Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
523
Einzelbild herunterladen
 

52Z

Gastmähler der Alten

Bewirthung, so oft ein Geschäft sie zu einander führen würde, und diese sagten sieeinander zu, nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder und Abkömmlinge.Schon bei Homer finden wir neben der allgemeinen Gastfreiheit auch die Gast-freundschaft. Jedem Einkehrenden tönte die freundliche Begrüßung entgegen:„Freude dir, Gast, sei herzlich willkommen uns!"er wird gebadet, umgekleidet, bewirthet, man erfreut sich seiner Erzählung. Erst nach 9u. 10 Tagen, wenn sich der Fremde nicht früher kund gegeben, ergeht an ihn die Frage'„Wer, und woher der Männer? wo hausest du? wo die Erzeuger?"

Kündigt er sich als einen Gastsreund von Alters her an, so ist man doppelt ersreut,durch die Erfüllung der gastlichen Pflichten ein altes heiliges Band erneuert zu haben.Zwiefach willkommen war der Gastsreund, der sich durch die Hälfte des von denBätern zum ewigen Wiedererkennungszcichen gebrochenen Ringes bewährte; undzum Beweise, daß seine Gegenwart erfreulich gewesen, entließ man ihn nicht nurwohl verpflegt, sondern auch mit Gastgeschenken geehrt, welche in der Familie desEmpfängers als Gegenstände von besondern« Werthe vererbt wurden. lE.

Gastmahler der Alten. Schon Homer („Oä^»».", I, 225 fg.)unterscheidet Gastmahl und Grlag. Das Gastmahl (Eilapine) gab eine Personauf eigne Kosten, das Gelag (Eranos) ward aus gemeinschaftliche Kosten derTheilnchmenden veranstaltet. Beim Gastmahle fanden sich ein 1) wirkliche Gäste,welche durch Sklaven dazu eingeladen, 2) Schatten (Skiai, Umbrä), welche voneingeladenen Gästen mitgebracht wurden, und 3) Parasiten, eine Art von schmaro-tzenden Luftigmachern, die sich auch wol einstellten, ohne gebeten ober mitgebrachtzu sein. Bei den Griechen erschienen bloß Männer, bei den Römern auch Frauen.Die Anzahl der Gäste war unbestimmt. Ehe sie zu Tische gingen, wurden ihnendie Füße gewaschen und gesalbt. Bei Tische saß man in der ältesten Zeit, später-hin lag man, ausfolgende Weise: Um einen Tisch waren, oft von Ecdernholzverfertigte oder mit Elfenbein ausgelegte, mit Silber und Gold verzierte undmit köstlichen Decken belegte Ruhebetten (Ottomanen) gestellt. Der Liegende hatteden Obertheil des Körpers auf den linken Ellbogen gestützt, den Unterleib geradeausgestreckt oder etwas gebogen, im Rücken lagen zu größerer Bequemlichkeit bis-weilen kleine Polster. Der Erste am obern Theile des Ruhebetts streckte seine Füßehinter dem Rücken des neben ihm Liegenden aus, der Zweite lag mit dem Kopfe nahean dem Schoß des Ersten und streckte seine Füße hinter dem Rücken des Drittenaus rc. Daß unter den Plätzen ein gewisser Rang stattfand, leidet keinen Zwei-fel , allein man ist über die beobachtete Rangordnung nicht gewiß. Da die Tischenicht, wie bei uns, mit Tüchern überdeckt, und die Speisen (die, weil man Mes-ser und Gabel nicht kannte, von den Borschneibern in kleine Stücke zerlegt waren)auf den bloßen Tisch gelegt wurden, so wurde dieser nach jedem Gange mit Schwäm-men abgewischt, sowie auch für die Gäste Wasser zum Waschen der Hände umher-gereicht wurde. Seine Serviette brachte jeder Gast mit. Der Gänge bei derMahlzeit waren 3: das Vormahl, wobei man lauter die Eßlust reizende Speisenauftrug, das Hauptmahl, welches aus mehren und besser zubereiteten Speisen be-stand, und der Nachtisch mit Näschereien. Während des Mahles trugen die Gästeweiße Kleider, schmückten sich mit Kränzen und salbten sich oft Haupt, Bart undBrust mit duftenden Älen. Das Speisezimmer selbst wurde mit Kränzen ge-schmückt, und die Rosen, die als Sinnbild des Schweigens über dem Tische aufge-hängt waren, haben das noch jetzt übliche Sprüchwort: Einem etwas »üb rosa (un-ter der Rose) mittheilen, veranlaßt. Der Symposiarch (Taselfürst), entweder derWirth selbst, oder eine von ihm ernannte Person, sorgte für Alles zum GastmahleNöthige; der Schmauskönig oder das Auge führte die Aufsicht über das Trinken;der Austheiler theilte Jedem seine Portion zu, und Weinschenken, meist schöne Kna-ben, reichten die gefüllten Becher dar, an denen gewöhnlich Kunst und Pracht wett-