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Friedrich II., der Hohenstaufe
recht, ober das Recht der Stärke, zuerst ein Landfriede in deutscher Sprache gebo-ten, und in seinen frühesten, kaum merklichen Anfangen das geheime Gericht derFeme zu arbeiten begann; wo die ersten Universitäten den Geist der Prüfung undForschung anregten; wo der Provenpalen Gesang schon eine Hcimath in Deutsch-land und Italien, und bei Kaisern und Königen Ehre und Übung gefunden hatte:in dieser Zeit erwuchs und handelt« der große Friedrich von Hohenstaufe«! Ohnekörperlich groß zu sein, war Friedrich wohlgebaut, blond, mit schöner Stirn undfast antik gebildeter Nase, Auge und Mund mild und freundlich, ein kräftiger,schnell für sich einnehmender Mann. Der Erbe der besten Eigenschaften von Allenseines großen Geschlechts, kühn, tapfer, freigesinnt, mit den trefflichsten Anlagen,voller Kenntnisse, verstand er sämmtliche Sprachen seiner Unterthanen: Grie-chisch, Lateinisch, Italienisch, Deulsch, Französisch und Arabisch; dabeiwar«streng, selbst leidenschaftlich rasch, mild und freigebig, wie die Zeit es mit sichbrachte, vergnügt, üppig und lebensfreudig, wie die Stimmung es vergönnte.Und wie sein Körper durch Fertigkeit in aller ritterlichen Kunst vollendete Ge-wandtheit sich zugeeignet, so war seinem in der Erziehung vernachlässigten, nurdurch sich selbst gebildeten Geiste durch eine frühe Schule der Leiden eine Bieg-samkeit des Charakters geworden, welche die im Purpur Geborenen so selten ken-nen, und eine Schwungkraft, die ihn eben dann wieder «kräftigte und aufrich-tete, wo ein Andrer, von Schmerz und Noth erdrückt, sich selber verloren habenwürde. So mußte aber auch der Körper wie der Geist eines Mannes beschaffensein, der in dem schon damals zersplitterten Deutschland eine übermächtige Aristo-kratie, im obern Italien eine übermächtige Demokratie, im mittlern Italien eineübermächtige Hierarchie bekämpfen und in seinem südlichsten Erbstaate die feind-lichen Elemente von sechs Bölkern zu Einem Ganzen unter sich versöhnen und durchinnere Bande vereinigen sollte; der von weltlichen wie geistlichen Waffen, vonGcgenkönigcn wie von Bann und Interdikt bekämpft, siegreich und besiegt, 40Jahre ausdauern, die Empörung eines Sohnes, die Verräth«« und Giftmi-scherei des werthesten Freundes, den Verlust seines Lieblingskindes überstehen, undnur im letzten Augenblicke seines Lebens, nicht ohne die bittere Überzeugung, einenschweren Kampf umsonst gekämpft zu haben, die scharfgefaßten Zügel und dasfeste Scepter niederlegen sollte. — Friedrich stand bis 1209, wo er die Regie-rung des untern Italiens und Siciliens selbst übernahm, unter der Vormund-schaft des Papstes Jnnocenz III. Aber schon die Bclehnung mit Neapel und Si-cilien, und die Krönung des 4jährigen Knaben hatte die Kaiserin Constantia mitAufopferung der wichtigsten Kirchenrechte dem Papste abkaufen müssen. Mag-natenpartcien, dem Kirchenoberhaupte willkommen, theilten das Land, und theil-ten es noch, als Friedrich 1209, lüjährig, ohne Rath und Leitung, ein Scepternahm, dem er weder durch Geld noch durch ein Kriegsheer oder einen StaatsrathAnsehen verschaffen konnte. Die von deutschen Fürsten dem dreijährigen Kinde zu-gesagte deutsche Königskrone hatte nach Heinrichs VI. Tode dessen Bruder, Her-zog Philipp v. Schwaben, seinem Neffen nicht retten können oder wollen, aber sieauch im Kampfe mit Otto IV., einem welfischen Gegenkönige, zwecklos getragen,bis er 1208 auf der Altenburg, der königl. Pfalz von Bamberg, einer Mörder-hand erlag. Als aber der nun allein anerkannte Otto dem Papste mißfällig wurde,der, wie in weltlichen Dingen überhaupt, so auch im (seit 1137 dauernden) Wel-sen - und Gibellinenstreite das Schiedsrichteramt für sich begehrte, und sich, seitder Hohenstaufen Herrschaft in Neapel, in der Lombardei ein Bollwerk gegenDeutschland geschaffen hatte, rief Jnnocenz selbst den jungen Hohenstaufen auf dendeutschen Thron. Nicht an dem Namen, sondern an der Sache hing seine Politik.Wie durch ein Wunder kam 1212 Friedrich, trotz allen Nachstellungen der welsi-schen Partei, in Deutschland an und wurde von der hohenstaufischen mit offenen