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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
427
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Friedrich Wilhelm III. (König von Preußen) 427

tm Günstlinge beiderlei Geschlechts sich der obersten Gewalt bemächtigt und miß-brauchten sie zu niedrigen Zwecken. Verschiedene heilsame Einrichtungen Fried-richs H. waren vernichtet worden. Die Bessern im Volke richteten ihre Augensehnsuchtsvoll auf den Kronprinzen, der im Geiste seines Großoheims zu handelnhoffen ließ. Er erfüllte gleich nach dem Antritte seiner Regierung die von ihm gefaßteHoffnung, so viel er konnte. Das verhaßte Religivnscdict, Wöllner's Ausgeburt,und das Censurreglement wurden, sowie der lästige Tabackspacht, aufgehoben, Druck-und Preßfreiheit wiederhergestellt; eine vernünftige Censur wurde angeordnet; derLaus der Justiz durfte nicht mehr durch willkürliche Cabinetsbcfchle unterbrochenwerden. Der junge König entfernte mehre Personen, die unter der vorigen Regie-rung den gerechten Unwillen der Nation gegen sich erregt hatten, und stellte an dieSpitze der Geschäfte Männer von anerkannter Einsicht und Redlichkeit. Die Recht-lichkeit des Königs zeigte sich auch in seinen Cabinetsbefehlen; sie lieferten ein bisdahin ungewöhnliches Beispiel, daß der Regent den Regierten die Gründe seinesVerfahrens einzeln darlegte. Eine weise Sparsamkeit, welche die zerrütteten Finan-zen und eine Staatsschuldenlast von 22 Mill. Thlm. nothwendig machten, wurdeeingeführt. Der König selbst gab das Beispiel an seinem Hofe, wo edle Einfach-heit, verbunden mit Ordnung und Pünktlichkeit, herrschte. Das königl. Paar wardas schönste Muster eines glücklichen, häuslichen Lebens und der auf Thronen so sel-tenen Gattenliebe. (Vgl. Louise.) Bei dem erneuerten Kampfe der europäi-schen Mächte gegen Frankreich behauptete Preußen die seit dem baseler Vertragevom 17. Mai 1795 angenommene Neutralität, und F. W. HI. benutzte diese Zeit deSFriedens, um die alten und neuen Provinzen seines Reichs zu einer immer höher»Stufe der Bildung zu erheben, und besonders in letztem den innern Wohlstanddauerhaft zu gründen. Durch den baseler Frieden war festgesetzt worden, daß diefranz. Truppen die auf dem linken Rheinufte liegenden preuß. Provinzen, Geldern,Mcurs und einen Theil von Kleve, fortwährend in Besitz behalten sollten; die defi-nitive Entscheidung wegen dieser Provinzen war bis zum allgemeinen Frieden zwi-schen Frankreich und dem deutschen Reiche ausgesetzt geblieben. Nachdem dieserFriede am 9. Febr. 1801 zu Luneville zu Stande gekommen, und das ganze linkeRheinufcr an Frankreich überlassen worden war, erhielt Preußen 2 Jahre nachherdurch den Reichsdeputationsschluß den östlichen Theil des Stifts Münster, dieFür-stenthümer Hildesheim, Paderborn, Eichsfeld, Erfurt mit seinem Gebiet, Unterglei-chen, Treffurt, Dorla, die freien Städte Goslar, Mühlhauscn und Nordhausen, dieStifter Quedlinburg, Essen, Werben, Elten, die Abtei Herford und die Propste»Kappenbcrg. Preußen gewann durch diese Entschädigung gegen 180 HjM., mitmehr denn 400,000 Einw , größtenteils treffliche, dem Staate wohlgelegene Län-der, mit einem Überschüsse an Einkünften von mehr als 2 Mill. Gldn. Durch einenTausch mit Baiern wurden die fränkischen Fürstenthümer zweckmäßig und mit einemGewinn von ungefähr 8 UM. gerundet. F. W. war jetztBeherrschcr cinerNation,deren Volksmenge gegen 10 Mill. betrug. Bei dem durch die dritte Coalition zwi-schen England, Rußland und Östreich gegen Frankreich 1805 ausgebrochencnKriegeblieb F. W. seinem Neutralitätssystem getreu. Bewegungen, welche von Rußlandgegen Preußen gemacht wurden, veranlaßten den König, auch seine Truppen in Schle-sien und an der Weichsel zusammenzuziehen. Aber der unerwartete Durchmarscheines sranzösisch-bairischen Heeres durch das neutrale anspachische Gebiet und diepersönliche Gegenwart des Kaisers Alexander in Berlin änderten die Lage der Dinge.Der König trat insgeheim (3. Nov. 1805) der Coalition gegen Frankreich unter ge-wissen Bedingungen bei, suchte noch den Frieden zwischen den kriegführenden Mäch-ten zu vermitteln, und schickte ein Heer nach Franken. Nach der Schlacht von Au-sterlitz kam der Friede zwischen Östreich und Frankreich zu Stande. Wenige Tagevorher (15. Dec.) war zu Wien, durch den Grafen Haugwitz, eine vorläufige über-