4Z2 Friedrich I. (König von Würtemberg)
1783, konnte der Baker die Erziehung seines Sohnes regelmäßiger ordnen, wobei erihn zum strengsten Gehorsam anhalten ließ. Der Prinz besaß außerordentliche Fä-higkeiten. Seine Bildung als Mensch war großentheils französischer Art, undwurde es noch mehr wahrend seines 4jährigen Aufenthalts in Lausanne. Erschrieb und sprach Französisch mit vollendeter Fertigkeit. Indeß achtete er die vater-ländische Literatur und drückte sich im Deutschen nicht weniger zierlich und rcgelfcstaus als im Französischen. Seine angeborene Beredtsamkeit ward durch das reichsteOrts - und Sachgedächtniß unterstützt, denn er hatte nicht bloß in der Mathematik,Naturkunde, Geschichte und Erdbeschreibung vorzügliche Kenntnisse sich erworben,sondern auch, besonders auf seiner Reise in Italien 1782, seinen Kunstgeschmackausgebildet. Dies bewies er in der Folge, als er Kunstwerke aufstellen ließ, auch durchdie Würdigung vaterländ. Künstler, z. B. gegen Dannecker. Allein zu lebhaft fürdas besonnene Prüfen, faßte er schnell eine oft falsche Ansicht auf und bestimmte da-durch , beharrlich, sein Urtheil. Daher so mancher Mißgriff seines spätern Leben«!Friedrich der Große war in Vielem sein Musterbild. Er trat, wie seine 7 Brüder,in preuß. Kriegsdienste und stieg im bairischen Erbfolgckricge bis zum Generalma-jor. Nach seiner Rückkehr aus Italien, wohin er seine Schwester und deren Ge-mahl, den Großfürsten Paul von Rußland, begleitet hatte, stellte ihn Katharinaals Generallieutenant und Generalgouverneur von Russisch - Finnland an. Aberauch dieses Verhältniß löste er 1787 auf und lebte zu Monrcpos unweit Lausanne,dann zu Bodenheim bei Mainz. Von hier reiste er nach Holland und Frankreich.In Versailles war er Zeuge der ersten Verhandlungen der Nationalversammlung.Im Febr. 1790 nahm er seinen Wohnsitz in Ludwigsburg. Nach dem unbeerb-ten Ableben zweier Brüder gelangte sein Vater 1795 zur Regierung von Würtrm-berg. Als nunmehriger Erbprinz stellte er sich 1796 dem Eindringen der Franzo-sen entgegen, mußte aber der Gewalt weichen, und lebte eine Zeitlang in Anspach,dann in Wien und in London, von wo er mit seiner zweiten Gemahlin im Juni1797 nach Stuttgart zurückkehrte. Bald darauf starb sein Vater. Er trat jetztdie Regierung des schon damals im stanz. Kriege hart mitgenommenen Herzog-thums an, das auf 153 UM. etwas über 600,000 Einw. zählte. In dem Kriege1799—1801 litt das Land noch mehr. Herzog Friedrich, der seine Pflichtals Reichsstand redlich erfüllte, und für britische Hülfsgelder noch mehr thunmußte, regierte dasselbe von Erlangen aus. In dieser verhängnißvollen Zeit ent-wickelte er große Rcgentengaben. Insbesondere wußte er durch seine Verbindungenmit den Höfen zu Wien und Petersburg, außer der Kurwürde, ein angemessene«Entschädigungsloos für den Ländcrverlust am linken Rheinufer im Reichsdeputa-tionsschlusse vom 25. Febr. 1803 zu erlangen. Seine aus ihm allein hervorgehendeStaatSkunst war mit Kraft und Klugheit gepaart, und zunächst auf die Erhaltung,dann auf die Vergrößerung seines StaatS gerichtet. So errang er allmälig durchfestes Anschließen, seit dem 2. Oct. 1805, an Napoleons überwältigendes Sy-stem , in und seit dem prcsburger Frieden, binnen 13 I. den Besitz eines unab-hängigen Königreichs von 368 UM. mit 1,400,000 Einw. Die Zeit nöthigteihn, seine ganze Kraft auf die auswärtigen Verhältnisse seines Staats zu wenden,und wie er hier durch ungebundene Machtvollkommenheit viel erreichte, so trug erdasselbe Streben auf die innern Verhältnisse über, welche er in Neu - Würtembergvöllig unabhängig nach eignem Ermessen feststellte, dann aber auch (1806) in Alt-Würtemberg, durch Aufhebung der Stände und der von ihm beim Regierungs-antritt beschworenen Verfassung, seinem Willen unterordnete. Im Gefühle seinerihm eigenthümlichen Kraft wollte er sich mit den Monarchen Europas mehr undmehr in eine Linie stellen. Damm bekleidete er seinen Thron mit dem vollen Prunkeder Majestät; darum erhob er sein Heer zu einer die Kräfte des Landes übersteigen-den Stärke; darum verwickelte er sich, besonders seit dem Tode seines edeln und