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Friedrich II., der Hohenstaufe
der Gibelline» (s. d.) wurden dadurch nur mehr gegen einander erbittert. Aufdie Nachricht, daß Saladin den Christen Jerusalem (1187) wieder entrissen habe, undauf die Ermahnungen des Papstes, unternahm Friedrich 1189 mit 150,000 M.,ohne viele tausend Freiwillige zu rechnen, den 4. Kreuzzug, vor dessen Antritt einLandfriede in Deutschland zu Stande kam. Der griechische Kaiser zu Konstanti-nopel halte sich mit Saladin und dem Sultan von Jconium insgeheim verbundenund suchte den Marsch der Deutschen zu hindern. Aber Friedrich bahnte sich glück-lich einen Weg nach Asien, erhielt 2 Siege über die Türken bei Jconium, drang,'n Syrien ein und stach mitten unter glücklichen Erfolgen am 10. Juni 1190 beiSeleucia in Syrien, nachdem er durch den Kalykadnus mit dem Pferde hatteschwimmen wollen. Friedrich war ein tapferer, freigebiger, im Glück und Unglückgleich standhafter Fürst, und diese großen Eigenschaften bedeckten den Stolz unddie Herrschsucht, die allerdings die Haupttriebfedern seiner Handlungen waren. Erhatte ein bewunderungswürdiges Gedächtniß und besaß für sein Zeitalter unge-wöhnliche Kenntnisse. Er schätzte die Gelehrten, besonders die Geschichtschreiber,aus deren Werken er die hohe Idee von einem Kaiser schöpfte, die er durch seineRegierung zu verwirklichen strebte. Seinen Vetter, den Bischof Otto zu Freisin-gcn, ernannte er zu seinem Geschichtschreiber, und seine Liebe zur Baukunst bezeu-gen noch jetzt die merkwürdigen Ruinen des von ihm erbauten Reichspalastes inGelnhausen in der Wettcrau. („Kaiser Friedrichs I. Barbarossa Palast in derBurg zu Gelnhausen", von Bernh. Hundshagen, Mainz 1819, Fol.) Er warvon edelm und majestätischem Ansehen, und, trotz seiner Streitigkeiten mildenPäpsten, ein aufrichtigerer Anhänger der Religion als Diejenigen, die sich ihrer nurzur Erreichung andrer Absichten zu bedienen suchten. Nach des Kaisers Tode konntedie Absicht des Kreuzzugs nicht mehr erreicht werden; sein heldenmüthiger Sohn,Herzog Friedrich von Schwaben, der den Oberbefehl übernommen hatte und dendeutschen Orden stiftete, ward von einer pestartigen Krankheit hingerafft, 1191,und von dem mächtigen Heere, das Friedrich aus Deutschland geführt hatte, ka-men nur wenige Trümmer zurück.
Friedrich!!., der Hohenstaufe, Enkel des Vorigen, geb. zuJestin der Mark Ancona den 26. Dec. 1194, Sohn des Kaisers Heinrich VI. und dernormannischen Constantia (Erbtochter von Sicilien diesseits und jenseits des Faro).Kein Fürst im Mittelalter, etwa Karl den Gr. ausgenommen, hat diese universal-historische Wichtigkeit, als Friedrich II.; Wenigen wurde eine so ausgezeichneteIndividualität, eine solche Kette der merkwürdigsten Schicksale und eine so eigen-thümliche Stellung nach Ort und Zeit zu Theil. Die merkwürdigste Zeit des Mit-tclalters knüpft sich an seinen Namen und an seine lange Regierung, von 1209—50. Es war die Zeit, wo durch Jnnocenz III., Gregor IX. und Jnnocenz IV.,Gregor's VII. System der Hierarchie auf einen fast für unmöglich gehaltenen Gradgesteigert wurde: wo in dem Entstehen der Ritterorden (zum Kampf gegen die Un-gläubigen und zur Territorialerwciterung des papstl. Machtgebietcs) so gut wie inder Stiftung der Bettelorden und dec Inquisition ftrrchtbare Säulen und Stützenjenes geistl. Baues aufgerichtet wurden; wo die europ. Menschheit durch die Kreuz-züge zum ersten Male von einer allgemeinen, im Kreuzeszeichen versinnlichten Jdeeergriffen und einander näher gebracht war; wo in Waldensern und Albigensern be-reits, nachdem schon mancher Einzelne ohnmächtig, doch unvergessen laut gewordenwar, ein Protestantismus des Mittelalters laut wurde; wo das Ritterthum einehöhere, durch Religion geadelte Stellung und planmäßige Organisation erhielt; woder freie Bürgerstand sich immer glücklicher ausbildete und in Deutschland vonFriedrich gegen die Aristokratie begünstigt, in Oberitalien von ihm als päpstl. Werk-zeug bekämpft wurde, hier und dort aber in großen Conföderationen nach Außenund Corporationen nach Innen Kraft und Stützpunkt fand; wo gegen das Faust-