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Fürsten- oder Landcsschulen
unbeweglich zubringen zu muffen. Die größte und berühmteste der drei Fürsten-schulen ist Schulpforte, ehemals ein Cistercienserkloster, eine Stunde vonNaumbnrg an der Saale, im jetzigen preuß. Herzogthum Sachsen, ganz abgeson-dert in einer anmuchigen Gegend gelegen. Der Einweihungstag war der 1. Nsv.1543. Anfänglich war die Zahl der Zöglinge auf 100 bestimmt; aber schon Kur-fürst August, Moritz's Nachfolger, fügte noch 50 hinzu und ließ das Schulgc-baude vergrößern. Dabei war die Einrichtung getroffen, daß jede der kursächsischcnStädte eine bestimmte Anzahl Freistellen zu besetzen hatte, die sie auch, in Erman-gelung Einheimischer, an Fremde vergeben konnte. Dasselbe Vorrecht erhielten ei-nige adelige Familien. Eine Art von Uniform (der sogenannte Spanier, eine rundeMütze von schwarzem Zeuch mit bunten Bändern, und derSchulrock, ein kurzerschwarzer Mantel, der kaum den Rücken bedecktes machte die Zöglinge als Fürsten-schüler kenntlich und wurde erst in den neuesten Zeiten abgeschafft. Die alte Schul-ordnung liefert Bertuch's „Oirrouioon dorten««". Erst 1780 nahmen unterdem Rectorate des verdienstvollen Gslslcr wichtige Verbesserungen ihren Anfang.Sämmtliche Zöglinge wohnen jetzt in 12 geräumigen Stuben, welche an dieStelle der frühern engen Klosterzellen getreten sind; zwischen zweien derselben be-wohnt jedes Mal ein Collaborator ein eignes kleines Zimmer und führt die Aufsichtüber dieselben. Die Bewohner zweier Stuben schlafen in einem eignen Saal,und der Collaborator bei ihnen, in einem abgesonderten Cabinet. Eine fast ebensoveränderte Gestalt erhielt der öffentliche Unterricht; aber erst 1808 wurde die neueSchulordnung und zugleich der neue Lshrplan bekanntgemacht und in Wirksam-keit gesetzt. Die aus ungefähr 4500 Bdn. bestehende Bibliothek ist den Schülern2 Mal wöchentlich geöffnet; auch können sie aus derselben Bücher auf längere Zeitzum Gebrauch erhalten. Die Schulzeit ist auf 6 Jahre bestimmt; um früher ab-gehen zu können, bedarf es der königl. Erlaubniß. Außer dem Nector sind noch 7Professoren, ein Lehrer der Tanzkunst, ein Musiklehrer und ein Lehrer der Schreib-und Zeichncnkunst angestellt. Die Einkünfte verwaltet der Rentmeister, der zugleichden Haushalt führt. Von 1543 —1814 haben in Pforte mehr als 8500 Zög-linge Aufnahme und Unterricht erhalten; unter diesen Männer wie Grävius, Ec-nesti, Klopstock, Fichte, Schneider, Gpvhn, und unter den noch Lebenden Mit-scherlich, Sartorius, Schulze in Töttingen, Eichstädt, Böltiger, Krug, Heubncr,Döring u. A. Die Fürstenschule zuMeißen, ein ehemals der heil. Äfra geweih-tes Kloster (daherAfranum genannt), wurde den 3. Juli 1543 eröffnet und hat118 Stellen. Die Schüler wohnten in 2 sogenannte Schlafhäuser vertheilt, je4 und 4 beisammen in Zellen, und schliefen in besondern, gegenüber liegendcnKam-mcrn. Bei den geringern Einkünften wurde es erst 1812 möglich, die Zellen inStuben umzuwandeln und einige Collaboratorcn anzustellen. Auch hier ist eineaus mehren Tausend Bänden bestehende Bibliothek vorhanden. Den Unterrichtbesorgen 7 Professoren und ein Schreib-, ein Sprach- und ein Tanzmeister. Vonden Zöglingen dieser Schule nennen wir Lesiing, Gellert, Rabener, Klotz, und un-ter den jetzt Lebenden Nitzsch, Zachariä in Heidelberg u A. Die dritte Fürsten-schule endlich, die vor Kurzem ihre altklösterliche Form umgewandelt hat, ist zuGrimma, in einer angenehmen Gegend an der Mulde; daher heißt sie auchMoldanum. Hierher, in ein ehemaliges Augustiner-Eremitenkloster, wurde vonMerseburg, wo sie nicht gedeihen wollte, die dritte, auch 1543 errichtete Fürsten-schule 1550 verlegt und den 14. Sept. eingeweiht. Die Schule besteht aus 85theils Frei-, theils Kost stellen. Sämmtliche Schüler sind in 4 Classen getheiltund werden von 5 Professoren und einigen andern Lehrern unterrichtet. Am 15.Sept. 1828 wurde das neue Gebäude dieser gelehrten Bildungsanstalt einge-weiht. Außerdem wurden wichtige Verbesserungen vorgenommen, obgleich dieseSchule keine ansehnlichen Fonds hat, sodaß sie vor 1815, wie das Afranum, von