414 Friedrich Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg)
mehre Zweige der Staatsverwaltung nach den neuen Verhältnissen des Landes undbefolgte in jeder Hinsicht gemäßigte und weise Grundsätze. — Im Sept. 1818 feierteer sein Regierung«- und im Jan. 1819 sein Ehejubiläum. Ober seine letzten Gesetzes. Sachsen. Er starb zu Dresden den 5. Mai 1827. Ihm folgte sein BruderAnton. Die verwitw. Königin Amalia st. zu Dresden den 15. Nov. 1828 in ihrem77.1. S.Herrmann's „Leben Friedrich Augusts", eine Skizze (DreSden 1827);„Mittheilungen a. d. Leben des Königs v. Sachsen, Friedr. August des Gerechten"(Lpz. 1829); Weiße, „Gcsch. Friedr. Augusts" (Lpz. 1811); und Pölitz, „Regie-rungsgesch. Friedr. Augusts", aus amtl. Quellen (Lpz. 1830). Man s. die histor.Schriften über Sachsen, von Weiße und von Pölitz.
Friedrich Wilhelm (der große Kurfürst von Brandenburg), geb. 1620,war 20 I. alt, als er nach dem Tode s. Vaters, Georg Wilh. (1. Dec. 1640), dieRegierung antrat. Er änderte sogleich das bisherige System und benahm sich indem noch fortdauemden dreißigjährigen Kriege, da er von beiden Parteien gleich vielzu fürchten hatte, mit solcher Klugheit, daß er sich Achtung und seinen Landern Er-leichterung verschaffte, obgleich ein Theil derselben noch lange von fremden Truppenbesetzt blieb. 1641 schloß er, der östr. Gegenvorstellung ungeachtet, mit Schwedeneinen Reutralitätsvertrag, überließ aber seine Cavalerie dem Kaiser, dem siedenEid der Treu« geleistet hatte. Durch den Waffenstillstand mit Hessen-Kassel (1614)erhielt er die von Hessen besetzten Örter in Klevc und in der Grafschaft Mark zurück.1647 vermählte er sich mit der oranischcnPrinzessinLouise Henriette (geb. den17. Nov. 1627, gest. den 8. Juni 1667, Verfasserin des Liedes: Jesus, meine Zu-versicht). Obgleich nach Absterben der Herzoge von Pommern (1637) dieses Landan Brandenburg hätte fallen sollen, so war es doch von den Schweden besetzt wor-den, und Friedrich Wilhelm war genöthigt, im westfäl. Frieden (1648) Vorpom-mern, die Insel Rügen und einen Theil von Hinterpommern an Schweden zu über-lassen, wogegen er, nebst dem Reste von Pommern und der Grafschaft Hohenstein,die Bisthümer Halberstadt, Minden und Kamin als weltliche Fürstenthümer bekam,und das Erzstift Magdeburg ihm, nach dem Tode des damal. Administrators, desPrinzen August von Sachsen, als Herzogthum versprochen ward. Friedr. Wilh.sing nun an, seine Kriegsmacht auf einen bessern Fuß zu setzen. In den Krieg, wel-chen 1655 Schweden mit Polen führte, ward auch er, wegen des HerzogthumsPreußen, verwickelt. Anfangs war er auf der Seite des Königs von Schweden,Karl Gustav, half diesem die dreitägige Schlacht bei Warschau (18. — 20. Juli1656) gewinnen und erhielt von ihm verschiedene Vortheile; als aber Rußland undÖstreich sich für Polen erklärten, änderte auch er sein System und schloß (19.Sept. 1657), unter Östreichs Vermittelung, zu Welau einen Vertrag mit Polen,das ihm die völlige Souvcrainetät einräumte, auch ihm die, nach dem Absterben derHerzoge von Pommem, als poln. Lehen eingezogenen Herrschaften Lauenburg undBütow, jedoch als Lehen, überließ, wogegen er das ihm von Schweden eingeräumteEcmeland abtreten mußte. Die preuß. Stände waren mit dieser, ohne ständischeGenehmigung getroffenen Veränderung unzufrieden und verweigerten dem Kurfür-sten den Huldigungseid, weßhalb er zu Königsberg die Festung Friedrichsburg an-legen ließ. Karl Gustavs plötzlicher Tod befreite ihn von einem Gegner, der wahr-scheinlich die Bedingungen des welauer Vertrags nicht ungeahndet gelassen habenwürde; so aber wurde im Frieden zu Oliva (1660) jener Vertrag bestätigt, und fest-gesetzt, daß die gemachten Eroberungen gegenseitig herausgegeben werden sollten.Der Kurfürst wandle nun seine ganze Sorgfalt auf die Begründung des Wohlstan-des und des Handels in seinem Staate; dabei sandte er dem Kaiser 2000 M. gegendie Türken zu Hülfe. 1672 trat er mit der Republik der Niederlande in ein Bünd-nis, als diese von Ludwig XIV. bedroht wurde; auch trug er dazu bei, daß sichzu Braunschweig der Kaiser, Dänemark, Hessen-Kassel und andre deutsche Fürsten