Gasarten 517
wundervolle chemische Eigenschaften aus, und es geben sich uns in der Gasgestaltam reinsten einige der merkwürdigsten chemisch-einfachen Körper; die verschiedenenGasarten spielen daher in dem chemischen Theile der Physik eine Hauptrolle. Ammehresten verdienen folgende gekannt zu werden. 1) Die a t m o sp h ä r i s ch e Luftist ein Gemenge aus mehren GaSarten und aus Wasserdampf, und nicht, wie manehemals glaubte, ein einfaches Element. Wird in ihr Phosphor in einer Glockeverbrannt, welche in einer Schale mit Quecksilber steht, so kann man es selbst durchwiederholtes Anstecken des Phosphors doch nur höchstens so weit bringen, daß von100 Maß Luft 21 Maß verschwinden, 79 bleiben zurück, und in diesem Rück-stände vermag weder irgend ein brennender Körper fortzubrennen, noch ein Thier zuleben. Jene 21 Maß bestehen aus einer Gasart, die man erst 1771 und 1774kennen gelernt hat, und die man anfangs, weil sie eine unerläßliche Bedingung zurUnterhaltung des Feuers und des thierischen Lebens ist, Feuerluft oder Lebenslustnannte, jetzt aber allgemein mit dem Namen Sauerstoffgas (xa»bezeichnet. Der Rückstand besteht größtentheils aus einer wesentlich verschiedenenGasart, dem Stickgas (Zss a/üte). Verbrcnnliche Körper können nür, wenn sie mitSaucrstoffgas in Berührung sind, verbrennen, und alles Verbrennen beruht auschemischer Verwandtschaft des verbrennlichen Körpers zum wägbaren Theile desSauerstoffgascs; indem dieser sich mit dem brennenden Körper vereinigt, wird derin dem Gas gebunden enthaltene Wärmestoff frei und erscheint als Licht und freieWärme. In der atmosphär. Luft sind die brennbaren Körper mit mehr Stickgas alsSauerstoffqas in Berührung; im reinen Sauerstoffgas verbrennen sie daher mit ei-ner weit größern Lebhaftigkeit und scheiden in gleicher Zeit weit mehr Licht und Wärmeab, als in der atmosphärischen Luft. Ein glimmender Holzspan oder ein glimmendesWachslicht in Sauerstoffgas getaucht, entflammen sich sogleich; eine an der unternSpitze glühende Stahlfeder verbrennt darin mit Funkenwersen und Hellem Lichte,und brennenderPhosphorverbreitet darin ein Licht, welches in einem dunkeln Zimmergleich dem Sonnenlichte blendet. Thiere können nicht leben, wo es an Sauerstoff-gas fehlt, befinden sich aber keineswegs im reinen Sauerstoffgas besser als in deratmosphär. Luft, sondern erkranken endlich darin, weil der Lebensproceß übermäßigbeschleunigt wird. Die verbrennlichen Körper verwandeln sich beim Verbrennen häu-fig in Säuren, so der Schwefel, der Phosphor, die Kohle u. a. Deßhalb hat manden brennbaren Grundtheil dieses Gases Sauerstoff (vxz-gvne) genannt, und daherrührt der Name dieser Gasart, welche in der Natur eine so große Rolle spielt, daßman die ganze Chemie für eine Geschichte der Eigenschaft des Sauerstoffes und desSauerstoffgases ausgeben könnte. Um diese Gasart rein zu erhalten, erhitzt man ineiner Weißglühhitze ertragenden Retorte gepülvcrten schwarzen Braunstein (Man-ganvxyd), oder rothes Quccksilberpräcipitat (rothes Quecksilbcroxyd), oder Salpe-ter, oder Alaun, oder Knallsalz (oxygenirt-salzsaures Kali). Das Ende des Halsesder Retorte oder einer darüber paffenden Röhre muß unter dem Trichter der mit Was-ser gefüllten, zu Entbindungen von Gasarten bestimmten Wanne, der sogen, pneu-matischen Wanne, liegen, und über dem runden Loche des Bretes, an welchem derTrichter mit seiner engen, aufwärts gerichteten Röhre befestigt ist, muß ein umge-kehrtes Gefäß voll Wasser stehen, worin die sich entbindenden Gasblasen aufsteigenund zurückgehalten werden. Aus einem Pfunde Braunstein lassen sich viele berlinerQuart Sauerstoffgas erhalten. 2) Das reine Stickgas hat keine Eigenschaften, welcheauf eine so ausgezeichnete Art in die Augen fallen. Es kann sich mit dem Sauerstoffeverbinden, und je nachdem dieses in verschiedenen Verhältnissen geschieht, entstehendadurch Salpetersäure, Salpetergas oder sogen. Wonneluft (oxydirtes Stickgas).Das Salpetergas hat die auffallenden Eigenschaften, Sauerstoffgas, mit welchemes in Berührung kommt, augenblicklich zu verschlingen und sich damit in salpetrig-sauern Dampf zu verwandeln. Beim fortgesetzten Athmen der Wonneluft soll eine