Gemüths bei diesen wechseln-den Übergängen von Lust zu Schmerz und von Schmerz zu Lust Rührungen. AlleGefühle sind nun Diesem zufolge Gefühle der Lust, oder der Unlust, oder aus bei-den gemischte, rührende Gefühle. Die hohem menschlichen Gefühle sind ») dassittliche oder moralische Gefühl, welches nichts Andres ist als das eigenthümlicheWohlgefallen oder Mißfallen, welches wir bei der Vorstellung des Guten oder Bö-sen empfinden, und dies Gefühl heißt sittlich, weil es sich auf das durch das Sit-tengesetz bestimmte (gebotene) Gute oder (verbotene) Böse bezieht. Von andrer Artist b) das ästhetische Gefühl, welches in dem eigenthümlichen Wohlgefallen amSchönen und Erhabenen, oder Mißfallen am Häßlichen und Niedrigen besteht.Ebenso empfinden wir ein eigenthümliches Wohlgefallen am Wahren, und Miß-fallen am Falschen, woraus °) das Wahrheitsgefühl entspringt, das man auch einlogisches Gefühl nennen könnte. Alle diese Gefühle sind in dem Menschen vonNatur vorhanden, können aber durch Entwickelung und Ausbildung der natürlichenAnlagen sehr verstärkt und verfeinert werden, sowie im Gegentheil sie auch durchRohheit, Lasterhaftigkeit u. dgl. dergestalt geschwächt und unterdrückt werden, daßsie in manchen Menschen ganz ersterben zu sein scheinen. v.
Gefühlsmenschen, diejenigen, welche in ihren Überzeugungen undHandlungen mehr durch Gefühle als durch Begriffe bestimmt werden, wogegen die-jenigen, bei welchen das Letzte der Fall ist, Verstandesmenschen genannt werden, weildas Denken der Begriffe und Grundsätze eine Thätigkeit des Verstandes ist. Esist indessen dieser Gegensatz sehr unbestimmt. Denn unter den Gefühlen, welche denMenschen in seinen Überzeugungen und Handlungen bestimmen, verbergen sich oftdie Grundsätze, wenn sie nicht mit Deutlichkeit und Bestimmtheit gedacht werden.Eben darum ist es gefährlich, sich bloß nach Gefühlen zu richten, weil sich dannleicht falsche (theoretische oder praktische) Grundsätze einschleichen und die Maskeschöner oder edler Gefühle annehmen können. Da es aber sehr schwer ist, Grund-sätze deutlich und bestimmt zu denken, und noch schwerer, nach so gedachten Grund-sätzen zu urtheilen und zu handeln, so überlassen sich die meisten Menschen lieberihren Gefühlen und schwelgen in denselben mit schwärmender Einbildungskraft,wobei sie wol gar mit einer gewissen Verachtung auf Diejenigen herabsehen, welcheden Gefühlen nur insofern huldigen wollen, als dieselben auch vor dem Richter-stuhle des Verstandes und der Vernunft sich rechtfertigen lassen. v.
Gefühlsvermögen. Seit die kritische Philosophie eine tiefere Erfor-schung der geistigen Natur des Menschen und eine schärfere Zergliederung der That-sachen des Bewußtseins vermittelte, wurden auch in Hinsicht der verschiedenenÄußerungen des geistigen Subjects drei Vermögen nach ihrer ursprünglichen Be-gründung und Gesetzmäßigkeit von einander unterschieden: das Vorstellungsvcr-mögen, das Gefühlsvermögen und das BegehrungSvermögen. Diese drei Vermögensind, nach ihrer Ankündigung im Bewußtsein, einander gleich geordnet, nicht aberuntergeordnet, weil sie weder durch einander bestehen, noch von und aus einander ab-geleitet werden können; sie stehen aber auch gegen einander in Wechselwirkung, weilVorstellungen ebenso inGefühle,wieGefühle inVorstellungen, undVorstellungen undGefühle in Bestrebungen, sowie Bestrebungen in Gefühle und Vorstellungen über-gehen können; es findet sich endlich zwischen diesen drei Vermögen ein harmonischer