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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
537
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Geburtshülfe 537

des weiblichen Geschlechts, Derjenige aber, welcher eS untemahm, als ein Aben-teurer und Zauberer angesehen wurde. Ja in Hamburg verurtheilte man 1521einen gewissen l>. VeiteS deßwegen zum Feuertode. Doch wurde hier und da füreinen bessern Unterricht der Hebammen durch mehre Hebammenbücher gesorgt; daserste war von Eucharius Rößlin (Roslcin) zu WormS: „Der schwängern Frauenund Hebammen Rosengarten" (1513). Auch die nun wieder erlaubte und mehr be-günstigte Bearbeitung der Anatomie trug zur Verbesserung der Entbindungskunstsehr viel bei, in der vorzüglich Vesalius in Padua (1543) sich auszeichnete. DieÄrzte und Wundärzte beschäftigten sich noch immer bloß mit dem Theoretischen derEntbindungskunst; doch gingen die Letzter» allmälig dadurch zur Ausübung derselbenselbst über, daß sie das nicht nur erlaubte, sondern schon früher gesetzlich befohleneAusschneiden der Frucht aus verstorbenen Schwängern, sowie auch allmälig andrebei Schwängern und Gebärenden »»»fallende chirurgische Operationen verrichteten.Franz Rousset, ein Wundarzt in Paris, stellte in einer Schrift (1581) zuerst mehreBeweise von der Möglichkeit eines glücklichen Erfolgs des Gebärmutterschnitts anLebenden auf, dem er den Namen Lnlantement Oesarieu, cäsarische Kindergeburt,gab, woraus in der Folge der Name Kaiserschnitt entstand. Nach Verbreitungdieser Schrift wurde diese Operation auch an Lebenden in und außer Frankreich oft,selbst zuweilen ohne daß sie unumgänglich nöthig war, gemacht. Pineau, Wund-arzt in Paris, gab (1589) zuerst nähere Veranlassung zum Schoßknorpelschnitt,indem er auf das Ausdehnen der Schoßbeine zur Erleichterung der, wegen zu engenBeckens, schweren Geburten aufmerksam machte. In Deutschland blieb die Ge-burtshülfe noch lange in unvollkommenem Zustande, die Hebammen waren größten-theils unwissend, und die Männer kamen äußerst selten zur Geburtshülfe, währendeS in Italien und Frankreich schon gebräuchlich war, Ärzte und Wundärzte zuHülfezu rufen. Ein in der Geburtshülfe zu seiner Zeit berühmter Ehirurgus in Paris,Element, welcher der ka Balliere, der Geliebten Ludwigs XIV., bei ihrer Entbin-dung beistand, erhielt zuerst als Ehrentitel den Namen eines Accoucheurs, der denWundärzten so wohl gefiel, daß sie nach und nach sich alle so nennen ließen. Hein-rich v. Deventer war der Erste, welcher (1701)die Entbindungskunst wissenschaftlichzu begründen versuchte. In Frankreich, wo überhaupt die Entbindungskunst höhergestiegen war als in andern Landern, ward in dem Hotel-Vieu auch eine Unter-richtsanstalt für Hebammen eingerichtet (1745). Die Geschichte des Ursprungsund der Erfindung der Zange, dieses so äußerst wichtigen Instruments für die Ge-burtshülfe, ist in einiges Dunkel gehüllt. Zwischen 1660—70 wollte Ehamber-laine, Wundarzt in London, ein Instrument erfunden haben, mit dem er imStande sei, die schwerste Geburt mit dem Kopfe voran für Mutter und Kind glück-lich zu beenden, aber er behielt diese Entdeckung als Geheimniß für sich und ging1688 nach Amsterdam, wo er dasselbe an einige Geburtshelfer verkaufte, welchewieder in der Folge einen Handel damit trieben, der sich unter den Besitzern diesesGeheimnisses lange erhielt. Palfyn, ein berühmter Anatomiker und Ehirurgus zuGent in Flandern, kam endlich demselben Instrumente auf die Spur und ließ einInstrument fertigen, das aus 2 stählernen Löffeln bestand, welche einander gegen-über an den im Becken stehenden Kopf gelegt, und womit dieser gleichsam mittelstzweier eisernerHände hervorgezogen werden sollte. Er kann also als der rechtmäßigeErfinder der ersten Zange (1723) angeseben werden. Die Zange wurde nun immermehr, besonders von Levret in Paris (1747), Plevier in Amsterdam (1750) undSmellie in London (1752) verbessert. Die GeburtShülfe selbst wurde durch dieserMänner Schriften und Unterricht vervollkommnet. Auch in Deutschland bildetensich Geburtshelfer, welche nicht nur durch Geschicklichkeit einen ausgebreiteten Ruferhielten, sondern auch zur Vervollkommnung der Entbindungskunst durch ihreBeobachtungen, und zur Verbreitung derselben durch Unterricht viel beitrugen. Un-