Gastromanie Gau 525
wir begreifen darunter die Anwendung Erbrechen cder Durchfall erregender Arzneienund eine strenge Diät. ii.
Gastromanie, Schwelgerei im Essen und Trinken, undGastrono-mie, die Kenntniß von Allem, was darauf Bezug hat. Die Römer hatten dieseSchwelgerei auf die gröbste und üppigste, die Franzosen haben sie auf die feinste,mit Gesundheit und geselligem Frohsinn übereinstimmendste Weise ausgebildet.S. den pariser „^Iinause «ie» Aournrsml»" (der neue, seit 1825, enthält froheGesänge von Böranger u. A.).
Gastromantie (von Bauch), eine besondere Art der Wahrsa-
gern bei den Griechen. Man stellte gewisse weitbauchige Glaser, mit klarem Was-ser gefüllt, auf einen Platz, und brennende Fackeln rings umher. Dann betete manmit leiser Stimme zu einem Dämon und legte ihm die Frage vor, deren Auflösungman begehrte. Nun mußte ein keuscher und unbefleckter Knabe oder eine schwan-gere Frau mit Sorgfalt alle in den Gläsern sich ereignenden Veränderungen bemer-ken und zugleich von dem Dämon eine Antwort wünschen, erbitten und auch fodern.Dieser gab sie endlich durch gewisse in den Gläsern sich zeigende Bilder, welche dieZukunft verkündigen sollten.
Gatt er er (Johann Christoph), Hofraih, geb. zu Lichtenau im Nürnbergi-schen d. 13. Juli 1727, studirte zu Nürnberg und Altdorf hauptsächlich historischeWissenschaften, erhielt eine Stelle an dem Gymnasium in Nürnberg, kam 1758 alsordenti. Pros. der Geschichte nach Göttingen, und starb daselbst d. 5. Apr. 1799.Er beherrschte das ganze Gebiet der Geschichte und ihrer Hülfswiffenschaften, derGeographie, Genealogie, Heraldik, Diplomalik, Numismatik und Chronologie,hellte theils das Ganze, theils einzelne Theile derselben durch wichtige Werke und Ab-handlungen auf, und führte in das Studium der allgemeinen Weltgeschichte und indie akademischen Verträge derselben die bessere Methode ein, welche die Erzählungnach der Zeitfolge mit Synchr onismus verbindet. Vor Allem hatte sich die alte Ge-schichte der wichtigsten Aufklärungen durch s. Fleiß, s. gründliche Gelehrsamkeit unds. historischen Forschungsgcist zu erfreuen. Zu beklagen ist es, daß viele s. Werkeunvollendet geblieben sind. Über Diplomatik, Chronologie, Genealogie, Erdbeschrei-bung und Heraldik hat er höchst schätzbare Handbücher herausgegeben. Die k.Societät der Wissenschaften in Göttingen hatte an ihm eins ihrer thätigsten Mit-glieder; «selbst stiftete 1764 das historische Institut, dessen Director er 1767wurde. Gatterer'sTochter, Magdal. Philipp.,vnwitw.Engelhard,geb. 1756,hat sich als lyrische Dichterin bekannt gemacht. Heyne hat in einem Elogium aufGattern die Verdienste desselben gebührend gewürdigt; in den „Zeitgenossen",Nr. II., befindet sich ebenfalls eine gut geschriebene Biographie und CharakteristikGatterer's von Malchus.
Gau (psgus). In den ältesten Zeiten war Deutschland in Gaue, d. h. inBezirke von etlichen Quadratmeilen, nach gewissen Grenzen von Gebirgen, Ge-wässern u. s. w. eingetheilt. Mehre Gemeinden lebten darin in einer gewissen Ver-bindung. Über die Gaue waren Grafen oder Richter gesetzt; daher Gaugrafschaf-ten. (S. Graf.) Mit der Veränderung der Grafen veränderte sich auch dieses.Gegen das 12. Jahrh, kamen die Gaue als politische Eintheilung in Deutschlandganz ab, und nur in den Namen mehrn Gegenden (Breisgau, Sundgau u. s. w.)ist eine Erinnerung an sie geblieben; doch gibt es noch hier und da, wenigsten- inNiednsachsen, k eine Verwaltungsbezirke, welche Gohgrafschaften genanntwerden, und deren Vorsteher eine den Ämtern untergeordnete Behörde bilden, wiedenn selbst auf den größer» Pachtamtcrn jener Gegend den Aufsehcm derAckerknech-terc. zuweilen der Titel G ohg rasen beigelegt wird. S.A. v.Wnsebe, „Beschr.der Gaue zwischen Elbe, Saale, Unstrut, Weser und Werra im 10. u. 11. Jahrh.(Hanover 1829,4., m. e. Ch.); u. v. deutsch, „Markgraf Gero" (Leipz. 1828).