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Gassendi Gaßner
Gassendi (Pierre), Präpositus der Domkirchc zu Digne und Pros. derMathematik zu Paris, geb. 1592 zu Chantersier bei Digne in der Provence. Einlebhafter und durchdringender Geist, ein glückliches Gedächtniß und eine glühendeWißbegierde erregten früh die Hoffnung, daß er einmal etwas Ausgezeichneteswerde leisten können. S. Ältern wandten daher, wiewol sie arm waren, Alles aufseine Erziehung. Man erzählt, daß er schon in s.4.J. kleine Predigten hielt. SeineLiebe für die Astronomie zeigte sich fast ebenso früh. Er entzog sich den Schlaf, umden gestirnten Himmel zu sehen. Kaum hatte er in Digne seine Studien vollendet,als er schon Rhetorik lehrte. Er fand Beifall, obwol er erst 16 I. alt war. 1614wurde er zum theolog. Lehrer in Digne ernannt, und 2 Jahre nachher erhielt er denLehrstuhl der Theologie u. Philosophie auf der Universität zu Air. Nach 8 Jahrenführte ihn die Liebe zur Einsamkeit nach Digne zurück, wo er ein Werk gegen dieAristotelische Philosophie schrieb, aber nicht vollendete. Darauf studirte er eifrigerNaturwissenschaften und selbst die Anatomie, und verfaßte eine Schrift, um zu be-weisen , daß der Mensch nur zu vegetabilischen Speisen bestimmt, und daß der Ge-nuß des Fleisches ein gefabrlicher Mißbrauch fei. Der kränkliche Mann selbst lebtenach diesen Grundsätzen. Auch als Astronom war G. ausgezeichnet, wiewol er dieseWissensch. nur in Rücksicht der Astrologie erlernt und die Chimären der letztem erstspät aufgegeben hatte. Wir besitzen von ihm u. a.: Beobachtungen eines Merkur-durchganges durch die Sonne („klpist. sä 8obio!carckulu cke Alervurio in 8oleviso", in s. Werken), und geschätzte Biographien mchrer der berühmtesten derzeit.Astron., des Kopernicus, Tpcho-Brahe, Pcurbach u. Regiomontanus (Joh. Mül-ler), welche der Ausg. s. Werke einverleibt sind. Ein Proceß zog ihn nach Paris, woer mächtige Freunde bekam, deren einer ihm den Lehrstuhl der Mathematik an dem(lolleZe ro/sl verschaffte. Descartes brach damals eine neue Bahn in der Philo-sophie. G. griff ihn mit solchem Erfolg an, daß sich die Philosophen der damaligenZeit in Cartestaner und Gassendisten theilten. Schon auf der Schule hatte ihm diescholastische Philosophie widerstanden. Das Studium der Natur hatte ihn zu De-mokrit und Epikur geführt, deren wichtige Lehrsätze er als ein mit den Alten innigvertrauter Gelehrter zur Grundlage seiner Physik machte. Er erneuerte die Lehrevon den Atomen und dem leeren Raum in mehren s. Schriften; aber eben dadurchzog er sich gefährliche Feinde zu. Ungeachtet der Reinheit seiner Sitten griff manihn von Seiten der Religion an, wogegen er sich aber zu vertheidigen wußte. Erstarb d. 25. Oct. 1655. G.'s Werke wurden 1658 zu Lyon, nebst s. Leben, vonSorbiere, und 1728 zu Florenz von Averrani, jedes Mal in 6 Bdn., Fol., heraus-gegeben. Alle verrathen einen Mann von tiefer Gelehrsamkeit, aber eben diese Ge-lehrsamkeit schadet zuweilen seinen Folgerungen und dem Zusammenhange. Ob-gleich ihn Gibbon den größten Philosophen unter den damaligen Gelehrten und dengrößten Gelehrten unter den Philosophen nennt, so steht doch Descartes in Anse-hung des selbstdenkenden Geistes und Styls über ihm. — Zu s. Familie gehörteJean Jacques, Graf Gassendi, stanz. Generallieut. u. Pair, geb. 1748,unter Napoleon Senator, Vers. eines geschätzten Werks über die Artillerie. Er befeh-ligte 1789 die Artillerie-Comp., bei welcher Bonaparte als Lieutenant stand undstarb den 14. Dec. 1828 zu Nuits in Frankreich. U.
Gaßner (Johann Joseph), geb. am 20. Aug. 1727 zu Bratz bei Pludcnz inSchwaben, bekannt als Teufelsbanner, war kath. Pfarrer zu Klösterle im BisthumChur. Die Erzählungen von den Besessenen in der Bibel und sein ununterbrochenesForschen in den gcheimnißvollen Schriften berühmter Magiker hatten ihm den Glau-ben in den Kopf gesetzt, baß die meisten Krankheiten von bösen Geistern herrühren,deren Macht bloß durch Segensprcchungen u. Gebete vertilgt werden könne. Er fingan, einige seiner Pfarrkinder zu heilen, und erreichte wenigstens so viel, baß er Auf-sehen machte. Der Bischof von Konstanz berief ihn in s. Residenz, wurde aber bald