Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
409
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Friedrich der Gebissene

sich mit Friedrich dem Siegreichen (Bruder des verst. Ludwig), der statt s. NeffenPhilipp die Kur für sich verlangte, und als Friedrich widersprach, Mainz, Trier undeine Anzahl deutscher Fürsten auf s. Seite brachte, und selbst dem Böhmen GeorgPodiebrad Aussicht zur Kaiserkrone machte. Mehrmals versammelten sich die miß-vergnügten Prinzen und erließen an den Kaiser (1461) Briefe voll der bitterstenBorwürfe, und mit s. Absetzung drohend, schrieben sie s. Schwäche und Regierungs-unfähigkeit alles Elend Deutschlands zu. Wenig würden Friedrichs Unterhandlun-gen, bei der allgemeinen Unzufriedenheit mit ihm, gefruchtet haben, wenn nicht demschlauen Pius ll , der Frieden stiftete, mit einem solchen Kaiser mehr als mit einemgeheimen Calixtiner und einem Podiebrad dazu, gedient gewesen wäre. Fast ohneWiderstand ließ Friedrich die Osmanen 1469 bis Krain und 147S fast bis Salz-burg vordringen; ruhig sah er die Fürsten Sachsens im Bruderkriege sich befehden.Seiner schwankenden Politik, der zufolge er die Könige von Böhmen und Ungarnunter sich verfeindete, hatte er es zuzuschreiben, daß endlich Beide gegen ihn dieWaffen kehrten, und besonders Matthias ihn so in die Enge trieb, daß Friedrichauch nicht Einer Stadt in s. Ecblanden mehr mächtig war. Auch Karl den Kühnen,dessen reiche Erbtochter er für s. Sohn verlangte, tauschte er bei den Unterhandlun-gen zu Trier (1473) über die Erhöhung Burgunds zu einem Königreiche, die erdurch schleuniges Wegeilen abbrach, und gerieth dafür mit Herzog Karl selbst in ei-nen Krieg, dem er persönlich beiwohnte, ohne Etwas auszurichten, da er einen Bundmit Frankreich, der Schweiz und Lothringen durch 200,000 Kronen sich von Karinabkaufen ließ. Als endlich sein 1486 zum römischen König erwählter Sohn, Maxi-milian, nach Karls Tode (1477) die Hand der Maria und mit ihr die reichen Nie-derlande davon getragen hatte, wurde dieser mit Frankreich, und über die Vormund-schaft für s. Kinder mit den eignen Niederländern in Krieg verwickelt, und 1488selbst gefangen genommen. Dies rüttelte den alten Friedrich aus s. Unthätigkcit,und er zo g dies Mal in Person dem Sohne zu Hülfe. Maximilian verschaffte danns. Vater Ostreich wieder; nur die durch Matthias's Tod, 1490, erledigte ungari-sche Krone mußte er Ladislav von Böhmen lassen. Endlich, nach so vielen vereitel-ten Planen, die ihn indeß weniger beunruhigten als der Gedanke, wegen eines ihmabgenommenen Beines nach seinem Tode der einbeinige Kaiser genannt zu werden,starb Friedrich IV. an zu reichlichem Genusse von Melonen den 19. Aug. 1493,und überließ es seinem größer» Sohne, das von Friedrich auf s. Bücher und Palästegesetzte Anagramm: L. 1. 0.17." (Lustrise Lst Iwperar« Orbi 17nivsrio?)

zu verwirklichen. Lr.

Friedrich der Gebissene, oder mit der gebissenen Wange,auch der Freudige genannt, Markgraf zu Meißen und Landgraf in Thürin-gen. Sein Vater, Albert, Landgraf in Thüringen, mit dem Beinamen der Unartige,hatte Kaiser Friedrichs H. Tochter, Margarethe, zur Gemahlin, mit welcher er Fried-rich und Diezmann zeugte. Allein s. Liebe zu einem Hoffcäulein, Kunigunde v. Ei-scnberg, verleitete ihn zu dem Plane, s. Gemahlin heimlich ermorden zu lassen, der»ur durch Margarethens schleunige Flucht vereitelt wurde. Die trostlose Mutterüberhäufte bei ihrem Abschiebe vorzüglich Friedrich mit Küssen, und biß ihn, im hef-tigsten Ausbruch ihres mütterlichen Schmerzes, in den Backen, sodaß Friedrich fürimmer eine kleine Narbe behielt. Albert, erbittert über das Mißlingen s. schändli-chen Vorhabens, trug den Haß gegen sie aufs. beiden Söhne über, wollte sie von der; Thronfolge in Thüringen ausschließen, und solche auf Apitz, den mit Kunigunden! erzeugten Bastard, bringen. Mehre s. Ritter und Vasallen aber traten auf die Seite! s. beiden rechtmäßig erzeugten Söhne, und es brach zwischen diesen und dem Vater1281 ein Krieg aus. In diesem ward Friedrich von s. Vater gefangen genommenund mußte ein ganzes Jahr auf der Wartburg zubringen, bis ihn einige s. treuenUnterthanen mit Gewalt befreiten. Als er und s. Bmder, nach dem Absterben des