Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

Fronte Fronton 445

Bist du aber auf rechter Meinung und deiner Sache gewiß, so fahre in Gottes Na-men fort und sei nur getrost: Gott wird dich nicht verlassen". Als F. starb, fandsichs, daß er seine Güter an Kaufleute verpfändet hatte, Schulden halber, und daßihn die Fürsten, die das von ihm angeworbene Militair brauchten, schlecht belohnthatten.

Fronte, Vorder- oder Gesichtsseite, z. B. eines Gebäudes. In derKriegssprache: die dem Feinde, oder der Stelle, wo man sich den Feind denkt, rnt-gegengekehrte Seite der Stellung. Fronte aufEtwaS machen, heißt, gegen Etwasgerichtet sein. Frontispice, Vorderseite einesGebäudes; insbesondere dermittlere Vorsprung derselben, oder die Giebelseite. Überhaupt die vordere, in dieAugen springende Seite eines Gegenstandes; auch das Titelblatt oder Titelkupfer.

Frontignac, ein süßer Muscatellerwein, der bei Frontignan in Nieder-languedoc wächst und über Cette und Montpellier ausgeführt wird. Es gibt rotheund weiße Sorten. Feinschmecker genießen ihn zu einigen Fischarten.

Frontinus (Scxtus Julius), ein Römer von patricischem Geschlechteaus der 2. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr., war 3 Mal Consul und unter Vespasianmit Ruhm Feldherr in Britannien. Bon Nerva erhielt er die Aufsicht über dieWasserleitungen, über welche er auch schrieb. F. starb um 106 n. Chr. Auchals Rechtsgelehrter stand er bei s. Zeitgenossen im höchsten Ansehen. Bekannt sindseine 4 Bücherve stratsxenmtidus" (Lcyden 1731, Leipzig 1773, und zuletztvon Wicgemann, Göttingen 1798) und sein Werkve »guaeäuetibus urbi« Ko-mas" (Padua 172232 und Altona 1793).

Fronto (Marcus Cornelius), Redner und Lehrer der Beredtsamkeit zuRom, aus Kreta gebürtig und in Cirta, einer römischen Colonie in Numidien, ge-bildet, lebte unter dm Kaisern Marcus Aurelius und Lucius Vcrus, die er beide inder Redekunst, Erstcrn auch in der philosophischen Moral, unterrichtete. AusDankbarkeit ließ ihm Marc Aurcl eine Ehrensäule errichten; auch rühmt dieserKaiser in seinen Selbstbelrachtungen mit ehrenvoller Anerkennung den von F. em-pfangenen Unterricht. Von den Schriften dieses Redners, den man mit Ciceroverglich und dessen Schüler und Nachahmer mit dem Namen Frontonianer aus-zeichnete, besaßen wir bisher nur Fragmente aus grammatischen Schriften, die sichin Putsch's Sammlung befinden. Alles übrige schien verloren, bis 1816 AngeloMajo, Bibliothekar der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand, mehre Werkevon ihm auffand und zuerst bekanntmachte, nämlich ein Buch lateinischer Briefean den Kaiser Antoninus Pius, 2 Bücher Briefe an den Kaiser L. Verus, Briefean Freunde, 2 Bücher Anweisung zur Beredtsamkeit, gerichtet an Marcus An-tvninus, einige Bruchstücke von Reden, ein langes Lrostschreiben an Marc Aurelüber die Niederlage desselben im parthischen Kriege, ein Paar scherzhafte Schrif-ten ic. Der ersten 1816 zu Mailand erschienenen Ausgabe dieser Schriften, dieallerdings wenig befriedigt, ist, außer einem Nachdruck (Franks. 1816), 1816eine kritische Ausg. von Niebuhr, mit Anmerk. von Buttmann und Heindorf, ge-folgt. Wir lernen hier F. als Briefsteller, weniger als Redner kennen, aber dengehegten Erwartungen entspricht er nicht. Zwischen ihm und Cicero ist ein zu mäch-tiger Abstand, um ihn romanae slogULNtiae II0Q «evunlluw, »eck alterum (IsvULzu nennen, wie Majo thut. Ebenso wenig aber dürfte er die Herabsetzung verdie-nen, welche ihm Niebuhr widerfahren läßt. Die richtigste Ansicht ist wol, daßF. und Symmachus so gut als Cicero und Plinius die größten Redner ihrer Zeitwaren; natürlich übersteht jeder Spätere dem Frühern so weit nach, als der Ge-schmack und die Bildung des Zeitalters, in welchem er lebt. S. Friedr. Roth'sBemerkungen über die Schriften des Fronto und über das Zeitalter der Antonine"(Nürnberg 1817).

Fronton, s. Giebel.