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4 (1830) F bis G
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Friedrich I. (König von Würtemberg)

geistvollen Freundes, des Grafen v. Zeppelin, in kühne Entwürfe, die er leiden-schaftlich und gewaltsam verfolgte, und durch die er Alles neu gestaltete. Einreißenund Aufbauen wechselten unter seiner Regierung Schlag auf Schlag. SeinScharfblick, mit dem er die Folgen der stanz. Revolution übersah, bestimmte seineHandlungsweise. Denn wo nicht alle Male an Geist und Kraft, doch immer anrascher Willensthätigkeit und stolzer Haltung seiner Umgebungen, die oft nur inAusländern bestanden, überlegen, wollte er, wie der große Friedrich, späterhin wolauch wie Napoleon, Selbstregent sein und Wölk und Staat durchgreifend maschi-nenartig handhaben, wie der Feldherr sein Heer. Dir sittliche Natur des Staatswar ihm, bei seiner franz. Weltbildung und bei der Art seiner Menschenkunde undLebensfreuden, nie klar geworden. Es kam ihm auch nicht ein leiser Zweifel ein,das Recht möchte vielleicht nicht auf seiner Seite stehen. Vielmehr ging er überallvon der unseligen Idee Friedrichs aus, daß keinem Menschen zu trauen sei. Daherdemüthigte.« ohne Schonung den einst rcichsfreien Adel; daher versetzte er nachWillkür die Beamten von einer Stelle in die andre; daher strafte er hart oft kleineVersehen; daher belastete er sein entwaffnetes, von Abgaben erschöpftes Volk mitder Conscription; daher erlangten Günstlinge, wie Dillen, solchen Einfluß aufihn, daß Niemand ihm die Augen zu öffnen wagte. In seiner Glanzsucht verlorsich selbst sein Geschmack für die Kunst, welchen man in den Anlagen von Stutt-gart, Ludwigsburg und Freudenthal nicht verkennt. Für Wissenschaften that erEinzelnes, ohne das Edle der wissenschaftlichen Bildung ganz zu würdigen. Da-bei übereilte er durch Leidenschaftlichkeit und Ungestüm oft selbst das Nützliche, waser thun wollte. Mir dem Willen, gerecht zu sein, entschied er bisweilen im Zom,strenger als das Gesetz, oder ganz nach Dem, was er gerade als recht und billig er-kannte. Doch ersparte er seinem Volke manches Übel durch die Entschlossenheit,mit der er Eingriffe der franz. Regierung in die innere Verwaltung seines Staatesabwies, wie die angcsonnene Einführung des stanz. Gesetzbuches. Auch das Reli-gionsedict vom 13. Oct. 1866, welches allen 3 christlichen Kirchen gleiche Rechtezusicherte, war sein eignes Werk. Dem Rheinbünde mußte er sich anschließen;doch bewirkte er in Erfurt, daß kein Würtemberger Spaniens Boden als Kriegerbetrat. Nach den Gesetzen des ContinentalsystemS ließ er die englischen Waarenverbrennen, erstattete aber den Eigenthümern den vollen Werth unter der Bedin-gung, den Empfang zu verschweigen. Übrigens hielt er so fest an dem SystemeNapoleons, daß er alle Kräfte seines Landes aufbot, um ihm in größerer Zahl, alsersoderlich, tapfere Scharen, gegen Preußen 1806, gegen Ostreich 1809 und ge-gen Rußland 1812 (15,000 Mann), zuzuführen. Erst nach der Schlacht beiLeipzig näherte er sich den Verbündeten. Der Minister, den er an sie abordnete,sollte ihm sogar noch ein Stück Land als Belohnung für seinen übertritt ausmit-teln, und fiel in Ungnade, daß er ihm durch den Vertrag von Fulda (6. Nov.1813) bloß die Gewähr seiner sämmtlichen Staaten und die Anerkennung seinerUnabhängigkeit verschafft hatte. Der neue Umschwung der Dinge, den im Herzenvon Europa die begeisterte Kraft des Volks hervorgebracht hatte, wirkte auch aufWürtemberg zurück. König Friedrich, der in Wien vergeblich sich mehren Be-stimmungen, inwieweit sie seine fürstliche Unabhängigkeit gefährdeten, widersetzthatte, begriff endlich, daß auch er den Federungen des wiedergeborenen Völkerrechtsnachgeben müsse. Doch zögerte er mit seinem Beitritt zur deutschen Bundesactebis zum 1. Sept. 1815. Seinem Volke kam er mit einem von ihm ausgeflossenenVerfassungsgesetze, das er ihm als Ordonnanz aufdringen wollte, entgegen; alleinzur größten Überraschung des in andrer Zeit an blinden Gehorsam gewöhnt gewor-denen Fürsten wurde dasselbe einstimmig verworfen. Die versammelten Abgeord-neten verlangten die alte Verfassung für Alt- und für Neuwürtemberg, zugleichschleunige Hülfe bei dem unglücklichen Zustande des Volks. Der König stellte nunLonv.-Ler. Siebente Auch Bd. IV. 1 28