Gasbeleuchtung 519
ckenden Mineralwasser», z. B. dem selterser, fach'mger, flinsbcrger u, a., welchenichts Andres als kohlensaure Wasser sind und sich künstlich ohne Schwierigkeitnachmachen lassen. Diese Wasser können Metalle auflösen, und die Eisen - oderStahlwasser sind eisenhaltige kohlensaure Wasser, z. B. die pyrmonter u. a. 5)Noch mehre andre Säuren haben für sich die Gasgestalt. Die Salzsäure ist vonihnen die merkwürdigste, besonders die Abänderung derselben, welche entsteht, wennman das Kochsalz, aus dem man das salzsaure Gas durch Daraufgießen von Schwe-felsäure austreibt, mit gepülvertem Braunstein zusammengetrieben hat. Diesesvxygenirl-salzsaure Gas hat köstliche Eigenschaften, worauf die chemischen Bleichenund Räucherungen in den ansteckenden Fiebern u. dgl. m. beruhen. S. Ver-theilet, Guytonund Gilbert's „Annalen der Physik", Jahrg. 1813, St. 1.Das flußsaure Gas kann zum Ätzen in Glas gebraucht werden. Noch gibt es einegroße Menge andrer Gasarten, ihre Zahl steigt auf wenigstens 24 wesentlich ver-schiedene. Die Kenntniß derselben ist aber für Den, der sich nicht mit chemischerPhysik beschäftigt, ohne Nutzen. S. THLnard's „Lehrb. der Chemie", deutschdurch Fechner (Lcipz. 1825), Bd. 1., S. 231 fg. Klaproth's und Wolff's „Chem.Wörterb.", Berlin bis 1816, H. Suppl., S. 174.
Gasbeleuchtung nennt man die Art, Straßen und Gebäude mittelstdes Wasserstoffgases zu beleuchten. Schon seit einigen Jahrzehnden machten dieChemiker darauf aufmerksam, daß es Vortheilhast sein müsse, das bei der Verküh-lung der Brennmaterialien verloren gehende gekohlte Wasserstoffgas noch weiter zubenutzen. Lampadius entwickelte hierüber die ersten Ideen in dem 1. Bde. s. „Hüt-tenkunde" (Göttingen 1801). Ihm folgte Lebon in Frankreich, der Erfinder der Ther-molampe. S. Binger's „Beschreib, der Thermolampe" (Dresden 1806). Lebonentwickelte das Gas für die Thermolampe aus Holz. Da aber, um eine gewisse ZeitLicht zu haben, eine große Masse Holz nöthig ist, so kam das Lcbon'sche Verfahren zukeiner Anwendung. 1810 und 1811 singen die Engländer an, sich der Steinkohlenzu dieser Gasentwickclung zu bedienen, und brachten die Manufacturen- und Stra-ßenbeleuchtung mittelst desselben schon zu Stande, während Lampadius 18114 Wo-chen lang einen Theil der Fischergasse inFreiberg versuchsweise erleuchtete. Der großeFortschritt der Engländer in Vergleichung mit der Verfahrungsart des Lampadiusund Lebon bestand darin, daß sie das entwickelte Gas, ehe es verbrannt wurde, zuerstin eignen großen Behältern, Gasometer genannt, sammelte» und es von diesen ausallmälig ableiteten, statt daß die Letztem dieses Gas, sowie es allmälig entwickeltwurde, sogleich zu verbrauchen empfahlen. Nun erst wurde dieses Verfahren allge-mein da anwendbar, wo man gute Steinkohlen zu leidlichen Preisen haben kann.Schon 1815 war ein großer Theil der Straßen und vorzüglichsten Gebäude Londons,sowie andrer engl. Städtemit dem Steinkohlengase erleuchtet. 1816 führte Lampa-dius diese neue Belcuchtungsart in dem königl. Amalgamirwerke bei Freiberg ein,ebenso folgte 1817 das polytechn. Institut in Wien, und 1818 hat man unter derLeitung des Dircctors dieser Anstalt, I. I. Prechtl, um die Anwendbarkeit der Stra-ßenbeleuchtung mit Gas für Wien näher zu beurtheilen, einen Versuch, der sich fürerstnur auf 2 Straßen erstreckt, ausgeführt. Diese neue Beleuchtungsmethode bestehtnun in Folgendem: Man legt gußeiserne, cylindrische, mit einem aufzuschraubendenDeckel versehene Retorten in einem zweckmäßig vorgerichteten Ofen horizontal ein,und füllt sie 3 Viertheil voll mit Steinkohlen. Durch ein um dieselben mit jedem be-liebigen Brennmaterial zu unterhaltendes Feuer werden die Retorten mit ihrem In-halt allmälig zum schwachen Glühen gebracht. Dadurch entwickelt sich eine Mengedes gekohlten Wasserstoffgases nebst Steinkohlentheer, Wasser und Ammoniak ausihnen. Diese flüchtigen Substanzen werden durch ein gleich an die Retorten ge-gossenes eisernes Abzugsrohr in einen Kühlapparat geleitet. In diesem verdichtensich das Theer - und das ammoniakalische Wasser. Das sich durch die Kälte nicht