Gay-Lussac Gebärde 529
! theil, «in gerader anspruchsloser Mann, der so redete, wie er dachte, und immer zu
^ mißfallen fürchtete. Johnson spricht ihm mit Recht jene men» «livinior ab, die
das Eigenthum großer Dichter ist, läßt ihm aber als einem Sänger einer niedernSphäre, besonders in der Darstellung des wirklichen Lebens, volles Recht wider-fahren. Er preist ihn als den Erfinder der Liederoper, welche die italienische langeZeit verdrängte und über ein halbes Jahrh, sich mit Beifall auf der Bühne erhielt.
Gay-Lussac, Mitglied der Akad. der Wissensch. und seit 1816 Pros. ander polytechnischen Schule zu Paris, Chemiker und Physiker, machte sich zuerstdurch eine Luftfahrt in Paris bekannt, indem er sich, vereint mit Biot, in s. Bal-lon zu der bis dahin noch unerreichten Höhe von 3600 Toisen erhob. Diese Luft-reise gab ihm Gelegenheit zu einer Menge merkwürdiger Entdeckungen im Reiche derPhysik, die sich, wie z. B. s. Wahrnehmungen über das Steigen und Sinken desQuecksilbers und mehrer andern flüssigen und elastischen Körper in den höher» Luft-schichten, sowie unter den verschiedenen Wärmegraden, durch wiederholte Versuchestets als richtig bewährt haben, und unter Andern, die erste Veranlassung zu desEngländers Dalton scharfsinnigen Untersuchungen und Beweisen über die unge-meine, bis zur Verdoppelung steigende Ausdehnung des Volumens der Flüssigkeiten(namentlich des Wassers) bei dem Durchgänge durch alle Grade der Temperatur vomGefrier - bis zum Siedepunkte gaben. Später verband sich Gay-Lussac mit Alex.v. Humboldt zu einem Versuch der genauen Bestimmung der Abweichung des mag-netischen Äquators von dem Ecdäquator, wobei beide Gelehrte sich auf die von La-- peyrouse in dieser Beziehung gemachten Wahrnehmungen stützten. Man hat von» Gay-Lussac interessante Aufsätze in den „banale, <Ie vkirnie" und dem „kulletin«le la 8ooiöte pkilonrstbigue"; mit s. jetzigen Collegen Thenard gab er „keoker-cbe» pli/sivo-obiinigue», karte» sur I» pile Aslvsnique, et les preparatron» äupotassiunr" (Paris 1811, 2 Bde.) heraus.
G az a (Lheodorus), ein Nachfolger des Emanuel Chrysoloras als Lehrer dergriech. Sprache und Literatur im Abendlande. Er kam als Flüchtling nach der Er-oberung von Konstantinvpel durch die Türken nach Italien und erwarb sich dort eine! genaue und fertige Kenntniß der Landessprache. 1440 wurde er öffentlicher Lehrerzu Fcrrara, und 1451 zog ihn Papst Nikolaus V. mit a. Gelehrten nach Rom, woder Cardinal Bcssarion ihn in s. Gefolge aufnahm. Nach Nicolaus's Tode berief ihnKönig Alfons nach Neapel, und als der Tod ihm auch diesen Gönner geraubt hatte,, kehrte er nach Rom zurück, wo er aber durch eine geringe Belohnung des PapstesSixtus IV. für eine Dedikation so gekränkt wurde, daß er sich nach Ferrara und vonda nach Calabrien zurückzog, wo er 1478 starb. G. hat nicht bloß als Lehrer durchdas Wort, sondern auch durch s. Schriften, und namentlich durch lat. Übers. griech.Classiker zur Verbreitung des Studiums der griech. Literatur gewirkt. Seine Haupt-arbeit ist eine Übersetzung der naturgcschichtlichen Schriften des Aristoteles.
Gebälk werden bald die sämmtlichen Balken eines Gebäudes, bald bloß deroberste Theil oder das Hauptgesims einer Saulcnstellung genannt, welches auf denSäulen ruht und aus 3 Theilen besteht, dem Unterbalken oder Architrab, demFries und dem Kranze. (S. Säule.) Die schicklichste Höhe des Gebälkes bei jederArt von Säulen ist der vierte Theil dcr Säulenhöhe selbst; ist es höher, so scheint esdas Gebäude zu erdrücken, und niedriger gibt es dem Ganzen ein ärmliches Ansehen.Bei jeder Säulenordnung findet man hierin übrigens Verschiedenheit. (S. S ä u -> lenordnung.)
Gebärde, von dem veralteten Gebührn, gebühren, als Haupt-und Zeit-wort , auch: sich gebühren, sich betragen. Unter Gebärde in der bestimmten Be-deutung versteht man eine Art des physiognomischen Ausdrucks des Innern im Kör-per; es ist aber nicht leicht, diese Art genau zu bestimmen. Von der Miene scheintsie sich in folgenden Punkten zu unterscheiden: 1) die Miene ist bloß etwas Vor-Sonv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. IV. -f 34