Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
535
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Geburt 5Z5

tem. Geht die Geburt auf die beschriebene Weise regelmäßig von statten, so heißtsie eine natürliche. Dazu wird erfodert, daß das Becken der Mutter gehörig gebautsei, und seine Öffnung der reifen Frucht einen freien Durchgang gestattet; daß dieAusbildung und Größe der Frucht dem Becken gemäß sei, vorzüglich der Kopf der.selben den von der Natur bestimmten, dem Durchmesser des Beckens angemessenenUmfang habe, ferner ein richtiger Stand des Fruchthälters in der Achse des Beckens,richtige Lage der Frucht, nämlich der Kopf nach unten, der Hinterkopf nach der vor-der» Seite der Mutter und nach der Öffnung des Fruchthälters, sodaß der Hinter-kopf zuerst zur Geburt eintrete, endlich daß die äußern Geburtsglieder keine wider-natürliche Beschaffenheit haben. Leichte Geburt heißt diejenige, welche ohne über-mäßige Anstrengungen und Schmerzen und in gehöriger Zeit erfolgt. Schwer istdie Geburt, wenn sie zwar natürlich, doch mit übermäßigen Anstrengungen undSchmerzen verbunden ist und viel Zeit, über 6—8 Stunden, erfodert. Die Ur-sache davon ist zuweilen Straffheit der Fasern der Mutter, vorgerückte Jahre der-selben, verhältnißmäßig zu großer Kopf des Kindes u. A. m. Auch diese Geburtenvollendet die Natur, und Kreisende sollten daher nicht so bald muthlos und ungedul-dig werden. Eine widernatürliche (eigentlich nur unregelmäßige) Geburt ist die,wobei eine oder mehre von den obenerwähnten Bedingungen zur natürlichen Geburtfehlen. Eine künstliche Geburt ist diejenige, welche durch die Hülfe der Kunst mitInstrumenten oder Handgriffen der Geburtshülfe bewerkstelligt worden ist. Frü h-geburt heißt eine solche, welche einige Wochen eher erfolgt, als die gewöhnlicheZeit verlaufen ist, nämlich nach dem 7. und vor dem Ende des 9. Monats. Ob-gleich der Frucht von der Natur die Zeit von 40 Wochen zu ihrer Reife bestimmtist, so ist sie doch auch zuweilen einige Wochen vorher zu dem Grade von Aus-bildung gelangt, daß sie, von der Mutter getrennt, in einigen Fällen beim Lebenerhalten werden kann. Daß sie jedoch nicht völlig reif ist, bemerkt man aus ver-schiedenen Zeichen. Ein solches Kind nämlich schreit nicht wie andre reife Kinder,sondern es gibt bloß einen dumpfen Laut von sich, schläft beständig, muß beständiggewärmt werden, wenn nicht sogleich Hände und Füße erkalten sollen. Außerdemaber ist auch bei einem unreifen Kinde — mehr oder weniger, je nachdem mehroder weniger an der gehörigen Reife fehlt — die Haut am ganzen Körper roth,oft sogar blau, mit einem weichen, langen, wolligen Haar, besonders an den Sei-tentheilen des Gesichts und auf dem Rücken, bedeckt; die Fontanelle der Hirnschaleist groß, die Schädelknochen sind leicht beweglich; das Gesicht ist alt, runzlich;die Augen sind meistens verschlossen; die Nägel an den Fingern und Zehen kurz,zart und weich, kaum 1 Linie lang; das Gewicht eines solchen Kindes ist unter6, oft sogar unter 5 Pfund. Unzeitig heißt die Geburt, wenn sich die Fruchtvor dem 7. Monate trennt. Dies ist alsdann ein in dem Grade unreifes Kind,daß es nicht fortleben kann: doch wird nach den bürgerlichen Gesetzen gestattet,selbst ein Kind von 26 Wochen noch für lebensfähig, und z. B. bei Neuverehe-lichten für ein in der Ehe erzeugtes zu halten. Spätgeburt ist die über die ge-wöhnliche Zeit von 40 Wochen erfolgte Geburt. Da diese Rechnung von dem An-fange der Schwangerschaft an bis zur Geburt größtentheils und allein auf die An-gabe der Mutter sich gründet, so findet hier oft Selbsttäuschung oder Betrug statt,und in der gerichtlichen Medicin ist es von der größten Wichtigkeit, indem oft vieldarauf ankommt, ob ein nach dem Tode des Vaters und nach der 40. Woche gebo-renes Kind für ein rechtmäßig noch in der Ehe erzeugtes gehalten werden soll odernicht. Die Wichtigkeit dieser Untersuchung und die Unbestimmtheit in den Be-weisen hat eine große Verschiedenheit der Meinungen der medicinischcn Schriftstellerherbeigeführt. Die meisten bezweifeln die Wahrheit des Vorgehens der Mütterüber eine solche verzögerte Geburt und geben als Gründe an: die Natur binde sichan den bestimmten Zeitraum der Schwangerschaft; Gram, Krankheit». A. m.