Friedrich Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg) 415
mit ihm zur Vertheidigung der Niederlande gegen Frankreich verbanden. Obgleichnun die Franzosen größtentheils, nach dem Vordringen des Kurfürsten in Westfa-len, die Republik verließen, so ward doch der Fcldzug der Deutschen durch die Lang-samkeit der östr. Feldherren und durch ihre Eifersucht auf den Kurfürsten vereitelt.Der Kurfürst mußte aus Mangel anLebcnsmitteln sich zurückziehen und seine west-fälischen Länder den Verheerungen der Feinde überlassen. Als nun auch die Öst-reich» von ihm sich trennten, und die holländischen Hülssgcldcr ausblieben, sah ersich zu dem Vertrage von Voffem (Dorf bei Löwen, 6. Juni 1673) genöthigt, nachwelchem Frankreich Westfalen zu räumen und dem Kurfürsten 800,000 Limes zuzahlen versprach, der Kurfürst dagegen dem Bündnisse mit Holland entsagte undFrankreichs Feinden weder mittelbar noch unmittelbar bcizustehcn versprach, sichaber vorbehielt, im Falle eines Angriffes, dem deutschen Reiche Hülfe zu leisten.Dieser Fall trat schon 1674 ein, wo der Reichskrieg gegen Frankreich beschlossenward. Bereits vorher hatte sich der Kurfürst mitÖstreich, Holland und Spaniennäher verbunden. Die beiden letztem versprachen ihm für ein Corps von 16,000Mann Hülfsgelder. Mit diesem Corps ging er im Aug. 1674 in den Elsaß undverband sich mit der Reichsarmee. Der kaiserl. Feldherr Bournonville vermied abereine Schlacht, so sehr sie der Kurfürst wünschte, worauf der verstärkte Turenne dasdeutsche Heer bei Mühlhausen im Sundgau besiegte und es nöthigte, den Elsaßzu räumen. Während nun der Kurfürst in Franken in Winterquartieren stand,verwüstete (Dec. 1674), von Frankreich angeregt, ein schwedisches Heer von
16.000 M., unter Wrangel, Pommern und die Mark. Der Kurfürst ging ihmmit 5600 Mann entgegen, schlug (18. Juni 1675) bei Fehrbellin (s. d )
11.000 Schweden, und befreite dadurch den Kurstaat. Obgleich nun der Kaiser,wegen dieses Einbruchs, gegen Schweden die Acht und einen Reichskrieg erklärte,so war er doch eifersüchtig über des Kurfürsten Vordringen in Pommern. DerKurfürst war deßhalb geneigt, sowie Spanien und Holland, zu Nimwegen (1678)einen Separatfrieden mit Frankreich zu schließen. Da aber Frankreich von ihmverlangte, Schweden alle Eroberungen zurückzugeben und dasselbe für die Kriegs-kosten zu entschädigen, so trat er mit Dänemark und Münster zu einem neuenBündnisse zusammen und vollendete durch die Einnahme von Greifswald undStralsund (1678) die Eroberung von ganz Pommern. Ebenso warf er (Jan.1679) die unter Horn in Preußen eingefallenen Schweden zurück. Noch stand ermit Dänemark allein im Felde gegen Schweden. Da verlangte Ludwig XIV.,daß er mit Schweden Frieden schließen und alle Eroberungen herausgeben solle; alsder Kurfürst dies verweigerte, ward er durch 30,000 Franzosen, welche in Kleveeinfielen, zum Frieden von St.-Germain (29. Juni 1679) genöthigt, in welchemer alle Eroberungen von Schweden herausgab, dagegen aber die wenigen Örter undZölle erhielt, welche Schweden seit dem westfälischen Frieden in Hinterpommernbesaß, und von Frankreich 300,000 Kronenthlr. als Entschädigung. Als in derFolge Ludwig XIV. (s. d.) durch s. Reunionskammern mehre Bezirke im Elsaßund Lothringen an sich riß, bewirkte der Kurfürst (1684) den Waffenstillstand auf20 Jahre, welcher zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossen ward. Dochtraten zwischen ihm und Frankreich neue Mißhelligkeitcn «in, als er sein Bündniß(1685) mitHolland erneuerte und die reformirten Flüchtlinge aus Frankreich (etwa14,000) in seine Staaten aufnahm, welche zu dem Wohlstände derselben bedeutendbeigetragen haben. Jene Mißverständnisse veranlaßten ihn, sich Östreich, obgleicher von demselben bisher wenig unterstützt worden war, wieder zu nähern; nochmehr aber bestimmte ihn dazu die Hoffnung, für die 3 schlesischen Fürstenthümer,Liegnitz, Brieg und Wolau, deren Fürst 1675 ohne Erben gestorben war, undwelche, in Folge einer alten Erbverbrüderung, an Brandenburg hätten fallen sollen,aber von Ostreich eingezogen worden waren, entschädigt, und in den Besitz des Für-