Friedrich Wilhelm III. (König von Preußen) 429
rung der königl. Domamen, die Verwandlmig der Klöster und der übrigen geistlichenGüter in Güter des Staats (30. Oct. 1810), und die selbst unter sehr drückendenZeitverhaltnissen höchst freigebige Wege und Ausstattung des Erziehungswesens,wozu besonders die Stiftung der neuen Universität zu Berlin (1809) gehört, sowiedie Verpflanzung der Universität zu Frankfurt a. d. O. nach BreSlau, wo sie eineneue, zweckmäßigere Form erhielt. Im Dec. 1808 reiste F. W. in Begleitung seinerGemahlin nach Petersburg, um das Frcundschaftsbündniß mit dem Kaiser Alexan-der noch fester zu knüpfen. Nach einem Aufenthalte von einigen Wochen kehrte daskönigl. Paar nach Königsberg zurück und hielt am 23. Dec. 1809 seinen feierlichenEinzug in Berlin. Die Freude des Königs und des Landes wurde bald aufs em-pfindlichste gestört durch den unerwarteten Tod der allverehrten Königin Louise am19. Juli 1810. Aus dieser wahrhaft glücklichen Ehe sind noch 4 Prinzen und 3Prinzessinnen am Leben.— F. W. III. fuhr »»ermüdet fort, den innern Zustand sei-nes Landes zu vervollkommnen; dahin gehören verschiedene Verbesserungen in derEivil - und Justizverwaltung, im Münzwesen und im Anbau des Landes. An dieStelle der durch das Edict vom 30. Oct. 1810 und durch die Urkunde vom 23.Jan. 1811 aufgelösten Ballei Brandenburg, des Johanniterordens, des Heer-meisterthums und der Commenden derselben, deren sämmtliche Güter als Staats-güter eingezogen worden waren, errichtete der König (23. Mai 1812) einen neuenOrden, unter der Benennung: königl. preußischer St.-Johanniterordcn, und er-klärte sich selbst als Protector desselben. Mit Frankreich schloß er (24. Febr. 1812)zu Paris ein Schutzbündniß gegen alle europäische Mächte, mit welchen der eineoder der andre Theil in Krieg verwickelt wäre oder verwickelt werden könnte. Als imJuni 1812 der Krieg zwischen Rußland und Frankreich ausbrach, ließ der Königzu dem Heere des letztem ein Hülfscorps von 30,000 M. stoßen, welches mit dem10. franz. Armeeccrps unter dem Marschall Macdonald den linken Flügel bildeteund zu der Belagerung von Riga bestimmt wurde. Bei dem schnellen und verderb-lichen Rückzüge der Franzosen aus Rußland mußte auch das preuß. HülfscorpS sichzurückziehen. Aber der commandirende General (Bork) rettete es durch eine am30. Dec. 1812 mit dem russischen General Diebitsch abgeschlossene Übereinkunft,vermöge welcher das preuß. Corps für neutral erklärt wurde und sich von dem franz.Heere absonderte. Diese Handlung des Generals Vork mußte .anfangs gemißbil-ligt werden. Als aber der König am 22. Jan. 1813 seine Residenz nach Breslauverlegt hatte, ließ er von da anS in einem Parolebefehl vom 11. März dem Gen.Pork volle Gerechtigkeit widerfahren und übergab seinem Oberbefehle noch ein an-dres Truppencorps. Schon fühlten sich die Herzen aller Preußen durch die Hoffnungerhoben, Las von dem fremden Drucke so tiefgebeugte Vaterland wiederherstellen zukönnen, als der König sein Volk (3., 9. Febr. u. 17. März) zu den Waffen rief.Jetzt zeigte sich die Begeisterung einer heldenmüthigen Nation in der lebendigstenBolkskraft. Nicht bloß junge Leute aus allen Ständen ergriffen die Waffen, auchMänner, auf deren Beitritt man nicht rechnen konnte, stellten sich unter das Panierdes Vaterlandes. Alle Classen wetteiferten, mittelbar oder unmittelbar zur Rettungdes Staats durch die größten Aufopferungen beizutragen. Durch diesen Volkseiferund durch die von der Regierung bisher mit weiser Vorsichtim Stillen geleiteten Vor-bereitungen war es möglich, daß Preußen 1813 so bewundernswürdig schnell ein ge-übtes und zahlreiches Heer ins Feld stellen konnte. — Die Franzosen hatten Berlinerst in der Nacht vom 3. zum 4. März geräumt, worauf die Russen daselbst einzo-gen. Am 1ü. März kam Kaiser Alexander nach Breslau, wo der König sich nochaufhielt. Ein zu Kalisch am 28. Febr. geschlossenes Trutz - und Schutzbündniß,dessen Unterzeichnung, jedoch ohne nähere Kenntniß des Inhalts, am 20. Märzzur öffentlichen Kunde gebracht wurde, vereinigte beide Monarchen aufs innigstemit einander. Am 27. März übergab General Kmsemark in Paris die preu-