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Fugger (Geschlecht)
großem Reichthum. Nach allen Gegenden gingen ihre Waaren, und fast jedeStraße, jedes Meer trug Fugger'sche Lastwagen und Schiffe. Den höchsten Glanzerrang das Geschlecht unter Kaiser Karl V. Ulrich Fuggcr's Söhne waren ohneErben (1536) gestorben. Jakob hatte keine Kinder hinterlassen, und so beruhte derStamm und Glanz des Geschlechts auf Georg, der mit der edeln Regina Jmhof2 Söhne, Raimund und Antvn, zeugte. Als Kaiser Karl (1530) den denkwür-digen Reichstag zu Augsburg hielt, wohnte er Jahr und Tag in Anton Fugger'sprächtigem Hause am Weimnarkte. Anton hatte freien Zutritt zu dem stolzen Spa-nier, denn die Fuggcr kamen dem kaiserl. Seckel oft zu Hülfe, und auf ihre Unter-stützung rechnete der Kaiser viel, wie in der Folge zu seinem Seezuge nach Tunis(1535). Der Kaiser erhob seinen Hauswirth und Raimund, dessen Bruder, inden Grafen- und Pannerstand (14. Nov. 1530) und gab das noch verpfändeteKirchberg und Weißenhorn ihnen erb - und eigenthümlich, nahm sie auf derschwäbischen Grafenbank unter die Reichsstande auf und begabte sie mit ei-nem Siegclbriefe, der ihnen fürstliche Gerechtsame verlieh. „Noch niemalenhabe ich dergleichen verliehen und bin auch nicht gesonnen, jemalen derglei-chen wieder zu thun!" sprach Karl; — aber noch waren seit jenen Worten nicht5 Jahre verflossen, als er ihnen das Borrecht gab, goldene und silberne Münzen zuschlagen, das von ihnen 5 Mal ausgeübt worden (1621,22,23, 24 und 1694).Auch saßen Anton und 12 seiner Nachkommen in dem geheimen Rathe, der an dieStelle des zünftigen Regiments der Reichsstadt trat. Dieser Anton hinterließ 6Mill. Goldkronen baar, Kostbarkeiten, Juwelen und Güter in allen Theilen Eu-ropa's und beider Indien, und von ihm soll Kaiser Karl, als er den königl. Schatz zuParis besehen, gesagt haben: „Zu Augsburg ist ein Leinweber, der kann das Allesmit eignem Golde bezahlen". — Kaiser Ferdinand II. erhöhte noch der Fugger hohenGlanz, indem er bei der Bestätigung des von Karl ertheilten Gnadenbriefes denGrafen H ans und HieronymuSF. die große Comiliv mit allen Rechten fürdie beiden Ältesten der Familie ertheilte, wodurch sie berechtigt wurden, Bergwerkein ihren Herrschaften anzulegen, Freiungen, Jahr- und Wochenmärkte aufzurich-ten, Lehen und Afterlehen zu reichen, Unterthanen zu beerben oder deren eingezo-gene Güter zu nehmen, zu jagen, zu fischen, Mühlen und Schenkstätte anzule-gen, und Umgeld, Aufgeld, Ein - und Abzug zu fodern. So nahmen die Fuggerzu an Geld und Ehre; doch auch des Himmels Segen ruhte auf ihnen sichtbarlichin ihrer Nachkommenschaft. „In 5 Hauptästcn (sagt der „Spiegel der Ehren")zweigte der edle Stamm so um sich, daß er 1619 bei 47 Grafen und Gräfinnen,und an jungen und alten Nachkommen beiderlei Geschlechts so viel, als das JahrTage zählte". Auch als Grafen setzten sie die Handlung fort und erwarben soviel, daß sie binnen 94 I. an liegenden Gütern 941,000 Gldn. zusammengekauft,und 1762 noch 2 ganze Grafschaften, 6 Herrschaften und 57 andre Ortschaftenbesaßen, ohne die Häuser und Grundstücke in und um Augsburg. Die ersten undvornehmsten Stellen im Reiche'waren mit Fuggern besetzt, und mehre reichsfürstl.Häuser rühmten sich der Verwandtschaft mit dem Fugger'sche» Geschlechte. Beiihnen fanden sich Sammlungen aller damaligen Kunstschätze-und seltener Schrif-ten; Maler und Musiker wurden von ihnen unterhalten, Künste und Wissenschaf-ten mit Freigebigkeit unterstützt. Ihre Wohnungen und Gärten waren Meister-stücke der Baukunst und des damaligen Geschmacks, und so konnten sie wol mitAnstand des Kaisers Majestät bei sich beherbergen; auch verliert, unter diesen Um-ständen, die Erzählung das Unglaubliche, daß, als Karl V. nach seinem Zugegegen Tunis bei Gras Anton eingekehrt, dieser im Kamine ein Feuer von Zimmt-holz mit der Schuldverschreibung des Kaisers angezündet, und so zu Ehren seine»Gastes die große Schuld desselben getilgt. — Doch wenn wir der Fugger Gewerb-fleiß, Klugheit, Ehre und Einfluß rühmen, so dürfen wir nicht der Milde vergessen,