Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
509
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Garnenn Garofalo 509

noch jetzt zu den besten span. Dichtern gezählt wird. Seine Schicksale kann manzum Theil auS seinen eignen Werken kennen lernen. Er hielt sich längere Zeit inItalien auf und durchreiste dann in den Diensten Karls V. einen Theil von Deutsch-land. 1529 wohnte er dem Feldzuge gegen Soliman und 1535 dem gegen Tunisbei. In dem letztem wurde er am Arme verwundet und lebte hierauf eine Zeit langin Neapel. 1536 befehligte er 30 Compagnien Fußvolk und zog mit dem Kaiser ge-gen Marseille. Auf dem Rückzüge hielt ein mit Mauren besetzter Thurm das Heerauf, man sagt, es sei der Thurm Muy bei Frejus gewesen. Der Kaiser gab denBefehl, ihn zu nehmen. G., unter einem Hagel von Steinen, drang mit der Pike inder Hand vor; kaum aber hatte er den Fuß auf die Leiter gesetzt, als er gefährlich amKopf verwundet zu Boden sank. Man brachte ihn nach Nizza, und hier starb er im33. Jahre s. Alters. Sem Leichnam wurde 1538 nach Toledo gebracht und in demGrabmal s. Familie beigesetzt. Bedenkt man G.'s unstätes und mühevolles Leben,so muß man doppelt über die Vollkommenheit seiner Gedichte erstaunen. Die span.Poesie hat ihm unendlich viel zu danken, denn ohne ihn würde Boscan, als Auslän-der, mit s. Neuerungen um so weniger durchgedrungen sein, da er an Christcval deCastillejo einen furchtbaren Gegner fand. Boscan war dafür so dankbar, die Werkeseines Freundes mit der größten Sorgfalt zu sammeln. Sie bestehen aus Eklogen,Episteln, Oden, Liedern, Sonetten (in welchen er Petrarca nachahmte) und einigenkleinern Gedichten. Eine AuSg. s. Werke ist zu Madrid 1765 mit Anmerk. erschie-! n n, sowie Herrera's Commentar (Sevilla 1580) mit Anmerk. von Azara (Madrid

l 1765,4.). Man darf mit ihm nicht verwechseln den Bn ca G arci lasso de

la Vega aus Cusco in Amerika (geb. 1540, gest. 1620), Vers. derUmt. de l-,8ontigusdude« zr <!vngui8ti» del kerü" (Lissabon 1609, Fol., und Madrid 1722,2Bde.,Fol.) undLu klorida" (Lissabon 1605, 4., und Madrid 1723, Fol.;deutsch im Auszuge von Böttger, Nordh. 1785, 2 Bde.). 81.

Garnerin (die Brüder). Der ältere, Jean Baptist« Olivier, war vor derRevolution im Pachtburcau angestellt, dann in den Bureaux des Nationalconvents,und trat als Zeuge im Processe der Königin gegen dieselbe auf. Späterhin ward erilluminsteur" im Hause der Exkönigin Hortcnsia und Zos. Bonaparte's. ImSept. 1815 leitete er nebst dem Physiker Robertson die Versuche mit dem Fall-schirme. Seine Tochter Eli sa, damals 24 I. alt, ließ sich den 21. Sept., in Ge-genwart des Königs von Preußen, aus einer Höhe von 1800 Klftrn. mit dem Fall-, schirme herab; ein zweites Mal den 24. März 1816, seitdem öfter, 1829m Ham-burg. Die Luftschiffen» nennt sich ALrvniste. Sein jüngerer Bruder, AndreJacques, ist nächst Blanchard der geschickteste Lustschiffer. Er erfand das Herab-stcigen im Fallschirm und machte damit zu Paris im Juni 1799 den ersten Ver-such ; dann 1800 vor dem Hofe zu Petersburg. Er nannte sich jetzt lo Premier^eronaute du I^srd. Auch Lenormand u. a. Physiker haben mit dem FallschirmeVersuche gemacht. Den Anspruch seines Bruders auf den Ruhm dieser Erfindungbestritt er im Nov. 1815 in einer eignen Druckschrift.

^ Garofalo (Benvenuto; eigentlich Benvenuto Tisi da Garofalo), Historien-

maler, geb zn Ferrara 1481. Hier und in Cremona erhielt er seine erste Maler-bildung. Am meisten wirkten Roms Meisterwerke auf ihn ein. 1505 soll er nachRom zurückgekehrt sein und sich ganz an Rafael angeschlossen haben, der ihn oft beiseinen Unternehmungen brauchte. Darauf beschäftigte ihn Alfons 1. in s. Va-terstadt; hier starb G. 1559, nachdem er einige Jahre blind gewesen. SeineWerke verrathen die Einwirkung aller Schulen, besonders der lombardischen undnoch mehr der Schule des Rafael, den er im Colorit übertraf. Von diesem nahmer, wie Fr. Schlegel bemerkt, eine gewisse liebliche Klarheit an, ein Gefühl vonAnmuth und einen Typus von Schönheit, die ihn nebst Dem, was ihm selbst eigenist, recht liebenswürdig machten. Einige s. Madonnen und Engelsgestalten sind