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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
536
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Ü36 Geburtsadel Geburtshülfe

können das Wachsthum der Frucht nicht verhindern ic. Andre behaupten dagegen, i

die Natur binde sich an keine Regeln; mancherlei Ursachen könnten das Wachs- !

thum der Frucht verzögern rc. Fehlgeburt, Mißfall, Abortus, wenn eine ^Frucht sich so früh ablöst, daß sie nicht leben kann, vom Anfange der Schwanger- -schaft bis zum 7., am öftesten aber im 3. Monate. Veranlassungen dazu geben, !>zumal bei reizbaren oder vollblütigen Schwängern, heftige Erregungen, z. B. ,

Stoßen, Fallen, Tanzen, Kcämpfe, Leidenschaften u. A. m. U. >

Geburtsadel, s. Erbadel. i

Geburtshülfe ist die Kunst, durch bestimmte mechanische und dynami-sche, auf physiologische und pathologische Kenntnisse gegründete Verrichtungen dieGeburt zu erleichtern, und sowol kurz vor als wahrend und nach der Geburt für dieErhaltung der Gesundheit und des Lebens der Schwängern, Gebärenden und Neu-entbundenen zu sorgen; daher ist die Entbindungskunst nur ein Theil der Geburts-hülfe. Hebammenkunst ist nur derjenige Theil der Geburtshülse, welcher die na-türliche Hülfe für die Mutter und das Kind bei der selbst natürlichen und leichtenGeburt leistet. Geburtshülfe im weiten Sinne hat wol von jeher, selbst bei denrohesten Völkern, stattgefunden, obgleich sie sehr mangelhaft gewesen ist und viel-leicht nur in den unentbehrlichsten Handgriffen und Hülfsleistungen bestanden hat.Selbst bei den gebildetem Völkern der Vorzeit stand diese Kunst noch auf einer nie-dern Stufe. Die Israelitinnen hatten schon Hebammen. Die ersten Nachrichtenvon künstlicher und männlicher Grburtshülfe finden wir bei den Griechen, aus demZeitalter des Hippokcates (st. 357 v. Chr.). Aus den Schriften jener Zeit er-sehen wir, daß die Eatbindungskunst bei den Griechen auf einer böhern Stufe sichbefand, als im vorigen Jahrh. noch an den meisten Orten in Europa. Dessen-ungeachtet wurde auch bei ihnen vieles Schädliche und Unzweckmäßige vorgenom-men, und nur wenig von Dem, was nothwendig gewesen wäre, gethan. Ost be-gnügten sie sich damit, die Eileithyia, die Göttin der Geburt, anzurufen. BeidenRömern beschränkte sich die Geburtshülfe auf wenige Hülfsleistungen und aufOpfer für Juno, Lucina u. a. der Geburt vorstehende Gottheiten. Erst später hat-ten die Römerinnen gewöhnlich Hebammen, bei schweren Geburten aber wurdendie Ärzte zum Beistande gerufen. Diese waren entweder Griechen, welche unter derHerrschaft der römischen Kaiser in Rom lebten, oder ihre Kenntnisse waren größ-tenteils aus den griech. Schriftstellern geschöpft. In diesen Zeitraum gehören vor-züglich Soranus (100 I. n. Chr.) und Moschion, welcher das uns bekannte ersteLehrbuch der Hebammenkunst verfaßt hat. Im Mittelalter wurde die künstlicheGeburtshülfe sehr vernachlässigt; sie schien sich auf das Ausschneiden der FruchtauS dem Leibe «erst. Mütter zu beschränken. Dadurch, daß die Papste den Mön-chen die Ausübung der Heilkunst und die Lchrerstellen an den neugestifteten Schu-len übergaben, hingegen die Ausübung der Chirurgie und Anatomie den Ärzten undLaien aufs strengste verboten (1215), wurde auch dir Entbindungskunst mehr aufinnere und abcrgläubige Mittel beschränkt, und zwar nach und nach ganz denWeibern, Mönchen, Hirten und dergl. Personen überlassen. Waren diese mitihrer Kunst zu Ende, so wurden die Heiligen angerufen, Bilder und Reliquien denKreisenden angehängt rc. So blieb der Zustand der Gebmtshülfe bis in das16. Jahrh. Jetzt wurde durch die größere Verbreitung der Buchdrucker - und Holz-schneidekunst auch für die Entbindungskunst allmälig eine bessere Zeit herbeigeführt,indem die noch übrigen Schriften der alten Griechen, Römer und Araber vervielfäl-tigt werden konnten, der Geistesverkehr unter den Menschen allgemeiner, der For-schungsgeist erweckt und neu belebt wurde, und mehr Nahrung fand als bisher.

Um diese Zeit war das Geschäft der Geburtshülfe so ausschließlich in den Händender Weiber, daß es die größte Schande für einen Mann war, sich damit zu befassen,und es gleichsam als ein verabscheuungswürdiger Angriff auf die Ehre und Tugend