Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
522
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Gastein Gastfreiheit

von der Marktschreierei des WunberthäterS überzeugt und gab ihm den Rath, zu jder geistlichen Seelensorge seiner Psarrkinder zurückzukehren. Allein G. begab sich !zu andern Reichsprälaten von stärkerem Glauben und bannte die Teufel in ihremGebiete. 1774 erhielt er einen Ruf von dem Bischof zu Regensburg nach Ell- !wangen, wo eine zahllose Menge Hülfsbedürftiger u. Neugieriger seiner warteten, jHier heilte G. Lahme und Blinde, vorzüglich aber mit Krämpfcn und Epilepsie be- !haftete Personen. Wenige Fragen waren hinreichend, um zu erfahren, ob die Krank- ^heit von natürlichen Ursachen oder vom Teufel herrühre. Nur im letzter« Falle über- »nahm G. die Cur. Wenn er seiner, Machtspruch «esset! (fahr aus!) aussprach, sowaren die Teufel gehorsam genug, den Kranken augenblicklich zu verlassen. Ein ös-fentlicher Beamter führte über die gemachten Euren ein fortlaufendes Protokoll, in !welchem allerdings die außerordentlichsten Dinge in beglaubigter Form bezeugt wer- !den. Man hat aber alle Ursache, zu glauben, daß G. gesunde Personen sehr oft dieRolle von Kranken spielen ließ, und daß seine Cur bei wirklich Leidenden nur so langeanschlug, als ihre Einbildungskraft von den Überredung«-« des Beschwörers erhitzt !blieb. Aufgeklärte Männer erhoben ihre Stimme gegen ihn, und sein Ansehen fiel !nach einiger Zeit um ein Merkliches. Er starb im März 1779, nachdem ihn der Bi-schof zu RegenSburg, sein beständiger Gönner, in den Besitz einer einträglichenPfarre gesetzt hatte.

Gastein, Mfl. im Salzachkrcise (Salzburg) von Oberöstreich, 2785 par.

F. über der Meeresfläche, mit Gold-, Silber- und Bleibergwerken und einemberühmten warmen Bade. S. Koch v. Sternfeld „Über das Gasteinthal und s. -Heilquellen" (München, 2. Aufl. 1820) und Emil's „Reischandb. für Kranke undNaturfreunde, welche das Thal und Wildbad Gastein besuchen" (Wien 1826).

Gastfreiheit. Die schöne Sitte der Gastfreundschaft verliert sich indas höchste Alterthum, denn wir finden sie bei dem kaum aus dem Stande der Wild-heit getretenen Menschengeschlechte am aufrichtigsten geübt. Den Fremdling, wel-cher, ein fernes Land durchwandernd, hülfsbedürftig unter ein fremdes Obdach ein-kehrt, freundlich aufzunehmen, zu bewirthen und zu schützen, gebot die Stimme desHerzens, um so mehr, da in jenen Zeiten, wo noch kein Verkehr die Menschen zu ein- ^ander führte, nur eine harte Bcdrängniß die Auffoderung fein konnte, daß ein Einzel- .ner die geliebte Heimath verließ und sich in die Fremde hinauswagte, wo er ohne >gastfreundliche Aufnahme verderben mußte. So lehrte die Natur die Tugend derGastlichkeit. Wir finden sie in den Mosaischen Urkunden, in den Gesängen Ho-mer's, nicht minder bei den Arabern, den Germanen und fast allen Völkern des Al-terthums. Wenn im Allgemeinen die Gastfreiheit überall in der Aufnahme, Bewa-chung und Schätzung der Fremden bestand, so waren doch die Begriffe von demMaße der Dienste, zu welchen man sich gegen den Wanderer verpflichtet glaubte,verschieden. Wol keine Nation übertraf darin die Araber. Hier nimmt der Haus-wirth — denn noch jetzt lebt diese Sitte unverändert in Arabiens Wüsten fort — denbei ihm einkehrenden Fremdling brüderlich auf und bewirthet ihn mit dem Besten,was sein Haus vermag. Er findet sich geehrt durch den Zuspruch des Gastes undfreut sich seiner Gegenwart. Ist aber der Vorrath in s. Hause aufgezehrt, und be-gehrt der Fremde noch länger zu verweilen, so führt er ihn zu s. Nachbar, der nunBeide mit gleicher Freigebigkeit bewirthet. Diese einfache Sitte wurde bei den Griechendurch die Religion geheiligt. Zeus, der deßhalb den Beinamen des G astlichen (Xenivs)hatte, war der Schützer der Fremden, er wachte über sie und rächte jede ihnen zugefügteKränkung. Wie wir aus Homer sehen, hatte auch derfromme Glaube, daß die Un-sterblichen selbst zuweilen in menschlicherGestaltaufErden erschienen, Antheilanderguten Aufnahme der Fremdlinge. Im griech. Alterthume entstand aus der Gastfrei-heit der Vertrag der Gastfreundschaft. Einzelne, die bei dem zunehmenden Verkehrzu häufigen Reisen genöthigt waren, gelobten einander gegenseitige Aufnahme und