Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
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Gau (Karl Franz)

G au (Karl Franz), aus Köln, Architekt der feanzös. Regierung (seit 1816),verdankt s. Bildung der Kunstakademie zu Paris. Während seines Aufenthalt« inRom (1817 und 1818) faßte er den kühnen Einschluß, durch eine Reise nach Nu-bien, die ihm seinen gestörten Frieden wiedergeben sollte, eine Fortsetzung des gro-ßen Prachtwerks über Ägypten zu liefern und die Arbeiten des ägyptischen Institutsallein zu vervollständigen. Als er, von Niebuhr berathen, und vorbereitet durchein genaues Studium der Hülfsmittel, seinen Plan auszuführen im Begriff war,schien das Zusammentreffen mit einem reichen Reisenden, der G. sich zu verbin-den wünschte, sein Wagniß zu begünstigen. Aber schon bei der Ankunft in Ägyp-ten mußte er sich von diesem Reisegefährten, auf den sein Unternehmen zum Theil be-rechnet war, trennen. Obgleich auf seine wenigen eignen Mittel von nun an be-schränkt, blieb G. doch unerschütterlich in seinem Vorhaben. Allein, ohne Die-ner und Führer, selbst ohne Gepäck, folgte er von Alexandria aus zu Fuße einerkleinen Caravan« mitten durch die Wüste. Ohne die Landessprache zu kennen undmit Mundvorrath versorgt zu sein, würde ihm die Fortsetzung der Reise doch un-möglich gewesen sein, hätten nicht die gastfreien Araber ihn jeden Abend eingeladen,das Nachtessen im Lager mit ihnen zu theilen. Nach den schrecklichsten Entbehrun-gen und Anstrengungen erblickte G. die Pyramiden. Kleinliche Eifersucht wider-setzte sich in Kairo der Fortsetzung seiner Reise. Der englische Consul Salt suchtedie Ausfertigung des Firmans zu hintertreiben, der ihm weiter zu gehen erlaubte;durch den Zeitverlust ging des Reisenden kleine Baarschaft aus; auch sein Muthwich dem Andränge so vieler Widerwärtigkeiten. Da nahm sich Drovctti, der ehe-malige franz. Gcncralconsul, des Reisenden wohlwollend an, sorgte für den Firmanund eilte ihm nach Theben voraus, wo G. nach einer Nilschifffahrt von 32 Tageneintraf. Dort wählte Drovekti Araber, denen er durch Versprechung das Lebenund die Sicherheit des jungen Reisenden empfahl, sorgte für die Barke, die, mitAwieback, Reis und trockenem Gemüse beladen und von einer Matte bedeckt, dieCaravane aufnahm, zu der 4 Matrosen, ein Lootse und ein franz. Mameluck, derals Dolmetscher dienen sollte, hinzukamen. Nach 14 Tagen kam G. nach Essuan,zu den Trümmern des alten Syene, an Ermenti, Edfu, Com Ombos absichtlichvorbeicilend. Man hatte ihm gestattet, die Nilfälle zu überschreiten und selbst gegensonstige Sitte, die von Theben mitgebrachten Matrosen zu behalten; nur einen nu-bischen Lootsennahm er in Essuan mit sich und einen Dolmetscher für diein Nubieneinheimische Barabara-Sprache. Auf dieselbe Weise, wie zu Herodot's Zeiten ver-fahren wurde, kam G. über die ersten Nilfälle hinweg. Den Wind benutzend,der seiner Stromausfahrt bis zu den zweiten Nilfällen günstig war, bezeichnete ersich nur flüchtig die Stellen, die er bei der Rückkehr genauer untersuchen wollte, underreichte glücklich den Zielpunkt seines Strebens. Herr seiner Fahrt, hing eS ganzvon ihm ab, anzuhalten, wo er wollte, und in Muße zu zeichnen und zu messen.Er fand 21 Denkmäler, zwischen der zweiten Katarakte und Philä, die bisher völligungekannt oder noch nicht in Zeichnungen gesehen waren; und sowol seine Wahl alsseine Darstellung hat überall die gerechteste Anerkennung erhalten. Die Treue undWahrheit seiner Zeichnungen, die auch im Stiche nicht verloren gegangen ist, unddie Genauigkeit seiner Maße und andern Angaben hat G.'s. „NeuentdecktenDenkmälern Nubiens" (Stuttg, Colta, gedruckt in Paris, 12 Hefte, jedes zu4 — 6 Kpfrn., gr. Fol., geendigt 1828) das einstimmige Zeugniß der franz. Be-urtheil« verschafft, daß es sich durchaus als nothwendige Fortsetzung an „das> Werk des Siegs und des Genies", an die prächtige Beschreibung von Ägypten an-schließe, die das Nilland nur bis Philä umfaßt. Den Text hat größtentheilsNiebuhr besorgt, in dessen Händen G. die zahlreichen Inschriften zurückließ,die er in Nubien gesammelt hatte. Niebuhr gab Proben davon in seinen „!»-»oriptioue» nnbiense," (Rom 1820, 4 ). Nach der Rückkehr von seiner Reise