Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
531
Einzelbild herunterladen
 

Gebern Gebet 53 t

>

/ dieser Eintheilung der Unterschied zwischen Miene u. Gebärde im engern Sinne zum

^ Grunde. ES ist auch hier rathsam, das Mienenspiel auf die Gesichtssprache einzu-

schränken, das Gebärbenspiel aber auf die ganze körperliche Beredtsamkeit auszudeh-nen. Gebärbenspiel würde demnach sein die vorübergehende Modifikation desganzen Körpers, seiner unbeweglichen Theile, in Stellung und Bewegung, zum Aus-druck des Innern und Äußern während einer gewissen Situation. Die Bezeichnungdurch Spiel scheint uns bloß von dem Vorübergehenden in dieser Thätigkeit herzu-S komme», und nicht etwa von der Leichtigkeit, womit sie ausgeübt wird. Weiteherkönnte man noch an Unwillkürlichkeit denken (wie bei dem Spiel der Muskeln), wo-mit die äußern Werkzeuge der Thätigkeit der Seele in einer naturgemäßen Äußerungfolgen. Wer durch Kunst die körperliche Beredtsamkeit üben will und die naturge-mäßen Äußerungen nicht trifft, der verfällt in Grimasse. Die Natur, wie sie fürjeden Ausdruck der Leidenschaft, für jede Stimmung der Seele ihren eignen Ton undeigne Bewegung in der Stimme hat, hat auch ihre eignen Bewegungen und Stel-lungen in dem Körper dafür. Wehe dem Schauspieler und bildenden Künstler, demdafür der feine Sinn mangelt. (Vgl. Mimik und Pantomime.) «l«l.

Gebern, in Indien Parsis, in Persien aber Gebern, Guebern,! Gaucrn, b. i. Ungläubige oder Feueranbeter, genannt. Sie selbst nennen sich

j Behendie oder Anhänger des wahren Glaubens, und haben ihre vorzüglichsten

! Wohnsitze in den Wüsten von Karamanicn gegen den persischen Meerbusen, vorzüg-

s sich aber in den Provinzen Verb Keram. Dies wenig bekannte, in der Unwissen-

heit glückliche Volk ist arbeitsam, mäßig und treibt fleißig Ackerbau. Die Sitten! der Gebern sind sanft; sie trinken Wein, essen alles Fleisch, heirathen nur eineFrau, und leben streng und mäßig. Ehescheidung und Vielweiberei sind ihnendurch die Religion verbot«!; bleibt aber die Frau in den ersten 9 Jahren unfrucht-bar, so darf der Mann neben derselben noch eine zweite nehmen. Sie verehren eineiniges höchstes Wesen, das sie den ewigen Geist oder Verb nennen. Sonne, Mondund Planeten glauben sie durch verständige Wesen belebt, erkennen das Licht als! Grundursache des Guten, die Finsterniß als die des Bösen, und beten endlich, wie

man sagt, das Feuer an, wovon sie auch den Namen erhalten haben. Sie selbstaber sagen, daß sie es nicht anbeten, sondern darin nur ein Gegcnbild des unbegreif-lichen Gottes hegen, weßwegcn sie auch allemal ihre Gebets beim Feuer verrichtenund an heiligen Orten ein immer brennendes Feuer unterhalten, welches ihr Prophet

- Zoroaster (s. d.) schon vor 4000 I. entzündet haben soll. Ihr heiliges Buchheißt Zend-Avesta (s. d.). Eine eigenthümliche Gewohnheit der Gebern ist es,

! die Todten, statt sie zu begraben, auf den Thürmen ihrer Kirchhöfe den VögelnI preiszugeben, wobei sie genau achtgeben, welchen Theil diese Thiere zuerst verzeh-

^ ren, und daraus auf das Schicksal des Verstorbenen schließen,i Gebet, im weiten Sinne, jede mit frommen Gefühlen verbundene Rich-

j tung des Gemüths auf Gott, im engern Sinne der mündliche Ausdruck frommer

? Gefühle und Gesinnungen gegen Gott. Das Gebet kaun Bitte sein, Fürbitte,

! Dank und Lob Gottes. In den abergläubischen Religionen des Alterthums wur-( den die Gebete als Formeln von magischer Kraft betrachtet, deren Wirksamkeit da-

! von abhänge, daß sie mit der größten Genauigkeit hergesagt und durch keinen Un-

- glück bedeutenden Umstand unterbrochen würden. Würdigere Begriffe über dasj, Wesen und den Zweck des Gebets hat das Christenthum verbreitet. Nach den

Grundsätzen der katholischen Kirche kann der Mensch nicht bloß an Gott, sondernauch an die Heiligen und an die Engel Gebete richten; die protestantische Kirche da-gegen erklärt Gott für den einzig würdigen Gegenstand der Anbetung. Die religiö-sen Menschen aller Zeiten haben in dem Gebete ein wirksames Mittel der GeisteS-erhebung, des Trostes und der Befestigung in guten Gesinnungen gefunden. Jeleichter der Mensch unter den Zerstreuungen und Sorgen des Lebens seine höhere

34*