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Friedländer (Michel)
unwiderstehlich angezogen. Auf seine weitere Bildung hatte sein Freund, der scharf-sinnige und gelehrte Marcus Herz, nachmals Pros. und Hofrath in Berlin, grossenEinfluß. Ohne regelmäßiges Studium erwarb sich F. nur durch aufmerksames Le-sen die Kenntniß der hebräischen, französ. und deutschen Sprache und Literatur.Seine ganze Zeit nahm das Gewerbe eines Kaufmanns und spater, als er den Han-del aufgab, die Sorgen und Pflichten des Hausvaters und Bürgers in Anspruch.Dagegen warb er durch lange ununterbrochene, innige Freundschaft mit Mendels-sohn und mit den Besten seiner Zeit so vertraut, daß man noch jetzt indem Gesprächemit ihm die Stimmen aus jener schönen Zeit zu vernehmen glaubt. Die ausge-zeichnetsten Männer Berlins würdigten ihn ihrer Freundschaft, darunter Spalding,Teller, Meierotto und Engel. Der Letztere widmete ihm die Ausgabe seiner sämmt-lichen Schriften. — In seinem Hause lebte D. Friedländer in glücklichen Verhält-nissen. Seine 1814 verst. Gattin, geb. Jtzig, gab ihm 2 Söhne. F.'s ehr-würdiges Alter schmückt aber auch das Verdienst der thätigsten Liebe für seine Mit-brüder. Sowie er selbst der Religion seiner Väter treu geblieben ist, so glaubte erauch, daß die altväterlichen Lugenden in seinem Volke nicht aussterben können,so lange der vernünftige Jsraelit seine Pflichterkenntniß hauptsächlich aus den Quel-len der heiligen Urkunden und nicht allein aus Mcnschcnsatzungen schöpft. F. hatdaher mehrmals sowol zur Vertheidigung als zur Belehrung seiner Mitbrüder dieFeder ergriffen und Alles, was zu ihrer religiösen und sittlichen Bildung beitragenkann, mit ebenso viel Einsicht als Wärme befördert. Die Geschichte seiner eignengeistigen Erweckung hat er in seinem „Sendschreiben an Teller" (Berlin 1799) er-zählt: eine Schrift, die damals eine Menge Gegenschriften veranlaßte. Auch alsAssessor des königl. Manufaktur - und Commerzcvllegiums hat D. Friedländer durcheinige Schriften manche« Gute gewirkt. Durch die Wahl seiner Mitbürger wurdeer Stadtrath in Berlin. Früher war er Gcneraldeputirtcr sämmtlicher Judenschaf-ten in den preuß. Staaten, und die „Aktenstücke, die Reform der jüdischen Colo-nien in den preuß. Staaten betreffend" (Berlin 1793) sind ganz aus seiner Federgeflossen. Als Ältester der Judenschast zu Berlin, 1806—12, wirkte er für siedas Bürgerrecht aus. Damals machte er seine Gedanken über die durch die neueOrganisation der Judenschaften in den preuß. Staaten nothwendig gewordene Um-bildung ihres Gottesdienstes in den Synagogen, ihrer Unterrichtsanstalten und de-ren Lehrgegenstände und ihres Erziehungswesens überhaupt (Berlin 1812) durchden Druck bekannt. Auch gab er „Reden, der Erbauung gebildeter Jsraelitengewidmet" 1815 und 1817 heraus. Seine Schrift: „Über die Verbesserung derJsraeliten im Königreich Polen" (Berlin 1819) enthält sehr zweckmäßige Vor-schläge. Unter seinen frühern Schriften ist seine Übersetzung des Predigers Salomozu bemerken, die er, nebst einer Abhandlung über den besten Gebrauch der heil.Schrift in Pädagog. Hinsicht, zu Berlin 1788 herausgab. Mehre Aufsätze von ihmstehen in derZeitschrift „leckillja"; man schätzt seine „Proben einer Übersetzung ein-zelner Abschnitte aus dem Jesaias und Hiob" (Berlin 1821). Zur Vertheidigungseiner Stammgenossen gegen leichtsinnig hingeworfene Behauptungen erschien sein„Beitrag zur Geschichte der Verfolgung der Juden im 19. Jahrh, durch Schrift-steller" in der Form eines Sendschreibens an Frau Elisa von der Recke, geb. Grä-fin von Medem (Berlin 1820). Seine neueste, vom Pros. Krug (Leipzig 1823)herausgeg. Schrift: „An die Verehrer, Freunde und Schüler Jerusalem's, Spal-ding's, Teller'«, Herder's und Löffler's, wurde durch die in Berlin entstandene„Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden" veranlaßt. Sieenthält helle Blicke in das Wesen der religiösen Überzeugung und treffliche Bemer-kungen über die wahre Ausbildung seiner Glaubensgenossen. C. Bardua hat seinBildniß auf Stein gezeichnet (Berlin 1822). 20.
Friedländer (Michel), Arzt, geb. zu Königsberg 1769, gabinseiner